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Das wird eng: Über 100 Tage leben Vater Markus Roepke und Tochter Magdalena Menzinger auf rund 4,5 Quadratmetern. Der Transporter ist Zuhause und Fahrzeug zugleich.

Roadtrip mit seiner Tochter

Nach Burnout: Traubinger fährt mit dem Lieferwagen nach Teheran

Der Traubinger Markus Roepke und seine Tochter starten am Sonntag mit einem ausgebauten Lieferwagen in den Iran – das sind rund 5000 Kilometer. Er will eine Auszeit nehmen, sie nutzt die Reise für ein Fotoprojekt.

Traubing– Er ist acht Jahre alt und hat schon mehr als 100 000 Kilometer zurückgelegt. Jetzt steht „Victor“ kurz vor seiner größten Reise. „Victor“ ist ein Lieferwagen, genauer gesagt ein weißer Mercedes Vito 113 mit Allradantrieb. Früher war „Victor“ ein Werkstattwagen, Markus Roepke (55) hat ihn in den vergangenen drei Monaten zu einem Camper ausgebaut, zu einem Zuhause auf vier Rädern. Mit ihm werden sich er und seine Tochter Magdalena Menzinger (25) am Sonntag von Traubing aus auf den Weg in den Iran machen.

Die Geschichte begann im September. Roepke, schlank, graue Haare, schwarze Brille, schickte seiner Tochter eine Whatsapp-Nachricht: „Was hast du von Februar bis Juni vor?“ Zu diesem Zeitpunkt hatte der 55-Jährige bereits seinen Job gekündigt – wegen eines Burnouts. Der gelernte Industriedesigner arbeitete mehr als 30 Jahre im Vertrieb von Medizintechnik. Vor zwei Jahren wechselte er das Unternehmen, aber der neue Arbeitsplatz und der neue Chef setzten ihn unter Druck. „Ich war fix und fertig“, sagt er jetzt, fast ein halbes Jahr nach der Kündigung. Doch er gibt auch zu: „Ich war von Arbeit und Erfolg getrieben.“ Also beschloss er, sich ein Jahr Zeit für sich zu nehmen.

„Ich musste die Angst vor der eigenen Courage überwinden“

Die Entscheidung, mit einem Transporter für dreieinhalb Monate auf Reisen zu gehen, fiel ihm trotzdem nicht leicht. „Ich musste die Angst vor der eigenen Courage überwinden“, sagt er. Seine Tochter musste dagegen nicht lange überlegen. „Es zieht mich immer wieder in die Ferne“, sagt sie schmunzelnd. Sie ist Fotografin, hat vor einem halben Jahr die Meisterschule für Fotografie in München als Jahrgangsbeste abgeschlossen und ist deshalb an keinen Ort gebunden.

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Also kauften sie den gebrauchten Mercedes Vito bei einem Autohändler in Gilching und tauften ihn „Victor“. Roepke ist ein leidenschaftlicher Heimwerker mit einer eigenen kleinen Werkstatt. Abends und am Wochenende werkelte er an „Victor“, um ihn für die Reise durch insgesamt elf Länder zu rüsten.

Er entfernte die Trennwand hinter dem Fahrerhäuschen, sägte ein Fenster in die Decke, isolierte den Fußboden und legte den ganzen Wagen neun Zentimeter höher. Mit „Victor“ kann man in die Wüste fahren, aber auch ins Hochgebirge. Das ist auch notwendig, denn allein im Iran gibt es vier verschiedene Klimazonen. Im Norden, wo sie die türkisch-iranische Grenze überqueren wollen, liegt gerade Schnee, am Persischen Golf herrschen Badetemperaturen.

„Die Gastfreundschaft der Menschen ist unglaublich“

Roepke kennt den Iran von mehreren kurzen Dienstreisen und ist von dem Land begeistert. „Die Gastfreundschaft der Menschen ist unglaublich“, schwärmt er. Trotzdem stoßen die beiden mit ihrem Reiseziel oft auf Unverständnis. Seine Tochter sagt: „Ich finde es schade, dass so viele dieses Land verurteilen.“ Deshalb will sie den Iran den Deutschen näherbringen: Im Internet plant sie unter magdalenamenzinger.com einen Blog über die Erlebnisse auf ihrer Reise.

Dass es nicht ganz einfach wird, darauf stellen sich die beiden aber ein. Im Iran ist es zum Beispiel nicht möglich, Geld abzuheben. Geld müssen Roepke und Menzinger deshalb bar mitnehmen. Das ist für die zwei Monate, die sie dort eingeplant haben, eine größere Summe. Im Camper hat Roepke deshalb sogar einen Safe eingebaut.

Magdalena Menzinger muss auch darauf achten, im Iran angemessene Kleidung zu tragen. „Die passenden Klamotten zu finden, ist gar nicht so leicht“, sagt sie. Einen langen Rock hat sie sich schon genäht, und das Kopftuch darf man sich auch locker über das Haar legen.

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Am 1. Juni müssen sie für den Geburtstag von Roepkes Mutter wieder da sein. Für die rund 100 Tage ihrer Reise ist „Victor“ das Zuhause für Vater und Tochter. Sie werden dann auf einer Fläche von rund 4,5 Quadratmetern leben. Dreht man den Fahrersitz um 180 Grad, sitzt man direkt an einem kleinen Biertisch, der sich wiederum neben die Matratze quetscht. Von der Matratze aus zieht man mit einem Handgriff zwei Kochplatten aus dem Regal an der Seitenwand.

„Dass wir dreieinhalb Monate in einem Auto verbringen, wird eine Herausforderung“, sagt Roepke. Doch seine Tochter wendet ein: „Wir haben keine hohen Ansprüche.“ Magdalena Menzinger scheint mit wenig Luxus auszukommen. Sie hat zwei Paar Schuhe dabei, er vier. Dafür ist ihre Fotoausrüstung mit einem Gewicht von 20 Kilogramm im Gepäck. Eine Digitalkamera, eine analoge Kamera, 45 Filme, acht Objektive, ein Stativ. Menzinger will nämlich nicht nur reisen, sondern hat auch eine Idee für ein Fotoprojekt: Sie will Familien porträtieren.

Kurz vor Reisebeginn können beide gar nicht mehr erwarten, dass es losgeht. „Es wird Zeit loszufahren“, sagt Roepke. „Victor“ hat TÜV und ist bereit für die Reise.

Isolde Ruhdorfer

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