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Fast alles muss neu angeschafft werden: Die Opfer des Brandes werden im Trödelladen der Pfarrgemeinde von Barbara Treppenhauer (2.v.r.), Imke Schmid (r.) und Angelika Pfaffendorf (5.v.r.) versorgt.

Nach dem Großbrand

„Wir haben wieder ein Dach über dem Kopf“

Eine Welle der Hilfsbereitschaft gibt es in Tutzing nach dem Brand am Sonntag. Glück im Unglück ist eine Villa, die die Ambulante Krankenpflege geerbt hat: Dort kommen etliche der Betroffenen unter.

Der Schock steht ihnen immer noch ins Gesicht geschrieben. Die Opfer des Brandes am Sonntag in einem Mehrfamilienhaus am Tutzinger Beringerweg (wir berichteten) standen plötzlich buchstäblich auf der Straße. Yvonna Janis, eine betroffene Mutter, hatte nicht mal Milch für ihr Baby, bis ihr ein Feuerwehrmann etwas besorgte. 

Vorübergehend sind etliche der plötzlich obdachlos gewordenen 25 Menschen bei Freunden untergekommen, denn in ihr Haus zurück können sie erst mal nicht. Nun gibt es eine Lösung – dank einer verstorbenen Tutzingerin und ihres Erbes. Wenigstens für eine bestimmte Zeit können mehrere von ihnen in ein Haus an der Kustermannstraße einziehen. 

Das gehört zum Nachlass von Theresia Petsch. Die im Alter von 99 Jahren verstorbene, kinderlose und vermögende Witwe hatte ihren Besitz der Ambulanten Krankenpflege vermacht (wir berichteten). „Dass das Haus gerade frei stand, ist wie eine Fügung“, sagt Armin Heil, der Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege: „Als Interimslösung ist das mehr als ideal.“ Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer, der auch Vorsitzender der Ambulanten Krankenpflege ist, hat die Entscheidung schnell getroffen.

 Den betroffenen Menschen ist regelrecht ein Stein vom Herzen gefallen. „Jetzt haben wir wieder ein Dach über dem Kopf“, schwärmt Gisela Bogdoll immer wieder, als könne sie es noch gar nicht richtig fassen. Sie stammt aus Polen. Vor 15 Jahren war sie die erste aus ihrer Familie, die nach Tutzing kam, nach und nach sind ihr weitere Familienmitglieder an den Starnberger See gefolgt. Allein neun Personen verschiedener Familienstämme haben in dem Haus am Beringerweg gewohnt. 

Eine weitere vierköpfige Familie kann ebenfalls in die Villa einziehen. Eine andere Familie kann für drei Monate in einem Haus in Traubing wohnen, das dann abgerissen werden soll. Eine weitere Familie ist zurzeit unterwegs, sie wird in zwei Wochen in Tutzing zurück erwartet. Wo sie untergebracht werden kann, ist noch offen. 

Auch sonst hat das Schicksal der Menschen, die plötzlich obdachlos geworden sind, in Tutzing viel Hilfsbereitschaft ausgelöst. Im Grunde brauchen sie neben Wohnräumen alles für den Alltag. Das eigentlich geschlossene Kleiderbad an der Greinwaldstraße haben dessen Leiter Angelika Pfaffendorf und Gerold Jilg mit weiteren Unterstützern am Dienstag geöffnet, denn für Notfälle liegen dort immer noch Vorräte bereit. Am Dienstagabend haben Leiterin Barbara Treppenhauer und ihre Mitarbeiterin Imke Schmid eigens den Trödelladen der Caritas im alten Pfarrsaal von St. Joseph länger offen gehalten.

Dort stehen viele der benötigten Dinge bereit, so Hausrat, Elektroartikel und Geschirr, auch Spielzeug, das der zweieinhalbjährige Michael und der zwölfjährige Dominik gleich begeistert in Augenschein nahmen. Aber noch immer werden weitere Utensilien benötigt, wie Angelika Pfaffendorf gestern sagte, vor allem ein paar Betten, Bettwäsche und Kopfkissen, Wolldecken, Tische, Stühle, vielleicht ein paar kleine Schränke, für die Traubinger Wohnung Kühlschrank, Plattenkocher, Heizgeräte. Denn im Grunde brauchen die betroffenen Menschen nun alles.Von Lorenz Goslich

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