Tutzing wird urban: Das zeigt diese Visualisierung der entstehenden „Business Area“.
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Tutzing wird urban: Das zeigt diese Visualisierung der entstehenden „Business Area“.

Die ersten 100 Tage nach der Wahl

Neuer Wohnraum versus altes Tutzing: Zwei Blöcke im Gemeinderat

Im Tutzinger Gemeinderat gibt es zwei Blöcke: Die einen fordern neuen Wohnraum, die anderen wollen das alte Tutzing erhalten. So zumindest nehmen es einige Gemeinderäte wahr. So waren die ersten 100 Tage nach der Wahl.

Tutzing – „Ich find’s eigentlich ganz erfrischend.“ So äußert sich Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald spontan auf die Frage, wie sie die ersten 100 Tage mit dem neuen Gemeinderat beurteilt. Neun der 20 Mitglieder sind neu, acht verschiedene Gruppierungen sind vertreten.

„Rundum positiv, einige neue Gesichter und neue Ideen, insgesamt eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Kollegen, die neue Impulse geben“, kommentiert Stefan Feldhütter (Freie Wähler). Bernd Pfitzner (Grüne) sieht gute Ansätze für fraktionsübergreifende Zusammenarbeit. Trotz zweier „größerer Lager“ in einigen Fragen hält auch Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) eine parteienübergreifende Zusammenarbeit für möglich. Beispielhaft sind für ihn schon jetzt kleinere Kreise wie etwa eine „Arbeitsgruppe Mobilität“ mit CSU, FDP, Freien Wählern und Grünen oder eine Zusammenarbeit von CSU, FDP und Tutzinger Liste beim Andechser Hof.

Caroline Krug (ÖDP) hat demgegenüber den Eindruck, dass einstimmige Beschlüsse schwer erreichbar sind. Sie glaubt manchmal, zwei Blöcke zu erkennen: „einerseits Ökologie, Nachhaltigkeit, Erhaltung dörflicher Strukturen und andererseits wirtschaftliche Interessen.“ Pfitzner beschreibt die Diskrepanzen an einem Beispiel so: „Die einen brauchen Wohnraum, die anderen wollen das alte Tutzing behalten.“ Die Verwaltung und der Gemeinderat müssten sich entscheiden, wohin die Reise Tutzings gehen soll, meint Krug. Die regionale Architektur verschwinde leider immer mehr, beklagt Stefanie Knittl (SPD). Aktuell überlagert die Sanierung der Hauptstraße viele Themen. Sie werde in den nächsten Jahren „viel Zeit und Aufmerksamkeit“ benötigen, sagt Dr. Franz Matheis (UWG Traubing). Und die Gemeinde sitze dabei leider nicht am Lenkrad, sagt Feldhütter: „Doch wo immer uns dies möglich ist, werden wir unseren Einfluss geltend machen.“ Hohe Erwartungen verbinden viele Gemeinderäte angesichts der Themen-Komplexität mit „Leitzielen“ für Tutzing. Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste), der hierfür mit einem Antrag einen aktuellen Impuls gesetzt hat, glaubt viel Unterstützung bei den neuen Gemeinderäten zu erkennen. Immer wieder wird Bürgerbeteiligung angemahnt.

Bernd Pfitzner von den Grünen vermisst Mahner im Gemeinderat

Im „ISEK“-Prozess, der für staatliche Städtebauförderungen wichtig ist, gilt sie ohnehin als Bestandteil. Das dürfe aber nicht zu Lasten der Zeitdauer gehen“, warnt Mitschke-Collande. Langjährige Tutzinger Gemeinderäte vermissen durchaus frühere Kollegen. Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) nennt zum Beispiel Wolfgang Marchner, Dr. Heinrich Reiter und Peter Stich. „Der eine oder andere Mahner fehlt“, sagt auch Pfitzner. Bei den neuen Mitgliedern erkenne man noch sehr viel Respekt, meint Mitschke-Collande: „Sie sind noch etwas brav.“ Stefanie Knittl (SPD), einer der „Neuen“, ist wiederum aufgefallen, „dass kommunale Politik auffallend bürokratisch“ sei. Man sei sehr vielen Zwängen unterworfen, und die verwaltungstechnischen Abläufe dauerten viel zu lange. Corona mache das Zusammenfinden des Rats schwieriger als früher, sagt Matheis. „Die Sitzungen nach den Sitzungen“ vermisst auch Pfitzner: Treffen in Gaststätten, bei denen man „ein Gefühl für den anderen bekommen“ könne. Geldsorgen kommen dazu. „In den Gemeindefinanzen hinterlässt Corona schon heute absehbar tiefe Spuren“, sagt Feldhütter, „die sich in Zukunft schmerzhaft bemerkbar machen werden.“

Einbrüche bei der Gewerbesteuer werden befürchtet, zu kleine finanzielle Spielräume werden beklagt. „Auch wenn es für uns von Vorteil ist, dass wir nicht den einen ganz großen Steuerzahler haben, sind jetzt schon einzelne Vorhaben für das Jahr 2020 zurückgestellt worden“, merkt Weber-Guskar an. Als eine wesentliche Herausforderung sehen alle die Finanzierung der teuren Mittelschul-Sanierung. Pfitzner fordert gerade jetzt höhere Staatsinvestitionen, so etwa für die kommunale Energieversorgung.

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