Tagsüber haben die Tutzinger kaum eine Chance, einen Parkplatz an ihrem Bahnhof zu ergattern. Foto: Lorenz Goslich

Abschreckende Wirkung

Parken am Tutzinger Bahnhof wird kostenpflichtig

Die bisher umsonst nutzbaren Parkplätze am Tutzinger Bahnhof dürften kostenpflichtig werden. Einheimische erhoffen sich dadurch auch eine abschreckende Wirkung auf Pendler von auswärts.

Tutzing – Zu Weilheim haben viele Tutzinger mittlerweile ein gespaltenes Verhältnis. Als Einkaufszentrum ist die Stadt bei ihnen beliebt, das Autokennzeichen „WM“ aber schätzen sie weniger – jedenfalls gehäuft auf ihren Parkplätzen am Bahnhof. Ähnlich ergeht es ihnen mit anderen Kennzeichen aus Nachbarregionen.

Das Problem: Tutzing wird als Endbahnhof der Münchner S-Bahn-Linie 6 auch von Bewohnern solcher Gegenden gern genutzt, um nach München zu pendeln. Je mehr Parkplätze von Auswärtigen in Anspruch genommen werden, umso weniger bleiben jedoch für die Tutzinger. Einige Erwartungen verbunden werden nun mit einer geplanten „Bewirtschaftung“ der Parkflächen. Bei einer Podiumsdiskussion des Freizeitclubs JM mit den drei Tutzinger Bürgermeisterkandidaten am Donnerstag hat die amtierende zweite Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) von einer solchen Maßnahme gesprochen und auch gleich angekündigt: „Die Parkplätze werden Geld kosten.“ Offenbar soll der Betrieb, für den bisher die Gemeinde Tutzing zuständig ist, auf einen professionellen Parkraumbewirtschafter übertragen werden. Gespräche laufen bereits mit der DB Bahn Park GmbH, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte.

Die DB Bahn Park ist in ganz Deutschland für mehr als 300 Parkhäuser, Tiefgaragen und Parkplätze an 152 Bahnhöfen zuständig.

Infrage käme für eine Parkraumbewirtschaftung in Tutzing aber nicht nur DB BahnPark. Interessiert an solchen Aufgaben zeigt sich zum Beispiel auch die „P+R Park & Ride GmbH München“, die der Landeshauptstadt München gehört. Die hat für ihre Parkflächen schon vor Jahren eine Entgeltpflicht eingeführt und übernimmt dies inzwischen auch für diverse Gemeinden im Münchner Umfeld. „Wir würden in Tutzing ein Angebot abgeben, wenn die Gemeinde auf uns zukäme“, sagt ihr Geschäftsführer Wolfgang Großmann.

Unabhängig vom Betreiber wird es in Tutzing wohl auf kostenpflichtige Parkplätze hinauslaufen. Welchem Bahnhof sich die Pendler zuwenden, das wird allerdings auch maßgeblich von den Fahrpreisen abhängen. Gemessen an der Preisdifferenz zwischen den Monatstickets von Weilheim nach München und von Tutzing nach München dürfte der Parkpreis wohl nicht zu gering angesetzt werden, wenn die Weilheimer nicht weiterhin Tutzing bevorzugen sollen.

Bisher sind in und um München eher mäßige Preise zwischen 50 Cent und 1,50 Euro pro Tag üblich. Höhere Parkpreise müssten die Tutzinger ebenso zahlen.

Die Firma Contipark, die an der DB Bahn Park beteiligt ist, lässt keinen Zweifel daran, dass Gewinne erwirtschaftet werden müssten und die Parkflächen deshalb nicht unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden könnten. Im vorigen Jahr musste sich das Unternehmen mit Vorwürfen wegen zu teurer „Knöllchen“ auseinandersetzen, weil die Vertragsstrafe im Fall der Zuwiderhandlung von 23 auf 30 Euro erhöht worden war.

Die Städte würden nach dem Bußgeldkatalog nur zehn Euro verlangen, wurde kritisiert. Contipark erwiderte, der Bußgeldkatalog sehe zehn Euro lediglich bis 30 Minuten Überschreitung vor. Der Betrag steige in wenigen Stufen an, bis ab drei Stunden 35 Euro fällig würden.

Von Lorenz Goslich

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