Eine von zwei Schulleiterinnen der Create Schools: Stefanie Norman in einem der Klassenzimmer.
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Eine von zwei Schulleiterinnen der Create Schools: Stefanie Norman in einem der Klassenzimmer.

„Tutzings bestgehütetes Geheimnis“

Privatschule in Tutzing: So kommt sie „ohne Lernrückstände“ durch die Pandemie

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Pannenlos in der Pandemie: Die Create Schools in Tutzing profitieren von der technischen Voraussetzungen und der digitalen Vorbildung der Schüler. Aber alles bestens ist auch bei der „Schule der Zukunft“ nicht.

Tutzing – „Ohne Lernrückstände“ sei man bisher durch die Pandemie gekommen. Das ist wirklich eine bemerkenswerte Aussage in den Corona-Zeiten, in denen an den Schulen im Landkreis manches gut, aber so vieles eben nicht rund gelaufen ist. Sie stammt von Stefanie Norman, Leiterin der Create Schools in Tutzing.

Wer von der privaten Schule an der Ziegeleistraße noch nichts gehört hat, ist ganz sicher nicht alleine damit. Sie sei „Tutzings bestgehütetes Geheimnis“, habe der Vater eines Schülers einmal gesagt, berichtet Norman. 73 Kinder und Jugendliche besuchen die 2014 gegründete Einrichtung, etwa die Hälfte von ihnen kommt mit dem Zug aus München. Bei vielen von ihnen wird in der Familie auch Englisch gesprochen, auch der Unterricht ist zweisprachig. Dass er erst um 10 Uhr beginnt, weil die Schüler dann ausgeschlafener und aufnahmefähiger seien, ist nur ein Teil der Philosophie. Außerdem gibt es keine klassischen Noten, sondern erst ab den höheren Klassen internationale Bewertungsmaßstäbe (etwa Prozentangaben). Das Schulsystem gliedert sich in „Foundation School“, „High School“ und „College“ und ermöglicht als höchsten Abschluss die „A-Levels“ – international anerkannte, mit dem Abitur vergleichbare Examen. Auf dem College gleicht die Lernstruktur der eines Studiums.

Unterricht mit Tablet ab der ersten Klasse

Und wie ist es in diesem Umfeld nun gelungen, so unaufgeregt durch die Krise zu kommen? Schulleiterin Norman nennt zwei Gründe: „Erstens hatten wir schon vor Corona exzellente technische Voraussetzungen. Und zweitens war es uns während der Pandemie ein bewusstes Anliegen, das emotionale Wohlbefinden der Schüler zu stärken.“ Aber auch die Tutzinger Privatschüler haben Familien, in denen Homeoffice und Homeschooling aufeinandertrafen. „Logistische Schwierigkeiten“ blieben nicht aus. Aber laut Norman nur in der ersten Woche. Sie spricht von einer nahtlosen Umstellung auf den Online-Unterricht.

Wie man in Gruppen digital zusammenarbeitet, Dokumente teilt, E-Mails schreibt und sich in Videocalls trifft, lernen die Kinder der Create Schools sehr früh. „Ab der ersten Klasse arbeiten wir mit Tablets, später mit Laptops“, heißt es auf der Schul-Homepage. Die Arbeit mit Lehrplattformen und Apps sei für die Lehrkräfte nichts Neues gewesen. Und die Schüler würden, nebenbei bemerkt, auch für Datenschutzfragen im Internet (Norman: „Wie viel gebe ich von mir preis?“) sensibilisiert.

Alles bestens also bei „Tutzings bestgehütetesten Geheimnis“? Nicht ganz, denn genau das ist das Problem – seit Jahren. Schon 2017 betonte die Schulleitung, man wolle Anschluss finden und sich im Ort besser integrieren. „Das ist uns mittelprächtig gelungen“, sagt Norman heute. Als im September 2019 etwa 1500 Kinder und Jugendliche für den Klimaschutz auf die Straße gingen, waren darunter auch Create-Schools-Schüler. Abgesehen von so manchem Einzelprojekt sei die Schule aber nicht im öffentlichen Fokus, auch bei Eltern, findet die Schulleiterin. „Für viele fallen wir in den Bereich der Alternativschulen für die Schüler, die es auf einer staatlichen Schule nicht schaffen.“ Das stimme aber nicht. „Wir sind sehr umsorgend, wir fordern aber auch wahnsinnig viel.“ Natürlich kostet es – ohne Stipendium – auch eine Stange Geld, die selbst ernannte „Schule der Zukunft“ besuchen zu dürfen.  

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