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Prachtvoller Innenhof: Selina Urbanek begab sich mit Kindern auf Spurensuche im Schloss Tutzing und erklärte nebenbei, was es mit den Bauten auf sich hat.

Tag des Offenen Denkmals

Seltener Einblick  ins Schloss Tutzing

Zum Tag des Offenen Denkmals öffnete das Schloss Tutzing seine Türen. Gewöhnlich ist es nur zu Tagungszwecken geöffnet. Vor allem für die jungen Besucher war der Rundgang spannend.

Tutzing – „Ich heiße Rasso und mein Lieblingsessen sind gebratene Ente und Muscheln“, tönt es aus den Lautsprechern des Tagungssaals. Der Neunjährige aus Starnberg darf im Schloss Tutzing das Mikrofon testen. Neun Kinder sitzen gespannt vor ihm und hören zu. Sie sind dort, wo sonst kein Besucher einfach so hin kommt. Gewöhnlich finden hier Tagungen statt, zum Tag des Offenen Denkmals präsentierte das Schloss am Sonntag Räumlichkeiten und Park der breiten Öffentlichkeit.

Gemeinsam mit den anderen Kindern begab sich Rasso dabei auf Spurensuche. Rund 70 Löwenabbildungen seien im Schloss und dessen Park verteilt, erklärt Mitarbeiterin Selina Urbanek (20). Nach zehn Minuten läutete sie die Glocke, das Zeichen für das Ende der Suche. Stolz zählte jedes Kind die gefundenen Löwen auf. Russo gewann mit 52 Löwen. Livia, ihr siebenjähriger Bruder Felix und Rasso wollten gar nicht mehr gehen.

Dann gab es noch Erklärungen von Mitarbeiterin Urbanek. „Eine Tagung ist wie ein Kindergeburtstag. Vorher muss viel geplant werden. Wen lade ich ein? Was wird gemacht? Und was gibt es zu essen?“ Prompt antwortete die vierjährige Livia: „Kuchen!“

Für die Besucher war es auch eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte. Für die Erwachsenen gab Akademiedirektor Udo Hahn einen Vortrag über die Historie. „Das Schloss ist Ausgangspunkt der Geschichte Tutzings“ sagte er. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes gab es bereits im Jahr 742.

Der aus dem 17. Jahrhundert stammende offene Kamin und die prachtvoll verzierte Decke des Musiksaals laden zum Verweilen ein. Einzig die elektrischen Kerzen der Kronleuchter lassen dann doch die heutige Nutzung des Schlosses erkennen. Der moderne Tagungsraum mit eingebautem Kino steht in ungewöhnlicher Harmonie zu den alten Statuen im Innenhof.

Seit 71 Jahren ist es im Besitz der Evangelischen Akademie und wird inzwischen hauptsächlich zu Tagungszwecken genutzt. Rund 10 000 Menschen nehmen jährlich an dem Tagungsangebot der Akademie teil, berichtet Leiter Hahn. Die Akademie hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Politik, Kultur, Wirtschaft, Medien und Kirche zusammenzuführen. Selbst international bekannte Persönlichkeiten wie der Dalai Lama, weltliches und geistliches Oberhaupt der Tibeter, besuchten das Schloss – der Dalai Lama in den 1990er Jahren zweimal.

Nicole Brand steht im Innenhof – und genießt den Ausblick. „Vielleicht ist es auch genau deshalb so ein besonderer Ort, weil man nur so selten rein darf“, sagt die Tutzingerin. Gabi Meyer ist ebenfalls ganz begeistert vom Schloss und nutzt die Chance, bei herrlichem Wetter den Park mit seinen bis zu 150 Jahre alten Bäumen zu erkunden. „Zum Wohnen ist es nicht schlecht. Man bräuchte nur noch einen Gärtner, dann würde ich einziehen“, sagt sie und lacht.

Lea Hütt

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