Der sehbehinderte Willi Neuner steht an der Kreuzung an der Bräuhausstraße und wartet, dass ein BMW vorbeifährt.
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Die Kreuzung an der Bräuhausstraße ist für Fußgänger durchaus nicht ohne, wie Willi Neuner festgestellt hat.

Der sehbehinderte Willi Neuner testet die Barrierefreiheit

Tutzings sensible Verkehrsbereiche

Sehbehinderte Menschen erkennen Probleme oft besser. Willi Neuner hat sie an diversen Verkehrsstellen in Tutzing entdeckt – und sich auch gleich um Abhilfe gekümmert.

Tutzing – Ganz genau hat sich Willi Neuner im Tutzinger Verkehr umgeschaut. Der sehbehinderte Traubinger, der Tutzinger ÖDP-Vorsitzender ist, hat quasi stellvertretend für alle Menschen mit Beeinträchtigungen, aber nicht nur für diese, an etlichen Stellen des Ortszentrums Problempunkte entdeckt. Das hängt zum Teil, aber nicht nur mit der Sanierung der Hauptstraße und den Umleitungsstrecken zusammen. Neuner hat das alles mit Vertretern der Gemeinde und des Staatlichen Bauamts Weilheim besprochen. Vom Ergebnis zeigt er sich sehr angetan: Das Staatliche Bauamt habe sich als hilfsbereit, aufgeschlossen und kooperativ erwiesen, von Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald fühle er sich gut unterstützt, ebenso von der Behindertenbeauftragten der Gemeinde, Elisabeth Dörrenberg, und der Mobilitätsreferentin Flora Weichmann. Diverse Verbesserungen sind laut Neuner bereits realisiert, andere angekündigt. Hier sind einige der wesentlichen Aspekte.

Bräuhausstraße/Bahnhofstraße

Schwierig ist bisher laut Neuner der Weg für Fußgänger an der Bräuhausstraße. Viele Menschen gingen an der Baustelle vorbei bis zur Einmündung in die Bahnhofstraße. Ungefährlicher sei eine Querung der Straße beim Drogeriemarkt Rossmann zum Hubert-Hupfauf-Platz hin. Eine entsprechende Beschilderung sei mittlerweile angebracht worden. Das Staatliche Bauamt prüfe zusätzlich, ob ein Piktogramm mit noch deutlicherem Hinweis möglich ist.

Bahnhof

Am Bahnhof vermisst Neuner eine gekennzeichnete Fußgänger-Querung. Immer wieder könne man Leute beobachten, die schnell einen vor dem früheren Postamt wartenden Bus auf der anderen Straßenseite erreichen wollten: „Wenn ein Zug wieder mal unpünktlich ankam, springen sie regelrecht über die Straße.“ Auch eine Bordsteinabsenkung fehle dort, so dass beispielsweise Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen Probleme hätten.

Verkehrsschilder

Verkehrsschilder sind nicht selten zu niedrig angebracht, sagt Neuner: in einer Höhe von 1,60 bis 1,80 Meter, also in Kopfhöhe – und das oft auf dem Fußweg. Nicht nur sehbehinderte Menschen seien in Gefahr, mit den Schildern zu kollidieren. Das betreffe etwa Schilder neben dem Andechser Hof, bei der Tankstelle oder an der Bräuhausstraße. Ein Schild sei inzwischen etwas anders positioniert, nämlich auf der Fahrbahn – doch nun behindere es Radfahrer.

Fußweg-Markierungen

Die in der Bräuhausstraße für die Umleitung angebrachte Markierung für Fußgänger und Radfahrer endete zunächst an der Lindemannstraße. Folge: Nicht wenige Menschen queren die Lindemannstraße irgendwie. Nach einem Hinweis von Neuner gibt es mittlerweile einen gut sichtbaren weiterführenden Weg.

Viele weitere Maßnahmen könnten Erleichterungen bringen, meint Neuner – so auch für Leute mit Rollstühlen, Rollkoffern oder Kinderwagen. Gerade bei Neubauten sei Barrierefreiheit relativ kostengünstig, weil sie dann meist keine Mehrkosten erzeuge. So sollten zum Beispiel Randsteine an der richtigen Stelle abgesenkt werden. Wichtig seien auch Leitsysteme an Bushaltestellen. Alles in allem zeigt sich Neuner nach den bisherigen Erfahrungen aber optimistisch: „Alle sind deutlich sensibler geworden, wesentliche Dinge im weiteren und schwierigeren Baustellen-Fortschritt von Anfang an richtig umzusetzen.“

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