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Ganz nah an der Marienglocke: Sven Höhne von der Spezialfirma Hörz hat der 3,6 Tonnen schweren Glocke einen neuen Klöppel verpasst.

St. Joseph

Neue Klöppel für zwei Glocken

Der Austausch an der Kirche St. Joseph ist nötig, weil sich im Metall Risse zeigten.

Tutzing Sechs Glocken hängen in den beiden Türmen der Tutzinger Pfarrkirche St. Joseph. Bei zwei von ihnen wurden gestern die Klöppel erneuert. Mitarbeiter der Firma Philipp Hörz GmbH aus Biberach, eines der wenigen Spezialunternehmen für solche Aufgaben, haben am Vormittag die alten Klöppel ausgebaut, bei denen Risse festgestellt worden waren.

Ein Klöppel gehört zur zweitgrößten Glocke der Kirche, der 3,6 Tonnen schweren Marienglocke. Er ist rund 200 Kilogramm schwer. Der andere, der etwa 50 bis 60 Kilogramm wiegt, ist aus einer der kleineren Glocken. Die größte der sechs Glocken, die sechs Tonnen schwere Christkönigsglocke, hängt im Südtürm, die anderen fünf befinden sich im Nordturm. Neben der Marienglocke sind das die Josephsglocke, die Benediktglocke, die Peter-und Paul-Glocke und die Johannesglocke. Sie ist nach Johannes dem Täufer benannt und erinnert gleichzeitig an den Pfarrer Johannes Quint, der der Tutzinger Kirche viel gespendet hat. Die ursprünglichen Gussstahlglocken aus dem Baujahr 1929, die durch Rostfraß gelitten hatten, waren durch neue Bronzeglocken ersetzt werden.

Über Mittag lagen die ausgebauten Klöppel oben im Turmfenster. Am frühen Nachmittag wurden sie mit einem Hebekran heruntertransportiert, anschließend wurden die neuen Klöppel auf die gleiche Weise hinaufgehievt und in den Glocken eingebaut. Das war eine diffizile Arbeit. Als die Klöppel in Höhe des Turmfensters hingen, ging der Kranführer sehr vorsichtig zu Werk. Behutsam ließ er seine Fracht hin und her schwingen, bis sie so nah am Fenster war, dass ein Arbeiter sie von drinnen packen und hinein ziehen konnte. Wenn so ein schwerer Klöppel irgendwo dagegenschlagen würde, könnte schnell ein größerer Schaden entstehen. Bei der Aktion am Dienstag in Tutzing ist aber alles gut gegangen.

Für Monteur Sven Höhne und sein Team ist so etwas Alltagsarbeit. Er ist bei der Firma Hörz für das Gebiet Vorarlberg und Süddeutschland zuständig. Etwa 350 Kunden hat er in dieser Region, wie er sagt – und bei jedem von ihnen betreut er drei bis fünf Glocken. Da gebe es erhebliche Unterschiede.

Die schönsten Glocken sind für ihn die aus dem Mittelalter, wenn sie die Zeiten überstanden haben. Etwa um das Jahr 1550 herum seien wunderbare Glocken mit schönen Ornamenten und Figuren entstanden. „Solche Glocken werden heute nicht mehr angefertigt.“ Direkt neben einer Glocke zu stehen, wenn sie angeschlagen wird, bezeichnet er übrigens trotz der gewaltigen Töne gar nicht als unerträglich laut. Noch keiner seiner Mitarbeiter habe dadurch einen Gehörschaden erlitten. Die Glockentöne entfalteten ihren Klang eher in der Ferne.

Ganz besonders interessiert sich Höhne für alte Turmuhren. Die größte von ihnen, die die Firma Hörz je installiert hat, befindet sich nach seinen Worten übrigens an der Tutzinger Kirche St. Joseph.

Von Lorenz Goslich

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