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Leidenschaftliche Ruderer seit früher Jugend: Rainer Vahlkampf, Günter Mattern und Wolfgang Boerckel.

Sport im Seniorenalter

Die rüstigen Ruder-Rentner von Tutzing

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Rudern ist ein Sport, den man bis ins hohe Alter ausüben kann. Drei Senioren vom Tutzinger Ruderverein - alle über 80 Jahre alt - sind dafür das beste Beispiel.

Tutzing – Ausdauer, Kraft, Koordination. Rudern stärkt fast sämtliche Muskelgruppen und kräftigt das Herz-Kreislauf-System – und das nahezu ohne Verletzungsrisiko. Nicht nur deswegen ist Rudern eine Sportart, die bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Beste Beispiele dafür sind drei rüstige Ruder-Rentner vom Tutzinger Ruderverein: Rainer Vahlkampf,81 Jahre alt, Günter Mattern, 83 Jahre, und der 86-jährige Wolfgang Boerckel sitzen noch regelmäßig im Boot und ziehen ihre Bahnen über den Starnberger See.

Seit seiner Jugend ist das Trio dem Rudersport eng verbunden. Im Alter von 15, 16 Jahren traten die drei Sportler einem Ruderverein bei. Günter Mattern machte seine ersten Erfahrungen in Wiesbaden am Rhein. „Ich kam damals über die Arbeitsgemeinschaft Rudern in der Schule dazu“, erzählt der 83-Jährige, der momentan wegen einer Innenmeniskus-Blessur nicht ins Boot steigen kann. Der ehemalige Leitende Referent im Statistischen Bundesamt, der für 26 Jahre nach Britisch-Kolumbien (Kanada) ausgewandert war, blieb bis heute bei „diesem schönen, eleganten Sport“, wie er sagt. Wettkämpfe standen und stehen für ihn aber nicht im Vordergrund. „Ich war immer Freizeitruderer“, sagt Mattern.

„In Deutschland gibt es kein schöneres Ruderrevier als den Starnberger See“

Gleiches gilt für Rainer Vahlkampf, der das Rudern als Jugendlicher in Oldenburg gelernt hat. Ein Klassenkamerad hatte ihn dazu gebracht. Für den ehemaligen Diplom-Bauingenieur zählt neben dem Gesundheitsaspekt vor allem das Naturerlebnis. „In Deutschland gibt es kein schöneres Ruderrevier als den Starnberger See“, sagt der 81-Jährige. Und er muss es wissen, denn Vahlkampf begibt sich seit vielen Jahren regelmäßig auf Wandertour mit dem Ruderboot. Ob auf der Weichsel in Polen oder auf der Donau in Ungarn – Vahlkampf hat es zu seiner Leidenschaft gemacht, fremde Länder zu Wasser mit eigener Muskelkraft zu bereisen. „In einer Woche legen wir zirka 200 Kilometer im Boot zurück“, erklärt er.

Deutscher Meister im Leichtgewichts-Achter wurde Wolfgang Boerckel (vorne als Schlagmann) 1953 mit dem Mainer Ruderverein.

Um für solch ausgedehnte Touren fit zu sein, trainiert er wie seine Ruderkameraden nach Möglichkeit zweimal pro Woche auf dem Starnberger See. Dann geht es vom vereinseigenen Bootssteg neben dem Tutzinger Südbad in Mannschaftsbooten, sei es ein Zweier, Vierer oder gar Achter, in Richtung Bernried oder bis zur Roseninsel und zurück. „Wer gerade da ist, rudert mit“, erzählt Wolfgang Boerckel, „da können jederzeit Anfänger und Könner, Frauen und Männer in einem Boot sitzen.“

Wolfgang Boerckel war 1953 Deutscher Meister im Leichtgewichts-Achter

Das wäre zu seiner aktiven Zeit, als er das Rudern noch als Leistungssport betrieb, undenkbar gewesen. Boerckel, der 1932 dem Mainzer Ruderverein beitrat, war 1953 Deutscher Meister im Leichtgewichts-Achter. Noch heute kann sich der 86-Jährige gut an die damaligen Gepflogenheiten erinnern: „Im April wurden wir vereidigt, und wir mussten uns verpflichten, bis zum Beginn der Meisterschaften täglich zu trainieren, auf Alkohol zu verzichten und nicht zu rauchen.“ Die Freundschaft zu seinen damaligen, heute noch lebenden Ruderkameraden pflegt er noch immer. Mit Beginn des Ingenieur-Studiums legte Boerckel eine Ruder-Pause ein („Das war nicht zu vereinbaren“). Danach „habe ich den Anschluss nicht mehr so richtig gefunden“, erzählt er.

„Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn das Boot über das Wasser gleitet“

Aber treu geblieben ist er dem Rudern wie auch Mattern und Vahlkampf bis ins hohe Alter. Was nachvollziehbar ist, wenn man die drei von ihrem Sport schwärmen hört. „Das ist kein Haurucksport, sondern technisch sehr anspruchsvoll“, sagt Günter Mattern. „Die Mannschaft muss aus einem Guss funktionieren, eine Einheit sein. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn das Boot über das Wasser gleitet“, referiert Boerckel. Und Vahlkampf ergänzt: „Unser Sport hält lange gesund und fit.“ Die drei rüstigen Ruder-Rentner sind das beste Beispiel dafür.

Das ist der Tutzinger Ruderverein

Der Tutzinger Ruderverein wurde 1983 gegründet. Er legt seinen Fokus im Gegensatz zu leistungsorientierten Starnberger Vereinen primär auf Breitensport. Aber auch Wettkampfrudern ist im TRV, dem derzeit rund 130 Mitglieder angehören, möglich. 

Der Verein neben dem Südbad bietet regelmäßige Trainingszeiten, einen großen Bootsbestand für alle Gewichts- und Bootsklassen in zwei Hallen, einen professionell ausgestatteten Kraftraum und einen eigenen Zugang zum See mit Bootssteg. 

Mitglied im TRV kann jeder werden, ob Anfänger oder erfahrener Ruderer. Erwachsene zahlen einen Jahresbeitrag von 230 Euro, Rentner 130 Euro, Kinder, Jugendliche, Studenten und Auszubildende 115 Euro. Wer das Rudern zunächst versuchen will, kann an einem der Schnupperkurse teilnehmen, die montagabends stattfinden. Für einen Monat Schnuppern bezahlt man nur 15 Euro. Die Anmeldung dazu und alle weiteren Informationen über den Verein finden Interessenten unter www.tutzinger-ruderverein.de.

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