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Die MS Starnberg, hier am Steg in Bernried, gehört zu den großen Schiffen auf dem Starnberger See. 

Seenschifffahrt

Der Schifffahrt gehen die Kapitäne aus

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Gleich mehrere Krankheitsfälle machen derzeit der Seenschifffahrt auf dem Starnberger See zu schaffen. Mindestens bis Sonntag fällt die Linie F ab und bis Tutzing deswegen aus.

Landkreis – Endlich Ferien, Sonne satt, Temperaturen um 30 Grad, dazu freie Fahrt für alle Schüler mit einer 1 im Zeugnis – und genau jetzt dünnt eine Krankheitswelle den Personalbestand der Bayerischen Seenschifffahrt auf dem Starnberger See aus. „Das ist eine Katastrophe“, gibt Geschäftsführer Michael Grießer unumwunden zu. Fünf von 40 Mitarbeitern fallen derzeit aus unterschiedlichen Gründen aus, darüber hinaus ist eine Stelle unbesetzt.

Das bedeutet: Grießer muss das verbliebene Personal so einsetzen, dass er zunächst die beliebten und lukrativen Rundfahrten auf dem Starnberger See aufrechterhalten kann. „Wir haben deswegen auch schon Kollegen aus dem Urlaub geholt“, schildert Grießer im Gespräch mit dem Starnberger Merkur die Situation. Und: „Die Kapitäne der kleineren Schiffe müssen jetzt als Maschinisten oder Matrosen auf den großen Schiffen aushelfen“, erklärt er. Auf der MS Starnberg, der MS Seeshaupt und der MS Bayern müssen bei jeder Fahrt vier Mitarbeiter an Bord sein: der Kapitän, ein Kassier und zwei Matrosen.

Die logische Folge: Bei der kleineren MS Bernried ist das Personal so knapp, dass Grießer mindestens bis Sonntag die Linie F nicht mehr bedienen kann. Sie verkehrt auf der südlichen Rundfahrt dienstags bis sonntags jeweils dreimal täglich von Tutzing über Ammerland, Bernried und Ambach nach Seeshaupt und wieder zurück nach Tutzing. Im aktuellen Wochen-Fahrplan macht die Linie F exakt 18 von 74 Fahrten auf dem Starnberger See aus. Das Personal mit Mitarbeitern beispielsweise vom Ammersee aushilfsweise aufzustocken sei nicht möglich, sagt Grießer. „Wie brauchen Kapitäne, die die Berechtigung haben, die jeweiligen Schiffe zu fahren.“ Seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren kann sich der Geschäftsführer lediglich an eine ähnliche Situation erinnern, damals am Tegernsee.

Unabhängig von der aktuellen Krankheitswelle macht sich Grießer auch generell Gedanken über das Personal. Die Suche nach geeigneten Kräften gestalte sich zunehmend schwieriger. „Der Arbeitsmarkt ist relativ leer gefegt“, sagt er. Zwar habe er kürzlich einen neuen Mitarbeiter eingestellt, eine weitere Stelle sei aber schon länger vakant und öffentlich ausgeschrieben. „Ich würde auch noch jemanden dazu nehmen, um Entlastung und einen Puffer zu schaffen.“

Die Mitarbeiter der Seenschifffahrt verfügen alle über eine handwerkliche Ausbildung. Beim aktuellen Stellenprofil sucht Grießer nach einem Elektriker. Und er macht gleich Werbung für den Arbeitsplatz: „Er liegt an einem der schönsten Flecken in Bayern“, sagt Grießer. Im Sommer sei man an der frischen Luft, im Winter „mit wenigen Ausnahmen“ in den Werfthallen, was angenehmer sei als bei Wind und Wetter beispielsweise auf Baustellen zu arbeiten. Gewiss: „Wir sind ein Saisonbetrieb mit Schichten an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen.“ Der am Tarifvertrag der Länder angelehnte Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi garantiere allerdings die Fünf-Tage-Woche.

Die gute Nachricht zum Schluss: Am Montag sollen einige Mitarbeiter wieder gesund sein – Stand jetzt.

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