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Gute Stimmung in den festlichen Räumen der Evangelischen Akademie: Landesbischof Prof. Heinrich Bedford-Strohm, Innenminister Joachim Herrmann, Wissenschaftlerin Prof. Azza Karam und Akademiedirektor Udo Hahn (v.l.). 

Neujahrsempfang

Stiften Religionen Frieden? Oder bringen sie Gewalt? Diskussion in Evangelischer Akademie

Stiften Religionen Frieden? Oder bringen sie Gewalt? An dieses schwierige Thema hat sich die Evangelische Akademie Tutzing bei ihrem Jahresempfang gewagt. Eine klare Antwort gab es nicht, dafür aber Plädoyers, „Flagge zu zeigen“.

Tutzing Nobel präsentierte sich die Evangelische Akademie Tutzing am Donnerstag. Doch alle vornehmen Äußerlichkeiten konnten brisante Inhalte nicht überdecken. Es war ein Abend wie ein Aufschrei. „Die friedensstiftende Kraft der Religionen“ war das Thema, doch die zentrale Frage schien anders zu lauten: Stiften Religionen Frieden oder tun sie das Gegenteil? Festrednerin Azza Karam sprach es klar aus: „Religion ist Teil des vielfältigen Wirbels von Gewalt.“ Die gebürtige Ägypterin, die als Professorin in Amsterdam Religion lehrt, steht seit ein paar Monaten als Präsidentin der internationalen Organisation „Religion for Peace“ für Friedensarbeit durch interreligiösen Dialog.

Deutlich wurde auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „Ist uns eigentlich bewusst, was zurzeit in unserer Gesellschaft los ist?“, fragte er: „Rechtsextremisten gegen Ausländer und Juden, radikale Islamisten gegen Christen und Juden.“ Für Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, sind Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der „programmatischen Menschenfeindlichkeit“ Gotteslästerung.

„Die Demut der Macht und die Kraft der Demut“

Wissenschaftlerin Karam bezeichnete Religionen als wesentlich beim Einsatz für Frieden in der Welt, doch man müsse ihren Einklang mit den Menschenrechten sicherstellen. Wesentliche Herausforderungen sieht sie im Umgang mit Religionen: Mit wem spricht man, wer wird ausgeschlossen? Schweigen und „Marginalisierung“ einiger Stimmen könnten „Kollateralschäden“ hervorrufen. Eindringlich warnte sie davor, Religion völlig zu ignorieren, wie es der europäische Kontinent jahrzehntelang getan habe. Die Arbeit mit Religionen im Interesse des Friedens erfordere „die Demut der Macht und die Kraft der Demut“. Stattdessen gaukle jedoch oft Arroganz ein Gespür für Religion vor.

Mehrere Redner betonten den erheblichen Einfluss der Religionen. 84 Prozent der Weltbevölkerung seien nach Einschätzung der Vereinten Nationen religiös, sagte Minister Herrmann. Akademiedirektor Udo Hahn sieht eine „neue Aufmerksamkeit für Religionen“, doch das werde in der westlichen Welt gern verdrängt. CSU-Politiker Herrmann rief zu „leidenschaftlichem Einsatz für Frieden, Freiheit, Toleranz und Zusammenhalt“ auf – „gegen Extremismus von rechts und von links, gegen Antisemitismus und gegen religiös motivierten Fanatismus“. Der Gewaltspirale dürfe man nicht tatenlos zusehen.

400 Gäste - viele auch aus Tutzing

Bischof Bedford-Strohm forderte, sich „nicht zu verstecken, sondern klar Flagge zu zeigen“. Stiften Religionen Frieden? Eine klare Antwort gab es an diesem Abend nicht, aber viel Gesprächsstoff für die rund 400 Gäste in den Salons und im Restaurant. Unter ihnen waren Tutzinger Kommunalpolitiker, Vertreter der Kirchen, Verantwortliche der Schulen, von Vereinen und Unternehmen der Gemeinde. Den ebenfalls anwesenden Imam Benjamin Idriz von der Moscheegemeinde in Penzberg erwähnte Bedford-Strohm als Beispiel für Bemühungen von Muslimen, „alle Ansatzpunkte für den Missbrauch ihrer Religion zur Legitimation terroristischer Gewalt kritisch in den Blick zu nehmen und aktiv für die Überwindung von Gewalt einzutreten“.

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