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Die Tage im eigenen Laden sind gezählt: Norbert und Nicole Himmel haben sich entschieden, i hr Geschäft an der Hauptstraße aufzugeben. 

Einzelhandel

Himmel schließt nach 70 Jahren

Ende eines Traditionsgeschäfts: Norbert und Nicole Himmel schließen ihren Tutzinger Laden und beenden damit eine 70-jährige Firmengeschichte. Die Himmels ziehen die Konsequenzen aus der Konkurrenz im Internet.

Tutzing – Geschirr, Gläser, Gasgrille, Geschenkartikel, Gutes aus und für die Küche: Das umfasst das umfangreiche Sortiment der Firma Himmel. Während der 70-jährigen Firmengeschichte hat sich das Angebot stets verändert – mit ein Grund, warum es das Geschäft so lange gab. Jetzt ist Schluss. Norbert und Nicole Himmel werden zusperren.

Norbert Himmel war immer schon ein Freund klarer Worte. Dass er und seine Frau Nicole mit ihrem Geschäft vor sechs Jahren von der Maximilianstraße in Starnberg an die Hauptstraße in Tutzing zogen, war den hohen Mietpreisen in der Kreisstadt geschuldet – daraus machte er keinen Hehl. Im neuen Domizil lief es zunächst sehr gut. „In den ersten drei Jahren waren wir weit über den Erwartungen“, berichtet der 57-Jährige. „Das vierte war schwierig und das fünfte Jahr schlecht.“ Vor allem der Umsatz mit Kundschaft aus der Umgebung sei stark zurückgegangen. Deshalb hätten seine Frau und er sich entschieden, ihr Engagement an der Hauptstraße in Tutzing zu beenden.

Die 70-jährige Firmengeschichte zu beenden und damit ein besonderes Kapitel in der Familiengeschichte zu schreiben, fällt Norbert Himmel nicht leicht. Aber er ist überzeugt: „Die Zukunft wird nicht mehr dem klassischen Einzelhandel gehören.“ Nur in Gegenden, die touristisch geprägt seien, könne der Einzelhandel im üblichen Sinne funktionieren. „Außer branchenbezogener Einzelhandel – das kann funktionieren.“ Die Himmels spürten die starke Konkurrenz aus dem Internet. „Man kann den Leuten nicht einmal einen Vorwurf machen“, sagt Norbert Himmel. „Es ist bequem und man muss keinen Parkplatz suchen.“ Ein Erlebnis zeigte ihm das ganz deutlich. Eine Frau sei wegen Lebensmittelfarbe in sein Geschäft gekommen, weil sie am Nachmittag einen Kindergeburtstag ausrichtete. „Sie sagte, dass sie alles im Internet bestellt hat, aber jetzt Angst hat, dass das Paket zu spät kommt. Ich kann aber nicht davon leben, wenn ich erst in allerletzter Sekunde gefragt werde, nur weil Amazon zu spät liefert.“

Dabei haben die Himmels immer schnell auf den Markt reagiert. Mutter Elise hat die Haushaltswaren ins Sortiment aufgenommen. Als klar war, dass es mit dem Geschirr und den namhaften Porzellan herstellern bergab geht, setzte Himmel den Schwerpunkt bei Gartenmöbeln. „Auf der ersten Teakwelle sind wir gut mitgeschwommen.“ Dann kamen die Dampfreiniger und gingen gut, bis die Baumärkte diese Geräte auch verkauften. Die Gasgrillgeräte sind sehr gefragt, aber sie reichen nicht für das ganze Geschäft.

Jetzt hoffen die Himmels auf einen „tollen Räumungsverkauf“, wie der Firmeninhaber sagt. „Hoffentlich kommen viele Stammkunden, es wird gute Angebote geben.“ Starten wollen sie mit dem Räumungsverkauf vermutlich vor Weihnachten.

Für die Zukunft hat Norbert Himmel einige Ideen, zum Beispiel mit den Gasgrillgeräten. „Die muss man montieren, die sind serviceorientiert und haben deshalb eine Chance.“ Oder er stellt sich auf sein zweites Standbein und arbeitet als Musiker und Komponist und schließt sich einer Band an. „Meine Frau ist im Fitnessbereich engagiert, da gibt es in Starnberg einiges“, sagt Norbert Himmel. „Wir sind in alle Richtungen offen.“

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