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Neue Bürger, alte Mauer: Die kleine Ella hat der Storch im Dezember 2018 begrüßt – anderthalb Jahre nach dem Einsturz der Friedhofsmauer (im Hintergrund). Kinder, d ie bei Beginn der Dorferneuerung zur Welt kamen, sind jetzt zehn Jahre alt. Erneuert wurde seitdem in Traubing wenig. 

Maibaumfest fällt aus

Traubinger sind enttäuscht: Eine Verzögerung nach der anderen

Bei den Traubinger Vereinen ist die Stimmung schlecht: In dem Tutzinger Ortsteil verzögert sich vieles - unter anderem wird die Friedhofsmauer später als geplant erneuert. Deshalb muss sogar das Maibaumfest ausfallen.

Traubing – In Traubing folgt eine Enttäuschung nach der anderen. Jetzt verzögert sich die Erneuerung der 2017 eingestürzten Friedhofsmauer weiter. Damit kann der Maibaum nicht wie geplant 2020 aufgestellt werden. Weitere Verzögerungen sorgen im Dorf für Verärgerung.

Wie Pfarrer Leander Mikschl sagt, wird die neue Mauer auf Mikropfähle gegründet: „Das beherrscht nicht jede Baufirma, und die wenigen, die in der Nähe sind, haben für heuer alle abgewunken.“ Deshalb werde die neue Mauer erst nächstes Frühjahr errichtet. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten in diesem Herbst beginnen. Im nächsten Jahr werde die Mauer auch fertig werden, versichert Mikschl: „Das Betonieren ist in ein paar Wochen erledigt.“

Die Verzögerung hat Folgen. Eigentlich wollten die Traubinger im nächsten Jahr ihren neuen Maibaum aufstellen, doch daraus wird nichts, wie in dieser Woche bei der Jahresversammlung der Traubinger Gemeinschaft deutlich wurde. Die Traubinger Vereine wollen die Feier verlegen, weil der Termin für die Erneuerung der Mauer nahe am 1. Mai ist. In der Gemeinde Tutzing müssen vier von fünf Maibäumen wegen Schäden der alten Stämme ersetzt werden. Erst einer der neuen Bäume steht, der im Ortsteil Monatshausen.

Die denkmalgeschützte Traubinger Friedhofsmauer, seit 340 Jahren an dieser Stelle, war auf einer Länge von etwa fünf Metern eingestürzt, weil die Feld- und Tuffsteine nicht mehr zusammenhielten. Seitdem ist sie provisorisch mit Kiessäcken gesichert. Eine Sanierung gilt nicht als möglich, deshalb soll sie abgerissen und – mit Einverständnis des Denkmalamts – durch eine Betonmauer ersetzt werden. Die Gräber direkt daneben sollen aber nicht tangiert werden. Die Kosten sollen mit rund 300 000 Euro weit geringer sein als die einer Sanierung.

Dorferneuerung wurde vor zehn Jahren eingeleitet

Heuer noch sollen laut Pfarrer Mikschl die Strom- und Gasleistungen in der Weilheimer Straße verlegt werden. Damit die neue Friedhofsmauer problemlos gegründet werden kann, sollen diese „Sparten“ von der Seite der Mauer auf die andere Seite in den Fußweg wandern. Die Kirche bezahlt diese Maßnahme, die sich die Gemeinde auch für die Dorferneuerung wünscht, damit sie zeitnah passiert. Wann die Weilheimer Straße genau aufgegraben wird, kann Mikschl nicht sagen. „Das regeln die beauftragten Firmen.“

Die jahrelangen Verzögerungen nicht nur im Fall der Friedhofsmauer sorgen bei der Traubinger Gemeinschaft abermals für tiefe Enttäuschung. Bei der vor zehn Jahren eingeleiteten Dorferneuerung scheint so gut wie nichts voran zu gehen, obwohl die Staatsregierung mit dem Programm ausdrücklich den ländlichen Raum stärken will. Vor einiger Zeit schien eine Erneuerung der Weilheimer Straße in zwei Abschnitten sicher, samt Gestaltung eines Dorfplatzes beim Kriegerdenkmal und Sanierung der Brücke daneben. Doch mittlerweile ist alles anders. „Man hat sich verständigt, dass die Starnberger Straße zuerst ausgebaut wird“, sagte Peter Stich, Gemeinderat und Vorsitzender der Traubinger Gemeinschaft. Es sei halt eine Staatsstraße.

Aber auch bei ihr scheint es Abstimmungsprobleme zu geben. „Sämtliche Versorgungsleitungen von Traubing liegen dort drin“, sagte Stich: „Wasser, Abwasser, Strom, Telefon, Gas, Breitband – bringen Sie mal sechs Spartenträger unter einen Hut.“ Dabei liegen die Pläne für den Ausbau laut Stich „fix und fertig bei einem Ingenieurbüro in der Schublade“. Für die Brücke am Kriegerdenkmal verlange das Wasserwirtschaftsamt Weilheim neuerdings ein Gutachten, das sehr teuer sei. Ihre Sanierung ist laut Stich auch 2020 nicht zu erwarten. Bitter und sichtlich verärgert fügte er hinzu: „Vielleicht kommt sie 2022, vielleicht 2025.“

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