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Im Gespräch: BRK-Bereichsleiterin Andrea Griese-Pelikan und Dr. Ralph Gerstweiler vom Gesundheitsamt mussten viele Fragen beantworten. 

Tuberkulose-Fall

„Wir passen auf die Kinder auf“

Tutzing – Wegen der ansteckungsfähigen Tuberkulose (TBC) einer Angestellten finden ab heute im Tutzinger Kinderhort Untersuchungen statt. Verantwortliche der Behörden und des BRK haben die Eltern auf einer Versammlung informiert.

Die Verunsicherung war allen Eltern anzusehen. Das hatten die Verantwortlichen geahnt. So waren sie stark vertreten, als am Freitagabend im Tutzinger Kinderhort des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) eine Informationsversammlung zum dort aufgetretenen Tuberkulose-Fall abgehalten wurde. Gleich vier Ärzte des Starnberger Gesundheitsamts nahmen teil, außerdem Stefan Derpa, Leiter der Abteilung für öffentliche Ordnung im Landratsamt, sowie Verantwortliche des Starnberger BRK-Kreisverbands, so Bereichsleiterin Andrea Griese-Pelikan und Hortleiterin Katja Mehlberg-Broedner.

Gautinger Oberarzt Avsar macht den anderen Ärzten keinen Vorwurf

Auch Dr. Korkut Avsar war nach Tutzing gekommen. Der Oberarzt der Gautinger Asklepios-Lungenfachklinik hatte die Tuberkulose-Infektion der Patientin erkannt – im Gegensatz zu anderen Ärzten. Drei Monate lang hatte sie zuvor schon Symptome gehabt, sagte er, doch ihre Diagnose sei „relativ spät gestellt“ worden. Das sorgte bei den Eltern erkennbar für Irritationen. Einen Vorwurf wollte Avsar jedoch keinem der anderen Ärzte machen. Es handele sich um einen Sonderfall, sagte er: „Es ist nicht so eindeutig.“

Ob es beim BRK keine Vorgabe gebe, schwer erkrankte Mitarbeiter nicht arbeiten zu lassen, wollte eine Mutter wissen. Hortleiterin Mehlberg-Broedner sagte dazu, die Anzeichen seien bei der Patientin nicht durchgängig so gewesen. Erwähnt wurden auch Berichte, nach denen die Tuberkulose wieder auf dem Vormarsch sei – auch wegen der Flüchtlingswelle.

Tuberkulose wegen Flüchtlingen auf dem Vormarsch? „Das muss man relativieren“

„Das muss man relativieren“, sagte Avsar dazu. Er sprach von statistischen Verzerrungen. Ihm sei kein Deutscher bekannt, der sich an einem Flüchtling infiziert habe. Trotz aller besorgten Anmerkungen gelang es den Experten, für Beruhigung zu sorgen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist nicht sehr groß“, sagte Avsar, „die meisten Infizierten erkranken nie.“ Gesundheitsamts-Chef Dr. Lorenz Schröfl rief den Eltern zu: „Bitte keine Panik – wir passen auf Ihre Kinder auf.“ 

Avsar schätzt die Patientin, die in der Hortküche gearbeitet hat, als „relativ infektiös“ ein, sagte aber: „Über das Essen geht keine Gefahr aus.“ Auch die eigenen Kinder der Patientin, sechs und acht Jahre alt, hätten sich nach bisherigen Untersuchungsergebnissen nicht angesteckt. Ein Vater hakte nach: Der Sohn der Patientin sei in derselben Klasse wie sein Kind.

Gesundheitsamt bietet im Tutzinger Hort von Montag bis Mittwoch Tests an

Schröfl sah darin keine Gefahr. „Die Patientin weint, weil die Kinder isoliert werden“, sagte Avsar. Dafür gebe es aber keinen Grund. Landratsamts-Jurist Derpa nannte Tutzing eine Gemeinde mit großer Solidarität und bat darum, die Patientin und ihre Familie nun nicht ihrerseits zu isolieren.

Unterdessen werden weitere Kontaktpersonen gesucht. Auch die Mitarbeiter des BRK-Kinderhorts unterziehen sich Untersuchungen. Von Montag bis Mittwoch dieser Woche bietet das Gesundheitsamt im Tutzinger Hort Tests mit Blutentnahme an.

Von Lorenz Goslich

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