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Bahnhofsverkauf an Einheimische geplatzt: Münchner Interessenten haben mehr geboten

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Das Tutzinger Bahnhofsgebäude ist offenbar verkauft, Formalitäten sollen im Herbst erledigt werden.
Das Tutzinger Bahnhofsgebäude ist offenbar verkauft, Formalitäten sollen im Herbst erledigt werden.  © Photographer: Andrea Jaksch

Eine Tutzinger Familie fühlte sich schon fast als Eigentümerin des Tutzinger Bahnhofs-Empfangsgebäudes. Doch dann kam die Absage der Bahn: Münchner Interessenten haben mehr geboten. Im Herbst will die Bahn alles klar machen.

Tutzing – Es schien schon so gut wie sicher: Eine einheimische Familie wollte das Tutzinger Bahnhofsgebäude kaufen. Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn waren weit fortgeschritten, ein Vertragsentwurf lag vor. Die Tutzinger, die unserer Redaktion bekannt sind, warteten nur noch auf den Notartermin. Doch dann kam alles anders: Die Deutsche Bahn sagte ab, das Geschäft platzte. Der Grund: Ein anderer Interessent hat einen höheren Kaufpreis geboten. Nach Informationen des Starnberger Merkur handelt es sich um ein Münchner Architekten-Ehepaar. Der Verkauf sei noch nicht final abgeschlossen, teilt die Bahn auf Anfrage mit. Dies sei für den Herbst dieses Jahres vorgesehen.

Darüber zeigen sich wiederum Tutzinger Gemeinderäte erstaunt: Die Bahn habe der Gemeinde bereits den Stopp des Bahnhofsverkaufs mitgeteilt – also noch vor dem Abschluss. Der Kaufpreis soll in der Größenordnung von etwa einer Million Euro liegen. Bundesweit hat die Gesellschaft DB Station & Service seit 1999 nach Angaben der Bahn rund 2300 Empfangsgebäude verkauft, davon rund 500 Objekte direkt an Kommunen und rund 1800 an private Investoren. Durchschnittlich lag der Preis je Bahnhof zuletzt bei rund 66 000 Euro.

Bahnhof in Tutzing wurde 1865 im Maximilianstil errichtet

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen hatten den im Maximilianstil errichteten Tutzinger Bahnhof 1865 in Betrieb genommen. Damals wurde die 1854 eröffnete Bahnstrecke von München nach Starnberg in den Süden verlängert. Zur Einebnung des Geländes wurde damals der im Westen gelegene Moränenhang abgegraben und der Abhang im Osten aufgeschüttet. Im Jahr 1900 wurden die Bahnhofsanlagen im Zuge des zweigleisigen Ausbaus umgebaut und erweitert, das Empfangsgebäude erhielt einen eingeschossigen Anbau.

Was die künftigen Eigentümer mit dem Tutzinger Bahnhofsgebäude vorhaben, ist bisher nicht bekannt. Die Bahn kündigt eine Abstimmung der Konzeption zwischen ihr und den Käufern an. Gewisse „bahnspezifische Nutzungen“ müssten erhalten bleiben. Genaueres müsse der Käufer beantworten.

Gemeinde Tutzing kam trotz Vorverkaufsrecht bei Bahnhof nicht zum Zuge

Im Tutzinger Gemeinderat gab es für die künftige Gestaltung bereits einige Vorschläge, bis hin zum Abbruch des eingeschossigen Anbaus. Das von der Bahn recht kurzfristig eingeleitete Bieterverfahren hatte die Gemeinde Tutzing im vorigen Jahr etwas überrascht. Als Reaktion darauf hatte der Gemeinderat damals zwei Satzungen erlassen, eine Vorkaufsrechtssatzung und eine Erhaltungssatzung für das „Bahnhofsviertel Tutzing“. Mit dem Vorkaufsrecht kam die Gemeinde nicht zum Zuge, mit der Erhaltungssatzung hofft sie aber, auf die Gestaltung Einfluss nehmen zu können. Das Thema ist allerdings durchaus sehr komplex. Viele Aspekte gilt es zu berücksichtigen – vom Wendehammer über die Bus- und Taxihaltestellen bis zu den öffentlichen Toiletten.

Die Deutsche Bahn lehne jegliche Investition außerhalb von Bahngleisen und Bahnsteigen ab, schreibt die „Tutzinger Liste“ auf ihrer Webseite. Die Gruppierung plädiert seit langer Zeit für einen dritten Aufzug am Bahnhof und für Barrierefreiheit auf seiner Westseite. Die Vorhaltung von Toiletten sei laut Bahn Angelegenheit der Gemeinde. Der weite Bogen der Problemfelder spannt sich bis zu einer Zufahrtsberechtigung für ein benachbartes Haus. Ob und wie all diese Interessen unter einen Hut zu bringen sind, scheint noch offen zu sein. nz

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