Ein 22-Jähriger aus Tutzing muss ins Jugendgefängnis - er hat mit Drogen gehandelt.  

Aus dem Gerichtssaal

Aller schlechten Dinge sind fünf: Tutzinger muss in Haft

Das Starnberger Schöffengericht verurteilt einen 22-Jährigen wegen erneuten Drogendelikts. Er muss eine sechsmonatige Jugendstrafe absitzen.

Tutzing – Nach vier Drogenprozessen war für einen jungen Tutzinger Schluss mit der Milde der Richter. Vor dem Starnberger Schöffengericht wurde es für den 22-Jährigen richtig ernst: Wegen unerlaubtem Erwerb von Betäubungsmitteln verurteilte ihn Jugendrichter Ralf Jehle zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe – diesmal ohne Bewährung.

Der in der Gastronomie tätige Tutzinger ist kein unbeschriebenes Blatt. Sein Registerauszug zählt vier Voreintragungen aus den Jahren 2013 bis 2016 – allesamt wegen Betäubungsmitteldelikten. Bisher war der heute 22-Jährige mit Warnschüssen davongekommen, die Jugendhaftanstalt lernte er allerdings bereits kennen. „Das Absitzen, nachdem er die Auflagen nicht erfüllt hatte, war ein einschneidendes Erlebnis“, ließ sein Rechtsanwalt durchblicken.

Der Anklagevorwurf wegen unerlaubtem Handeltreiben und unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln stützte sich auf ein Treffen des Angeklagten mit einem 19-jährigen Bekannten nahe der Donnersberger Brücke in München. Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft sollen die beiden im Januar 2018 dort Drogengeschäfte abgewickelt haben. Der Angeklagte soll dem 19-Jährigen zwei Ecstasy Tabletten zu je 15 Euro verkauft haben. Im Gegenzug kaufte er dem 19-Jährigen fünf Gramm Amphetamine ab, so der Staatsanwalt.

Der Tutzinger wies die Vorwürfe von sich. Der 19-jährige Zeuge, der direkt aus der Haftanstalt in den Sitzungssaal gebracht wurde, berief sich auf seine drogenbedingte Verwirrung: „Mein Kopf war komplett kaputt, ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich weiß über die ersten drei bis vier Monate vor der Haft fast gar nichts mehr.“ Inzwischen habe sich der seit März 2018 inhaftierte 19-Jährige allerdings regeneriert und erklärte im Zeugenstand: „Mit dem Angeklagten ist kein Drogengeschäft zustande gekommen. Ich habe ihn verwechselt.“ Richter Jehle nahm dem Zeugen seine Einlassung nicht ab: „Aus dem Handychatverlauf gehen Drogengeschäfte hervor. Es ergibt sich glasklar, dass es doch zum Austausch kam.“ Insbesondere den Kauf der Amphetamine hielt das Gericht für erwiesen. Bezüglich der vom Angeklagten verkauften Ecstasy-Pillen erging trotz erheblicher Verdachtsmomente ein Freispruch, da Restzweifel nicht ausgeräumt werden konnten.

Zwar stürzt sich der Angeklagte momentan in seine Arbeit und lebt nach eigener Aussage rauschmittelabstinent – das Grundübel Sucht besteht aus Sicht des Gerichtes nach einer abgebrochenen Suchttherapie jedoch weiter. Eine günstige Sozialprognose wollte das Schöffengericht dem 22-Jährigen nicht ausstellen: „Sie haben die Chancen, sich zu bewähren, nicht genutzt.“ Den guten Willen der Justiz hat sich der Tutzinger schlichtweg verspielt. 

nh

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