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So sieht der Entwurf für das betreute Wohnen samt Tagespflege und Einrichtungen für das „Soziale Netz“ am Grundweiher in Bernried (unten rechts) aus. 

Geplante Anlage der Ambulanten Krankenpflege stößt auf erhebliches Interesse

Betreutes Wohnen: Tutzinger Projekt lockt Bürger nach Bernried

Viele Menschen in Tutzing und Umgebung scheinen es kaum erwarten zu können: Die geplante Wohnanlage der Ambulanten Krankenpflege in Bernried mit Betreuung stößt auf erhebliches Interesse.

Tutzing – In der Pause war Armin Heil schon wieder voll beschäftigt: Mit einem Tablett war der Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege Tutzing am Samstag in der Mitgliederversammlung unterwegs, um den vielen Besuchern Kuchen zu servieren. Anpacken, wo etwas zu tun ist: Dieses Prinzip ist charakteristisch für die vor 98 Jahren gegründete Tutzinger Institution. Sie hat 1188 Vereinsmitglieder und 90 Mitarbeiter, darüber hinaus engagieren sich 122 Personen ehrenamtlich.

Der Vorsitzende, Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer, bezeichnete das Zusammenwirken so vieler Idealisten in einem starken Netzwerk als „das Kostbarste in einer Gemeinschaft“. „Ohne ehrenamtliche Arbeit wären wir in Tutzing arm dran“, bekräftigte Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Schon lange hat die Ambulante Krankenpflege ihre Aktivitäten über ihren Heimatort hinaus ausgedehnt, so auch nach Starnberg ins Ilse-Kubaschewski-Haus. Diese Ausweitung verstärkt sie nun mit dem Bau einer neuen betreuten Wohnanlage in Bernried, in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Gemeinde. Das Quartierskonzept umfasst eine Tagespflege, eine betreuten Wohnanlage mit 24 barrierefreien Wohnungen und einen Seniorentreff. Die Vorbereitungen sind weit gediehen, im September oder Oktober dieses Jahres sollen auf dem Grundstück am Grundweiher die Bagger anrollen, kündigte Heil an. 2021 soll alles fertig sein. Mit im Boot ist das für Bauträgertätigkeiten zuständige St. Ulrichswerk der Diözese Augsburg.

Der Bedarf an Wohnraum – gerade mit Betreuungsangeboten – ist gewaltig. „Manche haben schon ein großes Verlangen, nach Bernried auszuwandern“, witzelte Pfarrer Brummer. Zum Vergleich: In der bestehenden betreuten Wohnanlage an der Tutzinger Bräuhausstraße sind 33 Wohnungen mit 37 Mietern belegt, und auf einer Warteliste in der Gemeinde stehen 270 Interessenten. „Wenn ein paar Leute als Neubürger nach Bernried ziehen, freue ich mich schon darauf“, sagte Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger schmunzelnd. Interessenten können sich nach Heils Worten schon jetzt melden, bei der Ambulanten Krankenpflege in Tutzing oder der Gemeinde Bernried. Er schränkte allerdings ein, dass dieses Gebäude angesichts der Nachfrage zu klein sein werde. Ein Gremium werde über die Belegung entscheiden. Pfarrer Brummer signalisierte aber schon Pläne für ein weiteres Gebäude ähnlicher Art auch für Tutzing.

Die Finanzlage der Ambulanten Krankenpflege scheint all diese Vorhaben zu erlauben. Bei fast vier Millionen Euro Umsatz berichtete Schatzmeister Dr. Thomas von Mitschke-Collande über einen operativen Verlust von 281 000 Euro in 2018, doch es bestehe kein Grund zur Sorge: „Wir haben sehr solide gewirtschaftet.“ Neben den Mitgliedsbeiträgen (87 000 Euro) halfen Zuschüsse der Gemeinde Tutzing (20 000 Euro) und der Stadt Starnberg (30 000 Euro) sowie Spenden. Rund 264 000 Euro kommen so als „ideelles Ergebnis“ zusammen. Vermächtnisse sind nicht eingerechnet.

Die Bernrieder Anlage ist das erste Projekt einer neuen „Stiftung Theresia Petsch“, benannt nach einer Tutzingerin, die dem Verein einen Großteil ihres Vermögens vermacht hat. Schwierigkeiten bei der Stiftungsgründung mit Bayerns Kultusministerium dauern allerdings noch immer an, wie Heil andeutete. So müsse der Vorstand der Ambulanten Krankenpflege die Arbeit noch komplett erledigen.

Von Lorenz Goslich

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