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Ob mit oder ohne Finger, Handschuhe sind Pflicht: die Blaskapelle Traubing am Sonntagmorgen beim Neujahrsanspielen im Ort. Seit mehr als zwanzig Jahren pflegt der Verein diesen Brauch.

So begrüßt die Blaskapelle Traubing das neue Jahr

„Ein bisschen heile Welt“ - und ab und zu ein Schnapserl

Es ist in ganz Bayern eine lieb gewordene Tradition, das Neujahrsanspielen der Blasmusikanten. Auch in Traubing ziehen Musiker seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren von Haustür zu Haustür, um den Einwohnern ihre musikalischen Glückwünsche zu überbringen – und nebenbei die Kasse mit Spenden aufzubessern. Seit Samstag sind sie unterwegs.

Traubing – Das Wetter ist egal. Ob es gießt oder schneit, ob Eiseswind die Backen einfriert oder Föhn für Kopfweh sorgt – die Musiker der Blaskapelle Traubing wissen, wie sie sich am besten vor klammen Fingern schützen. Und vor eingefrorenen Lippen fürchten sie sich auch nicht, falls die Temperaturen frostig werden. „Beim Pusten wird es einem eh warm“, sagt der Chef der Kapelle, Sebastian Kammermeier. „Problematisch wird es erst bei minus fünf bis minus zehn Grad. Da frieren durch die Feuchtigkeit die Instrumente ein. Dann schauen wir, dass wir ins Warme kommen oder brechen ab. Aber wir fangen bei jedem Wetter an.“

Natürlich schaut sich Kammermeier schon seit Tagen den Wetterbericht an. „Dieses Jahr wird es frisch, aber trocken. Das geht“ sagt er zuversichtlich. „Bis null Grad ist alles kein Problem. Da hat höchstens die Klarinette Probleme, die kommt dann aber unter den Mantel.“ Bei den Blechbläsern ist es das Mundstück, das warm gehalten werden muss. „Wenn mal kurz nicht gespielt wird, muss es in die Hosentasche wandern. Aber solange gespielt wird, gibt es kein Problem, weil dadurch auch das Instrument warm wird“.

Die Musiker lassen sich also nicht durch die Wetterverhältnisse aufhalten, sondern ziehen wie jedes Jahr von Haus zu Haus und von Straße zu Straße. Am Samstag ging es um 9 Uhr los, am Sonntag um 9.30 Uhr. Schluss war gegen 17 Uhr. Die verdiente Mittagspause gab es in der Dorfwirtschaft.

Gespielt werden ausschließlich Märsche, „weil wir da keine Noten brauchen“, sagt Kammermeier. Er freut sich, dass meist schon „nach den ersten acht Takten Glockenspiel“ die Haustüren aufgehen. „Dann spielen wir los.“ Den Einwohnern gefällt’s – so wie Thomas und Marion Geiger, die Sonntagfrüh von der Kapelle geweckt wurden. „Es ist immer wieder schön“, sagt der 40-Jährige, der seit seiner Geburt in dem Tutzinger Ortsteil lebt und der mit dem Trommlerzug selbst zweimal beim Neujahrsanspielen dabei war. „Es zeigt das dörfliche Miteinander und noch ein bisschen heile Welt.“

Öfters werden die Musikanten nicht nur mit einer Spende für den Verein, sondern auch mit einem Schnapserl belohnt. So auch bei den Geigers gestern. Für die, die wollten, hatte die Familie einen Williams Christ parat. Dann kann es recht lustig werden. Fallen Musiker aus, falls sie zu viel Hochprozentiges erwischen? Sebastian Kammermeier lacht. „Das ist in all den Jahren erst einmal vorgekommen.“ Und es habe sich auch noch nie jemand im Dorf beschwert, weil er an Neujahr aus dem Bett gespielt wurde.

Nach dem musikalischen Zug durch Traubing geht es an Silvester in Machtlfing weiter. An Neujahr ziehen die Bläser durch die Aussiedlerhöfe, bevor sie zum krönenden Abschluss vor dem Feuerwehrhaus in Monatshausen das Jahr 2020 mit einem kleinen Standkonzert um 15.30 Uhr begrüßen.

Damit der schöne Brauch auch in Zukunft weiter bestehen kann, freut sich die Traubinger Blaskapelle immer über Nachwuchs. Instrumente sind vorhanden. Wer Interesse hat, meldet sich beim Musik- und Kulturverein. Infos im Internet: https://blaskapelle-traubing.de/musik-und-kulturverein.

Von Astrid Amelungse-Kurth und Peter Schiebel

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