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Dienst im Namen Gottes und am Menschen: Die Missions-Benediktinerinnen öffnen Hilfesuchenden die Türe, betreiben Seelsorge und treffen sich zum Chorgebet. Die Ordenskleidung legen sie nur selten ab. Schwester Hanna: „Da bin ich weder overdressed noch underdressed.“

Missions-Benediktinerinnen in Tutzing

„Unsere Kirche müsste mutige Schritte tun“

Das Motto lautete „Was ich schon immer einmal fragen wollte“: Die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen spannten bei einem Gesprächsabend mit Bürgern einen breiten Bogen – von der Spiritualität bis zu vielen Details ihres Alltags. Deutliche Worte gab es zum Priestertum für Frauen.

Tutzing – Sie glaube eigentlich nicht an Gott, sagte eine Frau einmal auf der Straße zu Schwester Hanna vom Tutzinger Kloster: „Aber Gott sei Dank, dass es noch so was gibt wie Sie.“ Über solche Geschichten können die Missions-Benediktinerinnen herzlich lachen. Hanna gab die kleine Begebenheit bei einem Gesprächsabend zum Besten. Unter dem Motto „Was ich immer schon einmal fragen wollte“ gaben sie und ihre Mitschwestern auf sehr offene Weise rund 50 Besuchern Auskunft.

„Es braucht einen nicht geringen Aufwand, Gemeinschaft zu leben“, sagte Priorin Ruth Schönenberger. Das spirituelle Leben hat einen hohen Stellenwert. Auf ihrer Webseite erklären es die Missions-Benediktinerinnen so: „Es geht uns darum, dass wir unser Fähnchen nicht nach dem Wind drehen und jeder Modebewegung nachlaufen, sondern uns vom Geist Gottes und seiner Liebe bewegen lassen.“ 

Priorin Ruth spricht über Veränderungen des Ordenslebens

Als tragende Säulen gelten die benediktinische und die missionarische Spiritualität. Aber Priorin Ruth verwies auch deutlich auf Veränderungen des Ordenslebens gegenüber früher: „Wir benutzen den Begriff ‚Welt’ anders, als er einst gemeint war – wir sind heute in der Welt, nicht fern von der Welt.“ In frühchristlicher Zeit sei es eher geboten gewesen, sich von der Welt und allem fernzuhalten, „was nicht im Evangelium ist“.

Jedes Jahr hat jede Schwester das Recht, bis zu zehn Tage für Exerzitien freizunehmen, sagte Schwester Lydia, eine der Älteren. Die Exerzitien – geistliche Übungen abseits des alltäglichen Lebens – sollen es ermöglichen, „zu sich und zur Ruhe zu kommen“, erläuterte die Priorin, „und das Ohr auszuputzen, wenn es zu sehr verstopft ist von Sorgen und Problemen.“

„Weltliche“ Einflüsse wie Wein und Fernsehen gibt es auch im Kloster

Aber auch die „weltlichen“ Einflüsse haben ihren Platz. Ein großer Fernseher steht bereit, an Festtagen gibt es „schon auch mal einen guten Wein zum Mittagessen“, betonte Lydia. Mit aktiver Öffentlichkeitsarbeit gewähren die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen zurzeit viele Einblicke in ihr Leben. Die Tutzinger wissen es zu schätzen. „Mit Vergnügen“ habe er ihre seit Juni laufende Ausstellung im Rathaus gesehen, berichtete ein Besucher des Gesprächsabends und fügte anerkennend hinzu: „Sehr professionell!“ Bis Ende Oktober ist die Ausstellung „Die Missions-Benediktinerinnen und ihr Wirken“ noch zu sehen. „Komm und sieh...“ lautet auch der Titel eines Tags der offenen Tür im Kloster am Sonntag, 22. September, ab 14.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen, Führungen, Gesprächsrunden und Vesper um 17.45 Uhr zum Abschluss.

Auch für den ganz normalen Alltag der Schwestern interessierten sich die Gäste. Ob sie auch mal ohne Ordenskleidung ausgehen dürfen, wollte jemand wissen. Priorin Ruth verwies auf „Vereinbarungen, wann man was anzieht“. Im Urlaub oder beim Sport sei „normale Kleidung“ erlaubt. Ob sie vorher um Erlaubnis bitten müssen? „Es ist mit der Priorin zu besprechen“, sagte die Priorin, ließ jedoch durchblicken, dass alles nicht so streng gehandhabt wird: „Heute gibt es mehr Freiraum als früher.“ Schwester Hanna fühlt sich aber mit der Ordenskleidung immer richtig angezogen: „Da bin ich weder overdressed noch underdressed.“

Die Schwestern wählen meist Zug statt Flugzeug

Selbst nach der Art des Urlaubs erkundigten sich die Besucher. Den verbringen die Ordensfrauen, wie Schwester Katharina erzählte, oft in anderen Benediktinerklöstern oder bei ihren Familien. Viele wollen ausländische Gemeinschaften besuchen: „Aber das ist eine Frage des Budgets.“ Meistens reisen die Schwestern mit dem Zug: „Fliegen passt einfach nicht.“ Und gemeinsame Unternehmungen, wie Radtouren, gehören auch zur Freizeitgestaltung. „Oder wir gehen einfach über die Straße ins Ferienhaus und sind weg.“ Denn Urlaub in der Region wissen auch Nonnen zu schätzen. So ganz abschalten von ihrer missionarischen Arbeit können und wollen sie aber nicht.

Als Besucher das Thema Priestertum für Frauen ansprachen, erzählte Schwester Lydia von Prioraten im Ausland, in denen nur selten eine Eucharistie-Feier stattfinden könne, „weil keine Priester da sind“. Wenn jemand die Fähigkeit habe, so einen Dienst zu tun, dann sei es schlimm, dies nicht zu erlauben, nur weil es sich um eine Frau handele. In Deutschland sei schon vielfach keine persönliche Seelsorge mehr möglich. Beifall erhielt die erfahrene Schwester, als sie folgerte: „Ich meine, dass unsere Kirche da mutige Schritte tun müsste.“ Aber sie fügte gleich hinzu: „Das ist nicht gegen Männer gedacht.“

von Lorenz Goslich

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