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Unten dreieckig, oben rund: Das geplante „Simson“ besticht mit eigenwilliger Architektur. Nun wird aus dem Bau eine Klinik. Das genehmigte der Bauausschuss.

Ortsentwicklung

Hotel wird zur Klinik

Der Tutzinger Bauausschuss sieht keine Chance, diese Nutzungsänderung abzulehnen: Aus dem „Simson“ in Tutzing wird eine Klinik.

Tutzing – Der Bau in extravaganter Dreiecksform an der Bräuhausstraße in Tutzing ist so gut wie fertig. Ein so genanntes Aparthotel haben die Planer seit Jahren an dieser Stelle angekündigt. Doch auf einmal ist alles anders. Statt eines Hotels soll in das Gebäude auf dem ehemaligen Grundstück der Unternehmen Boehringer-Mannheim und Roche eine Klinik einziehen. Bleiben aber soll es bei einer Tanzschule, für die dort ebenfalls schon lange Räume vorgesehen sind.

Als Punkt 15 stand die „Nutzungsänderung von Aparthotel mit Tanzschule in Klinik mit Tanzschule“ am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Bau- und Ortsplanungsausschusses. Der genehmigte die Änderungspläne ohne größere Diskussion einstimmig. Fragen nach den Gründen und den konkreten Plänen mit einer Klinik gab es nicht. Es kursieren Spekulationen über die Einrichtung einer Burnout-Klinik an diesem Standort.

Die Hotelpläne waren weit gediehen. 25 Zimmer für Geschäftsleute und Erholungsuchende hatten die Planer angekündigt, Angebote für jede Art von Aufenthalt von der Bügelstation bis zum Fitnessraum, „Coworking“-Arbeitsplätze mit vorhandener Büroeinrichtung, eine Lounge auf dem Dach mit Blick auf den Starnberger See und eine Tagesbar im Außenbereich.

Das Dreiecksgebäude hatten die Initiatoren nach dem traditionsreichen „Hotel Simson“ benannt, das sich einst an diesem Standort befand und um 1900 Tutzings Ruf als Sommerfrische mit begründete. Das frühere Hotelgebäude wurde später für Jahrzehnte Bestandteil des Unternehmens Boehringer-Mannheim. Für ein neues Hotel sahen viele in Tutzing und auch die Wirtschaftsförderer im Landkreis großen Bedarf.

Wegen der beantragten Nutzungsänderung hatten die Verantwortlichen der Gemeinde einen Blick in die einschlägigen Regeln geworfen: in die Festsetzungen des Bebauungsplans und in die Verordnung über die bauliche Nutzung der Grundstücke, kurz Baunutzungsverordnung, besonders Paragraf 8 über Gewerbegebiete. Dort steht: „Gewerbegebiete dienen vorwiegend der Unterbringung von nicht erheblich belästigenden Gewerbebetrieben.“ Ausnahmsweise können nach dieser Verordnung unter anderem auch „Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale und gesundheitliche Zwecke“ zugelassen werden.

Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller hatte dazu laut Gemeinde sogar einen mehrseitigen Brief eines Rechtsanwalts erhalten. Über dessen Inhalte gab es im Ausschuss keine näheren Angaben. Für das Rathaus stand aber fest, dass die beantragte Nutzungsänderung nicht abgelehnt werden kann.

Lorenz Goslich

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