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Einen Abstecher zum Ortsmuseum am See unternahmen diese maskierten Kinder, bevor sie bei Offenbachs Cancan im Tutzinger Gym nasium ihren Auftritt hatten. 

16. Tutzinger Kulturnacht

Kultur, Kirche, Kondition

Herumtobende Kinder, ein durch die Menge radelnder Bub, Kulturreferentin Brigitte Grande leidenschaftlich mitwippend, als ein Chor der Grund- und Mittelschule sang. Ihrem Motto „Kultur bewegt!“ wurde die 16. Tutzinger Kulturnacht am Freitag in vielerlei Hinsicht gerecht.

Tutzing– Schon die Organisation an elf Plätzen der Gemeinde setzte die Zuschauer in Bewegung, von einem Aufführungsort zum nächsten, manchmal die Tutzinger Hänge hinauf und wieder hinunter.

Kultur bewegt, gelegentlich erfordert sie auch Kondition. Die war am ganzen Wochenende gefragt. Gäste aus der französischen Partnerstadt Bagnères-de-Bigorre waren zu Besuch, da gab es viel Programm. Höhepunkt waren am Sonntag ein Festgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Joseph aus Anlass ihres 90-jährigen Bestehens mit Empfang im Brunnenhof des Roncallihauses und musikalischem Treffen zweier Akkordeonorchester aus Tutzing und Bagnères-de-Bigorre.

Die Kulturnacht zeige „die leistungsstarke und solidarische Seite“ der Gemeinde, bemerkte Bürgermeisterin Marlene Greinwald bei der Eröffnung der Kulturnacht. Viele gaben ihr Recht. Erfrischend war die teils außergewöhnliche Auswahl, so etwa, als in der Pfarrkirche Orgel, Saxofon und Klarinette extravagant zusammenflossen, in der Evangelischen Akademie die Band „Einshoch6“ Hip-Hop mit Klassik kombinierte oder in der Galerie am Rathaus ein ausgefallenes Programm der drei Musikschullehrer George Davis, Jutta Haberhauer und Anita Schmid-Egger aufhorchen ließ.

Dann wieder versetzten populäre Werke die Zuhörer in Hochstimmung. So beispielsweise beim Auftritt des Tutzinger Akkordeonorchesters „Diskanto“ mit seiner Fortsetzung am Sonntag im Roncallihaus und dort mit der begeistert aufgenommenen französischen Unterstützung durch den Akkordeonclub Bagnerais. Ganz bayerisch brachten kurz zuvor Tutzings evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger und Hubert Lautenbacher aus Bernried im Brunnenhof einen umjubelten bayerischen Sketch über die Ökumene.

Bewegende Kultur, Tutzing multi-kulti. Mehr als 30 maskierte Kinder kamen am Freitag, bevor sie im Gymnasium bei Jacques Offenbachs Cancan auftraten, ins Ortsmuseum, um eine zur Ausstellung über Graf von Pocci passende Kasperlaufführung des „Kieferer Puppentheaters“ malerisch zu ergänzen. So bewegend und abwechslungsreich war der ganze Abend.

Werke von Dimitri Schostakowitsch, Richard Rodney Bennett und Astor Piazzolla gab es ebenso wie Funk, Fusion und Soul, Bluegrass und Country. Vorträge, Foto-Präsentationen und Konzerte entführten ins historische Tutzing, nach Europa und in die ganze Welt. Film-Themen reichten von einem Menschen aus dem 3-D-Drucker – ein von Gymnasiasten produzierter Streifen – bis zu Dieter Hildebrandts 1963er Fassung von Heinrich Bölls „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ im Kino Kurtheater.

Kulturreferentin Grande, die mit Roswitha Duensing von der Gemeinde alles koordiniert hatte, sah ein Ziel erreicht: „In Zeiten, in denen wir schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und oft rücksichtslose Durchsetzung von Einzelinteressen als eines der größten und bedrohlichsten Probleme unserer Gesellschaft erleben, ist das wichtig und kostbar: die Kulturnacht steht für Solidarität und Dialog statt Auseinanderdriften.“ 

Lorenz Goslich

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