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Auf dem überdachten Steg des Nordbads sitzen Gäste an lauen Sommerabenden gerne – zum Verdruss einiger Nachbarn.

Nächster Akt im Nordbad-Streit

Was aus dem Stück Privatgrund mitten im Tutzinger Nordbad wird, ist unklar. Es gehört einem Nachbarn, die seit Jahren gerichtlich gegen die Gaststätte im Nordbad vorgeht. Der Privatgrund ist einer in einer Reihe von Streitpunkten.

Tutzing – Rüdiger Lange wohnt in Berlin, aber ein Tutzinger Streit beschäftigt ihn seit Jahren. Dem Juristen und seiner Familie gehört eines der Nachbargrundstücke des Nordbads – und mittlerweile auch ein Teil dieses Badegeländes. Ende vorigen Jahres hat die Gemeinde einen Rechtsstreit um das Grundstück verloren. Nun hat sie, wie berichtet, an der Grenze zum Privatgrund einen Zaun aufstellen lassen und die Absperrung damit optisch deutlich hervorgehoben. Auf der kleinen Privatfläche stehen auch etliche Badekabinen.

Lange äußert sich darüber verwundert. „Ich habe von dem Zaun erst erfahren, als er schon stand“, sagt er. Die Absperrung wäre seiner Meinung nach nicht nötig gewesen. Denn eine Nutzung der kleinen Fläche durch die Gemeinde und damit fürs öffentliche Baden sei möglich.

Verkaufen will er das Areal nicht, auch wenn er einen solchen Schritt für die Zukunft nicht ausschließt. Er sei nach wie vor bereit, eine vernünftige Lösung zu finden. Das habe er gegenüber dem Anwalt der Gemeinde bekräftigt. „Ich bin bereit zu verpachten und würde mich über ein Gespräch freuen“, sagt er. Eine jährliche Pacht von 2500 Euro soll im Gespräch gewesen sein. Das könne er sich vorstellen, sagt Lange. Die Gemeinde habe sich aber nicht bei ihm gemeldet. Dem widerspricht Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Man habe das Gespräch gesucht, Lange aber nicht erreicht. Von einem Angebot sei ihr nichts bekannt.

Vor sieben Jahren, als Dr. Stephan Wanner Bürgermeister war, hatte sich herausgestellt, dass der Gemeinde ein kleiner Teil des von ihr über Jahrzehnte verpachteten Nordbad-Grundstücks gar nicht gehört. Wanner kaufte die 134 Quadratmeter Fläche in Seeufernähe daraufhin einer damals 92-jährigen Frau aus Cham ab – für gerade mal 8000 Euro. Damit begann eine kritische Diskussion, ob die alte Dame übervorteilt worden sei. Schließlich wurde der Kauf rückgängig gemacht.

Zweimal wurde das Grundstück in der Folgezeit bewertet, erinnert sich Lange – erst mit 46 000 Euro, dann mit 50 000 Euro. Für diesen Preis hat er das Areal Anfang 2015 gekauft. Die Gemeinde habe versucht, ein Vorkaufsrecht geltend zu machen und das Areal „weit unterbezahlt“ zu erwerben, sagt Lange.

Auseinandersetzungen über das Nordbad ziehen sich aus anderen Gründen schon über viele Jahre hin. „Als meine Eltern Mitte der 1970er Jahre nach Tutzing gezogen sind, war das schon ein sehr altes Bad“, sagt Lange. „Das Nordbad war schon immer da“, bestätigt dessen Juniorchef Nico Greif. Die Nachbarn seien erst später zugezogen. Lange erinnert sich: „Wir wollten es erhalten.“ Deshalb habe seine Familie damals auf Bitte der Gemeinde einem geringeren Abstand zu den dortigen Toiletten zugestimmt. „Relativ überraschend“ sei dann aber die Veränderung zu einer Gaststätte gekommen. „Sie hat aus unserer Sicht einen Genehmigungsbescheid zu Lasten der Nachbarn erhalten.“

Mehrere Nachbarn klagten dagegen, vor allem wegen Zulieferverkehrs und Lärms – der Beginn einer Kette von Gerichtsverfahren. Seit langem gibt es Beschränkungen bei Öffnungszeiten und Veranstaltungen, doch der Unmut scheint beidseits weiter zu brodeln. In lauen Sommernächten bedauern es viele Gäste des Nordbads, wenn sie um 22 Uhr ihre Plätze verlassen müssen. Die Gemeinde stehe zur Gaststättennutzung, sagt Lange: „Sie hat immer versucht, uns in die Ecke der Zugezogenen zu stellen.“ Es handle sich um ein reines Wohngebiet, weshalb die Gaststätte „sowieso nicht genehmigungsfähig gewesen“ wäre.

Da gehen die Angaben auseinander: Das Wohngebiet grenze an, es betreffe nicht das Nordbad selbst, sagt dessen Juniorchef. Lange behauptet, der Gemeinde und den Pächtern sei „immer wieder etwas Neues eingefallen, um die Öffnungszeiten zu verlängern“. Dem widerspricht die Pächterfamilie. „Wir schließen seit Jahren um 22 Uhr und haben auch nicht überzogen, wie immer wieder behauptet“, sagt Nico Greif. Dass die Kabinen auf dem Privatareal derzeit nicht nutzbar sind, damit hat sich seine Familie abgefunden. „Ich will keinen Stress“, sagt er. Dass ausgerechnet einer der Nachbarn, die seit Jahren gegen Belästigungen durch das Nordbad vorgehen, nun Miteigentümer des Geländes ist, wirkt etwas delikat.

Lange widerspricht aber Behauptungen, er nutze das Grundstück als Faustpfand zur Durchsetzung seiner Interessen. Vielmehr könne seine Familie die Fläche gut brauchen: „Sie grenzt bis auf sechs Meter an unser Grundstück – wenn wir sie privat nutzen wollen, ist sie eine schöne Ergänzung.“ Vom öffentlichen Seeuferweg, der oberhalb vorbei verläuft, gibt es derzeit keinen Zugang – man erreicht das Areal nur über das Nordbad. Doch darin sieht Lange kein Problem: „Da kann man eine Holztreppe bauen.“ Dafür müsse man nur eine oder zwei der Kabinen wegnehmen. „Aber ich denke nicht, dass es dazu kommen sollte.“ Was dann? „Man müsste den Gesprächsfaden aufnehmen“, sagt er an die Adresse der Gemeinde und versichert: „Ich will das Nordbad nicht kaputt machen, aber ich hätte gern, dass ich die ewigen Streitereien los werde.“ Den Zaun finde er „ganz hübsch“.

Lorenz Goslich

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