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Heimatpremiere für „Die Goldfische“ im Kurtheater Tutzing: Luisa Wöllisch (2.v.l.) feierte mit Mama Eva Wöllisch, (l.), Kinobetreiber Michael Teubig und Angelica Fell, Gründerin der Freien Bühne München, in der Luisa die Schauspielkunst erlernte

Premiere für die Komödie „Die Goldfische“

Roter Teppich für Luisa Wöllisch: Tutzingerin spielt neben den Kinostars

Luisa Wöllisch aus Tutzing spielt eine Hauptrolle in dem neuen Kinofilm „Die Goldfische“, in dem es um eine Behinderten-WG geht. Das Besondere daran: Die 22-Jährige ist die einzige Darstellerin, die tatsächlich mit einer Beeinträchtigung lebt. Am Samstag war Premiere im Kurtheater Tutzing.

Tutzing – Sie ist jetzt ein Star. Eine Schauspielerin, die eine Hauptrolle in einem Kinofilm spielt. Und damit hat sich ein großer Traum für Luisa Wöllisch aus Tutzing erfüllt. Die 22-Jährige stand für „Die Goldfische“ mit namhaften deutschen Künstlern wie Tom Schilling, Axel Stein und Jella Haase vor der Kamera. Sie ist Teil einer Filmfamilie geworden, die eine Behinderten-WG spielte. Das Besondere daran: Luisa ist die Einzige im Team, die tatsächlich mit einer Beeinträchtigung lebt. Sie ist mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) auf die Welt gekommen. Am Samstag wurde der Film im Kurtheater Tutzing vorgestellt, sozusagen als „Heimatpremiere“, mit Freunden, Familie und prominenten Gratulanten.

Vom offiziellen Premierentag in München ein paar Tage zuvor erzählt Luisa Wöllisch mit großem Strahlen: „Das war der absolute Wahnsinn.“ Sie wurde abgeholt, ins Hotel Bayerischer Hof gefahren, bekam dort ein Zimmer und eine eigene Stylistin. Ihre Presseagentin koordinierte die Interview-Anfragen im Zehn-Minuten-Takt. Dann der rote Teppich, das Blitzlichtgewitter mit den Schauspieler-Kollegen, der tosende Applaus nach der Vorführung. Ganz großes Kino.

„Was jetzt so leicht und spielerisch aussieht, war zum Teil ein Kampf gegen viele Widerstände“, erzählt Stefan Wöllisch, Luisas Vater. Die Eltern wünschten sich für ihre Tochter so viel Normalität wie möglich. Also besuchte sie eine Grundschule in ihrem Heimatort Tutzing, machte auf der Montessori-Schule ihren Abschluss. „Das Wort Inklusion schreiben sich viele Einrichtungen auf die Fahne, aber wirklich funktionieren tut es selten“, fasst Stefan Wöllisch seine Erfahrung zusammen.

Die richtungweisende Entdeckung machte Luisas Mutter Eva: Die 2014 von Angelica Fell gegründete Freie Bühne München, ein „Theater für alle“, in dem Luisa eine Schauspielausbildung absolvieren konnte. Dort blühte sie auf, wurde Teil des Ensembles, zu dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gehören. „Ich habe verschiedene Rollen gespielt, stand oft auf der Bühne, zum Beispiel habe ich die Orphelia in Shakespeares Hamlet verkörpert“, erzählt Luisa begeistert.

Mit Angelica Fell und ihrem Dozententeam fand sie großartige Unterstützer. Dort wurde sie auch zum ersten Mal gecastet und erhielt eine Nebenrolle in dem Film „Grießnockerlaffäre“. Als Luisa schließlich zum Casting für „Goldfische“ eingeladen wurde, war die Freude riesig. Drehbuchautor und Regisseur Alireza Golafshan engagierte sie vom Fleck weg.

Der Inhalt des Films ist nicht ganz einfach: Ein Banker im Rollstuhl benutzt die Mitbewohner einer Behinderten-WG als Tarnung, um an sein Schwarzgeld in der Schweiz zu kommen. Die rasante Komödie geht so humorvoll und schonungslos offen mit Tabuthemen um, dass sich auch Luisas Eltern schnell damit anfreunden konnten. 30 Tage lang drehte Luisa mit ihren Kollegen.

Fürs Textlernen hat sie sich eine ausgefeilte Technik ausgedacht: „Ich spreche den Text auf mein Handy und höre ihn mir so oft an, bis ich ihn kann“. Damit habe sie weniger Texthänger als ihre Kollegen gehabt, schmunzelt sie.

Durch die Arbeit bei der Freien Bühne München ist Luisa sehr selbstständig geworden. Seit Jahren fährt sie jeden Morgen alleine mit dem Zug nach München, organisiert sich ihre Termine selbst. Diese Eigenständigkeit kam ihr im Zuge der Dreharbeiten zugute: „Ich wurde schon öfters im Fernsehen interviewt, zu vielen Presseterminen bin ich alleine oder mit anderen Schauspielern gereist“, erzählt sie stolz. Aufgeregt sei sie da nie gewesen, schließlich sei sie ja inzwischen Kameras gewöhnt.

Jetzt wird es wieder etwas ruhiger in Luisas Leben. Natürlich wünscht sie sich, bald wieder in einem Kinofilm mitzuspielen. Bis dahin bleibt sie Ensemblemitglied an der Freien Bühne München, wird bald mit einer Hauptrolle in der Black Box im Münchner Gasteig zu sehen sein. Ein weiterer Wunsch ist, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Am liebsten mit netten Menschen, mit und ohne Beeinträchtigung. Fast wie im Film.

Von Susanne Bayer

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