Stellen den neuen Ruhewald vor (v.l.): Rathausmitarbeiterin Anna Stöckerl, Bürgermeisterin Marlene Greinwald, Dritter Bürgermeister Dr. Franz Matheis und Rathausmitarbeiterin Alina Hentschel zwischen den Urnenflächen.
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Stellen den neuen Ruhewald vor (v.l.): Rathausmitarbeiterin Anna Stöckerl, Bürgermeisterin Marlene Greinwald, Dritter Bürgermeister Dr. Franz Matheis und Rathausmitarbeiterin Alina Hentschel zwischen den Urnenflächen.

Neue Bestattungsmöglichkeit

Tutzing bietet letzte Ruhe im Wald

Die Gemeinde Tutzing folgt den Veränderungen der Bestattungskultur: Im Waldfriedhof gibt es eine neu angelegte Fläche für zunächst 50 Urnen. Grabsteine soll es nicht geben.

Tutzing – Im Waldfriedhof an der Kustermannstraße in Tutzing gibt es jetzt einen „Ruhewald“. Eröffnet haben ihn gestern Bürgermeisterin Marlene Greinwald, Dritter Bürgermeister Dr. Franz Matheis sowie die für die Friedhofsverwaltung zuständigen Mitarbeiterinnen Anna Stöckerl und Alina Hentschel. Pläne für einen deutlich größeren Bestattungswald waren im Herbst Thema im Gemeinderat, und zwar für die Ilkahöhe.

Hintergrund sind Veränderungen der Bestattungskultur. Der Rückgang der Sargbestattung setzt sich fort, der Anteil der Einäscherungen ist seit 1960 von zehn auf mehr als 70 Prozent gestiegen, wie Studien der RAL Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen belegen. Auch pflegefreie Bestattungsformen sind immer mehr gefragt.

Der Tutzinger Ruhewald kommt diesem Trend entgegen. Mit seiner Lage nah am ausgedehnten Baumbestand und seiner Gestaltung weist er gegenüber anderen Bestattungsanlagen dieser Art, so in Gilching und Starnberg, einige Besonderheiten auf. Auf einer im nördlichen Bereich des Friedhofs angelegten Wiese, zu der sich ein kleiner Weg schlängelt, sind Flächen für zunächst 50 Urnen in den Boden eingelassen. Die Gemeinde übernimmt die Pflege sozusagen gemeinsam mit der Natur, auf Grabsteine und -einfassungen wird verzichtet. Stattdessen bietet ein Gedenkstein einen zentralen Platz für Namen, Geburts- und Sterbedaten. Diese Stelle ist auch für Kränze und Kerzen vorgesehen. Ein in der Mitte gepflanzter Baum soll, wie es bei der Eröffnung formuliert wurde, seine schützende Hand über die Urnen legen. Möglich sind Familien- und Sammelgrabstätten mit jeweils bis zu vier Plätzen. Eine spätere Erweiterung des Ruhewaldes ist möglich. Anonyme Bestattungen soll es dort nicht geben. Die Ruhefrist beträgt bei Urnen zehn Jahre, bei Erdbestattungen 30 Jahre. Eine Verlängerung bei Urnen ist möglich.

Zum Stand des für die Ilkahöhe vorgesehenen Bestattungswaldes gab es gestern unterschiedliche Auskünfte. Im Rathaus wurde berichtet, das Vorhaben werde nicht weiter verfolgt. Auf Nachfrage des Starnberger Merkur sagte Gutseigentümer Hermann Wendelstadt aber: „Wir arbeiten weiter an diesem Projekt.“ Die Guts- und Forstverwaltung Ilkahöhe hatte eine Partnerschaft mit dem in Griesheim bei Darmstadt ansässigen Unternehmen Friedwald GmbH angekündigt, das sich auf diese Bestattungsform spezialisiert hat. Nach früheren Angaben soll es sich um einen öffentlich-rechtlich gewidmeten Friedhof unter der Trägerschaft der Gemeinde im Privatwald auf 83 Hektar Fläche handeln. Das Gebiet soll gleichzeitig weiterhin Erholungsraum für die Menschen bleiben. In Deutschland soll es derzeit etwa 160 Bestattungswälder geben, teils in kommunaler Regie, teils von privaten Anbietern wie „Friedwald“, „Ruheforst“ oder „Trauerwald“ geführt. Da ein privatwirtschaftlicher Betrieb von Friedhöfen in Deutschland gesetzlich verboten ist, suchen private Unternehmen üblicherweise die Zusammenarbeit mit kommunalen oder kirchlichen Trägern.

Lorenz Goslich

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