Schöner Arbeitsplatz, der eine dicke Haut erfordert: Die Sicherheitskraft, die am Tutzinger Uferbereich für Ordnung sorgen soll, ist mit dem Rad zwischen Nord- und Südbad unterwegs.
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Schöner Arbeitsplatz, der eine dicke Haut erfordert: Die Sicherheitskraft, die am Tutzinger Uferbereich für Ordnung sorgen soll, ist mit dem Rad zwischen Nord- und Südbad unterwegs.

Tutzings Vorbereitung auf den Sommer

Ein Aufpasser für den Uferbereich

Auch in diesem Jahr wird in Tutzing wieder eine Sicherheitskraft unterwegs sein. Besonders in den Parkanlagen am See, aber zum Beispiel auch am Wochenmarkt gilt dies als erforderlich.

Tutzing – „Ballermann in Tutzing“, kommentierte ein Spaziergänger an einem Sonntagmorgen im Juli vorigen Jahres. Die Brahmspromenade war mit Überresten eines Freiluftfestes übersät. Bis heute sorgt eine regelrechte Zerstörungsorgie zwei Jahre zuvor im Kustermannpark für Gesprächsstoff: Da hatten Randalierer größere Teile eines Jägerzauns herausgerissen, mit ihnen ein Lagerfeuer entfacht und auch noch Bretter einer Parkbank hineingeworfen. Da es immer wieder solche und andere unangenehme Vorfälle gibt, wird die Gemeinde Tutzing auch in diesem Jahr einen kommunalen Ordnungsdienst beauftragen. Er soll vor allem im Bereich zwischen Nordbad und Südbad aufpassen.

„Manchmal muss man die Menschen darauf hinweisen, dass sie rücksichtsvoll sein sollen“: So formulierte es Bürgermeisterin Marlene Greinwald im Hauptausschuss des Gemeinderats. Der beschloss die Beauftragung einstimmig, obwohl mehrere Ausschussmitglieder die Notwendigkeit solcher Maßnahmen ebenso bedauerten wie die Bürgermeisterin selbst.

Christine Nimbach (Grüne) warnte aber vor Konfrontationen. Sie mahnte Freundlichkeit beim Ordnungsdienst an, er müsse seine Hinweise gut vermitteln. Die Reaktionen der Angesprochenen seien manchmal kritisch, erwiderte Greinwald: „Das ufert zum Teil aus.“ Und trotz falschen eigenen Verhaltens zeigten keineswegs alle Menschen Einsicht. Im Gegenteil: Manche von ihnen beschwerten sich sogar bei ihr. Beispielhaft erwähnte sie ein Erlebnis mit einer Dame, die am Seeufer mit dem Rad unterwegs war, wo dies nicht erlaubt ist. Das war der Radfahrerin durchaus bewusst, wie sie nach kritischen Anmerkungen des Ordnungsdienstes bestätigte. „Aber er muss mich ja nicht gleich so angehen“, hatte sie geklagt.

Verena von Jordan-Marstrander (Freie Wähler) wollte wissen, was finanziell auf die Gemeinde zukommt. Weniger als bei einer Sicherheitsfirma, die Tutzing vor einigen Jahren beauftragt hatte, sagte Greinwald. Später ist die Gemeinde zu einer für solche Tätigkeiten ausgebildeten einzelnen Ordnungskraft umgeschwenkt – auf 450-Euro-Basis. „Die Kosten waren sehr überschaubar“, folgerte die Bürgermeisterin.

Die Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise gelten als gut, zumal dies mehr Flexibilität ermöglicht, denn die Sicherheitsfirma hatte mit festen Touren und Zeiten gearbeitet. Auch um andere Bereiche wie etwa den Wochenmarkt kümmert sich die Ordnungskraft, die auch diesmal in der warmen Jahreszeit wieder den Auftrag erhalten soll. Im Winter sieht die Gemeinde hierfür keinen Bedarf.

Vor Jahren waren in Tutzing Rufe nach einer ehrenamtlichen „Bürgerwehr“ laut geworden. Davon kam man jedoch schnell wieder ab – wegen Befürchtungen, ehrenamtliche Sicherheitsleute würden angepöbelt werden, und Menschen mit eher unliebsamer Gesinnung könnten so ein Tätigkeitsfeld finden. Diesmal war von einer Bürgerwehr keine Rede. Greinwald prognostizierte, die Aufgabe werde für die Ordnungskraft auch in diesem Jahr nicht leicht werden. Stete Freundlichkeit sei deshalb nicht zu garantieren: „Das ist kein einfacher Job, da braucht man schon jemand, der ein bisschen Rückgrat hat“, sagte sie. Generell sei freundliches Auftreten wichtig: „Aber er muss sich auch seiner Haut erwehren.“

Lorenz Goslich

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