Laudatorin, Geehrter, Juryvorsitzender: Dr. Constanze Kurz, Christian Wulff, Dr. Günther Beckstein (v.l.). Foto: Jaksch

Toleranzpreis an Wulff: Spagat mit starkem Echo

Tutzing - Großes Echo gab es für die Tutzinger Ehrung von Ex-Bundespräsident Wulff. Für den Jury-Vorsitzenden Beckstein aber war sie ein Spagat - von der Kritik zum Lob.

Eine Botschaft aus Tutzing zieht wieder mal ihre Kreise. Der Toleranzpreis der Evangelischen Akademie für Ex-Bundespräsident Christian Wulff (wir berichteten) stößt auf viel Aufmerksamkeit. Ein Online-Portal „Islam IQ“ hebt seine Bemerkung hervor, der Islam müsse als Teil Europas anerkannt werden, die „Deutsch-türkischen Nachrichten“ betonen den von Wulffs geforderten „Dialog mit Islam“, das „Deutsch-türkische Journal“ zitiert seine Äußerung, die radikalen Terrororganisationen hätten nichts mit Millionen friedlicher Muslime zu tun. Immer wieder hatte Wulff für eine „bunte Republik Deutschland“ plädiert.

Von seiner Äußerung, der Islam gehöre mittlerweile zu Deutschland, hat sich in Tutzing aber ausgerechnet der Vorsitzende der Jury distanziert, die ihm den Preis zugesprochen hat: Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein. „Ich gestehe, dass ich den Satz durchaus kritisch sehe“, sagte der CSU-Politiker. Er verwies darauf, dass dies „in eigenen Reihen“ - also innerhalb der Union - „durchaus zu Schriftwechseln geführt“ habe. Immer wieder sei eine Abgrenzung zu fanatischen Strömungen gefordert worden.

Schon in der heißen Phase der Wulff-Affäre um Vorteilsannahme, die 2012 zu seinem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten führte, war spekuliert worden, ob auch seine Toleranz-Plädoyers etwas mit der hitzigen Kritik an ihm zu tun hatten. Umso mehr wuchs in Tutzing die Spannung: Wie würde Beckstein den Spagat zwischen Kritik und Lob schaffen? „Ich weiß, dass man bestimmte Dinge manchmal überzeichnet“, sagte der Ex-Ministerpräsident. Obwohl er Wulffs Satz kritisch sehe, sei dies „ein ganz wichtiger Impuls“ gewesen. Man müsse eine gemeinsame Linie gegen Terror und Gewalt finden. Dabei habe Wulff als höchste Persönlichkeit Deutschlands die Toleranz in den Mittelpunkt gestellt: „Das war eine ganz große Leistung, für die der Preis in Tutzing angemessen ist.“ Dafür endlich gab’s Applaus.

Wulff selbst tat es sichtlich gut, nach all den Vorkommnissen und dem Freispruch beim Landgericht Hannover in einer so angesehen Institution wie der Evangelischen Akademie wieder „Respekt und Wertschätzung“ genießen zu können: „Das macht helle Freude“, sagte er, bevor im Tutzinger Schlosses ausgiebig gefeiert wurde.

Wulffs Satz: Der Islam gehört mittlerweile zu Deutschland. In dieser Form ist die Äußerung von Christian Wulff mittlerweile bekannt und auch in der Evangelischen Akademie mehrmals zitiert worden. Vollständig lautete die Äußerung in seiner Rede zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit am 3. Oktober 2010, ein Vierteljahr nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten, so: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe in seinem West-östlichen Divan zum Ausdruck gebracht: ‚Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen'."

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