Gymnasium Tutzing
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Das Gymnasium Tutzing

Renovierung des Tutzinger Gymnasium

Schöner Sanierungsfall

  • vonMichael Stürzer
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Die Generalsanierung des Tutzinger Gymnasiums wird den Landkreis einen zweistelligen Millionenbetrag kosten und soll in den nächsten vier bis fünf Jahren in Abschnitten erfolgen. Zunächst soll der gesamte Komplex noch einmal genau untersucht werden – die Mängel sind jedoch bereits absehbar.

Tutzing – Eine Zahl geistert schon einige Zeit umher: Die Generalsanierung des seit August kreiseigenen Gymnasiums in Tutzing wird den Landkreis 15 Millionen Euro kosten. „Ich wage zu bezweifeln, dass 15 Millionen reichen werden“, sagte Kreiskämmerer Stefan Pilgram am Montag vielsagend im Schulausschuss des Kreistages. Der Kassenwart des Landkreises ist bei Summen, für die keine genauen Daten vorliegen, generell vorsichtig – das hat einst beim Anbau ans Landratsamt für mächtig Wirbel gesorgt, weil die Kosten am Ende ein Vielfaches höher waren. Es wäre unseriös, derzeit Summen zu nennen, betonte er – und bekam einen Beschluss, dass der gesamte Komplex untersucht werden soll. Wohl in einem halben Jahr wird man mehr wissen, aber vieles ist schon bekannt.

Die Gemeinde Tutzing, bisher Träger der Schule, hatte eine Reihe von Untersuchungen und Planungen vorgelegt, die offenbar nicht alle den Ansprüchen und Vorstellungen des Landratsamtes entsprechen. Einige neue Gutachten, etwa zum Brandschutz oder zum Zustand der Dächer, sind bereits in Auftrag gegeben. Weitere werden folgen, wobei es auch um Energiebilanz und Raumluftqualität gehen wird. Rund 500 000 Euro will sich der Kreis das nächstes Jahr kosten lassen, erste Planungen für die Generalsanierung inklusive. Bis Ende 2021 soll ein Konzept vorliegen, was wann wie saniert werden kann oder muss. Dann wird es auch genaue Zahlen zu den Kosten geben.

Dass das Gymnasium neu untersucht wird, hält Pilgram für unerlässlich: „Was jetzt nicht genau geprüft wird, fällt uns später auf die Füße.“ Auch ohne neue Gutachten ist die Mängelliste lang. Das 1951 gegründete Gymnasium hat vier Bereiche:

 Kalle-Villa: Der denkmalgeschützte Bau aus dem Jahr 1927 ist Sitz von Verwaltung und Technik. Pilgram sieht einen „ganzheitlichen Sanierungsbedarf“, da so ziemlich alles zwischen Beleuchtung und Sanitäranlagen unzureichend sei. Holzfenster im Dach seien verrottet, der Balkon ist bekanntlich einsturzgefährdet. Im Keller stehen Schulserver einfach so herum, was zur Sicherung des Betriebs sofort geändert werden muss. Sonst droht ein Ausfall der Computeranlage.

■  Südbau: 1964 errichtet, ist der Anbau ebenfalls ein weitreichender Sanierungsfall – es regnet bei starken Niederschlägen ins Dach, die Gebäudetechnik ist veraltet, der Bau insgesamt energetisch nicht auf dem neusten Stand.

■  Nordbau: Errichtet 1971 bis 1973 und mehrfach saniert, steht der Nordbau noch am besten da, sagte Pilgram. Vor sieben Jahren wurde der Klassentrakt energetisch saniert, innen besteht hingegen Sanierungsbedarf. In den Klassenräumen hallt es stark, was zu beheben ist.

■  Turnhallen: Pilgrams größtes Sorgenkind stammt aus den Jahren 1971 bis 1973 und weist den schlechtesten Erhaltungszustand im gesamten Komplex auf, was allerdings keine Neuigkeit ist. Das Flachdach ist undicht und wurde bisher nur provisorisch geflickt. Dieses Provisorium, sagte Pilgram, sei nach Ansicht von Fachgutachtern „unbrauchbar“. Im Prinzip hat fast alles an dem Bauwerk das Ende seiner Lebenszeit erreicht.

Zudem, erklärte der Kreiskämmerer, müsse im Gymnasium die gesamte Haustechnik erneuert werden; auch beim Brandschutz sei nachzubessern. Und: „Insgesamt besteht im gesamten Schulgebäude auf Grund von fehlenden Aufzügen und fehlenden rollstuhlgerechten Rampen keine Barrierefreiheit.“ Außerdem sei wegen des Alters der Gebäude mit Schadstoffen zu rechnen – und ob der vorhandene Platz in Zukunft überhaupt ausreicht, muss auch erst noch ermittelt werden. Die Sanierung werde eine „große Aufgabe“, jedoch bestehe keine Gefahr für Schüler und Lehrer, die Schule könne normal betrieben werden. Damit das so bleibt, muss der Kreis aber sofort viel Geld in die Hand nehmen. Für Planung und Umsetzung der Generalsanierung sind rund fünf Jahre nötig – wenn alles klappt.

Sofort nach der Übernahme vor acht Wochen ließ der Kreis die Schlösser austauschen, die Statik der Turnhalle wurde geprüft, ebenso die Sicherheitsbeleuchtung und einiges mehr. Damit der Schulbetrieb überhaupt weiter laufen kann, sind für 2021 einige Maßnahmen nötig. Das Dach des Südbaus soll notdürftig repariert werden, die Turnhalle soll ein Notdach bekommen. Eine mobile Heizung soll vorsorglich bereitgestellt werden, denn: Die bestehende Heizung könne „jeden Tag den Geist aufgeben“, sagte Pilgram. Der Serverraum in der Kalle-Villa soll so umgebaut werden, dass keine Ausfallgefahr mehr besteht – in Corona-Zeiten ein wichtiger Aspekt. Der Nordbau soll zu einer Art Computer-Komplex ausgebaut werden und ein neues Netzwerk erhalten. Das allerdings soll erst untersucht werden, damit der Kreis nicht viel Geld in dieses Projekt steckt und bei der späteren Generalsanierung alles wieder herausgerissen werden muss. Geplant sei auch die Einrichtung eines Klassenzimmers im Freien, ein Wunsch der Schule.

Die IT ist ein wunder Punkt. Da der Kreis in seinen Schulen einen einheitlichen Standard will, muss viel gemacht werden. Abgesehen vom Nordbau soll das erst mit der Generalsanierung erledigt werden. Denn: „Wird die gebäudeweite IT-Infrastruktur noch vor der Generalsanierung geschaffen, besteht das realistische Risiko, dass diese Gebäude-IT-Infrastruktur im Zuge der späteren Sanierung erneut angepasst werden muss und damit Mehr- bzw. Doppelkosten anfallen.“ Einen Glasfaseranschluss für schnelles Internet hatte das Landratsamt schon im Frühjahr beantragt, jedoch gibt es wegen der Bauarbeiten an der Hauptstraße bisher keinen Termin. Allein in die Computertechnik will Pilgram 2021 rund 410 000 Euro stecken, Endgeräte inklusive.

Insgesamt sind für das Gymnasium Tutzing im Etatplan 2021 rund 1,4 Millionen Euro vorgesehen. Die Kreisräte im Schulausschuss folgten Pilgrams Vorschlägen einstimmig, auch wenn einige bei den absehbaren Kosten zu schlucken schienen. Landrat Stefan Frey betonte, die Generalsanierung sei „eine Gemeinschaftsaufgabe, der wir uns stellen werden“ – und ließ zugleich erkennen, dass die anstehenden Haushaltsberatungen problematisch werden. Tutzings Bürgermeisterin und Freie-Wähler-Kreisrätin Marlene Greinwald war hingegen von einigen Aussagen Pilgrams weniger begeistert. Das Gymnasium sei „eine schöne Schule“ und nicht so marode, wie es nach dem Vortrag erschien. Die Schüler gingen gerne dorthin, und statt Bilder maroder Gebäude hätte man in der Präsentation im Ausschuss auch ein Foto der guten Gymnasiumsseiten verwenden können. Die Gemeinde habe ihre Aufgaben als bisheriger Schulträger immer erfüllt: „Es findet geordneter Schulunterricht statt, und er wird auch weiter stattfinden.“ Stefan Pilgram wollte über die bisherige Geschichte nicht viele Worte verlieren und stimmte Greinwald zu: „Die Schule hat einen wundervollen Standort.“

Dass Landkreis und Gemeinde nicht in allen Punkten einer Meinung sind, zeigte sich auch bei der Erstattung von Ausgaben Tutzings kurz vor Übergabe der Schule an den Landkreis. Pilgram schlug vor, nicht die gesamte Summe zu erstatten, die Tutzing will. Der Kreis, so befürwortete es der Ausschuss, wird der Gemeinde rund 82 000 Euro erstatten. Auf mehr als 10 000 Euro wird Tutzing verzichten müssen, weil die angegebenen Posten entweder nach Kreis-Richtlinie nicht erstattbar sind (Verwaltungskosten) oder durch die Betriebskosten abgedeckt sind. Auch Planungskosten will der Kreis vorerst nicht erstatten – er will erst prüfen, ob er mit den Papieren etwas anfangen kann.

Blick vom Südbau des Tutzinger Gymnasiums: Die Kalle-Villa (l.) ist ein Sanierungsfall, der Nordbau hingegen in relativ gutem Zustand.

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