Oberhalb des Einheimischenmodells am Kallerbach (hinten) will der Verband Wohnen in Tutzing bis zu 80 Wohnungen errichten.   Foto: svj

Neue Einheimischenmodelle geplant

Tutzing - Mit Einheimischenmodellen will die Gemeinde Tutzing Konsequenzen aus den hohen Immobilienpreisen ziehen. Interessenten sollen sich melden. Ein Fragebogen ist vorbereitet.

Lauter teure neue Wohnungen werden in Tutzing errichtet, die sich gerade jüngere Menschen nicht leisten können. Da glaubt die Gemeinde gegensteuern zu müssen. „In der laufenden Amtsperiode des Gemeinderats wollen wir einiges an Wohnraum für Familien schaffen“, kündigt Bürgermeister Rudolf Krug an. Konkret will er das eine oder andere Einheimischenmodell ausweisen. Im ersten Schritt wird mit einer Fragebogenaktion der Bedarf ermittelt. Krug bittet alle Interessenten, sich zu melden. Ein Bewerbungsbogen kann im Internet heruntergeladen werden. „Ich erwarte großen Bedarf“, sagt Krug: „Wir hoffen, dass wir viele Bewerbungen bekommen.“

Der Bürgermeister hält das Interesse an günstigem Wohnraum für groß - bei jungen Leuten, die daheim ausziehen oder ihre Ausbildung beendet haben, aber auch bei gut situierten Familien, die sich trotzdem die hohen Immobilienpreise nicht leisten können. Wo in Tutzing Einheimischenmodelle entstehen könnten, lässt Krug noch offen. Er spricht aber von konkreten Verhandlungen. Als eine Möglichkeit gelten Ortsabrundungen, doch stößt dies auf Probleme, weil die Bebauung laut Krug fast überall an Landschaftsschutzgebiete grenzt. Das schließt zwar Bauten nicht generell aus, doch dafür ist ein aufwändiges Verfahren erforderlich.

Als weitere Möglichkeit nennt Krug Neuausweisungen von Baurecht, wenn die betreffenden Grundeigentümer Teile der Flächen für Einheimischenmodelle zur Verfügung stellen. Solche Potenziale sieht Krug zum Beispiel bei Familien aus der Landwirtschaft, die für ihre Kinder Wohnraum schaffen möchten. Die Gemeinde würde die fürs Einheimischenmodell vorgesehenen Fläche zum Preis von Bauerwartungsland kaufen und sie an Bauwerber weitergeben, die Eigentümer würden im Gegenzug Baurecht erhalten. Trotz der so erzielbaren Preissteigerungen gegenüber landwirtschaftlichem Grund scheinen die Eigentümer allerdings nicht immer bereit zu sein, Flächen für „fremde“ Nutzung abzutreten.

Im Tutzinger Ortszentrum selbst sieht Krug für Einheimischenmodelle wegen der schwierigen Grundstücksbeschaffung kaum Möglichkeiten. Da die Bevorzugung der ortsansässigen Bevölkerung bei Einheimischenmodellen von der Europäischen Kommission kritisch gesehen wird, sollen vor allem soziale Komponenten in den Vordergrund gestellt werden, von Vereinstätigkeiten über Aktivitäten bei der Feuerwehr bis zur Pflege - „alles“, sagt Krug, „was einen Ort lebendig hält.“

Bewerbungsbogen zur Bedarfsermittlung für Einheimischenmodelle gibt es online hier.

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