Tutzing: Nach Gleiserneuerung der Bahn: Zuglärm reißt Anwohner aus dem Schlaf - „Bebt das Haus“
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Wohnt 15 Meter neben den Gleisen: Die Tutzingerin Anja Behringer spricht von einem „Gerumpel“ und „Knallen“ der Gleise, seitdem die Bahn sie erneuert hat.

Nach Gleiserneuerung

„Dann bebt das Haus“: Zuglärm reißt Anwohner aus dem Schlaf - Bahn hat keine Erklärung

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Züge rattern wesentlich lauter als vorher: Anwohner in Tutzing leiden, seitdem die Bahn die Gleise erneuert hat. Die DB kann sich die Beschwerden nicht erklären.

  • Anwohner in Tutzing klagen über Zuglärm.
  • Die Züge rattern lauter seit einer Gleiserneuerung.
  • „Wir konnten keine Auffälligkeiten feststellen und sind selbst ein wenig ratlos“, sagt ein Sprecher der Bahn.
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Tutzing – Kilometer 38,8 an der Bahntrasse in Tutzing: Alte Schienen und große abgebrochene Rohre liegen im Gleisbett. Es wirkt nicht so, als seien die Bauarbeiten der Bahn hier schon abgeschlossen. Sind sie aber: Von Anfang April bis Mitte Mai wurden die Gleise zwischen Starnberg und Tutzing erneuert – laut Bahn erfolgreich und ohne größere Zwischenfälle. Doch nun berichten Anwohner von einer Verschlechterung seit den Arbeiten. Sie klagen über neuartigen Lärm, den die vorbeifahrenden Züge verursachen würden.

Tutzing: „Dann bebt das Haus“: Neuartiger Zuglärm reißt Anwohner aus dem Schlaf

Als „Gerumpel“ und „Knallen“ beschreibt Anja Behringer das, was sie seit Wochen hört und was sie teilweise aus dem Schlaf reiße. Die Wand ihres Hauses am Barbaraweg in Tutzing ist nur 15 Meter vom Gleis entfernt. Dort fahren schon mal zwölf Züge in der Stunde vorbei. „Der Lärm überträgt sich über den Boden. Dann bebt das Haus. Es sind auch schon Sachen aus dem Schrank geflogen“, sagt Behringer. Uli Wagner wohnt auf der anderen Seite der Gleise. „Es ist teilweise unerträglich“, sagt er und spricht von „Schlägen“. Gerade für seine Mutter, die ebenfalls nahe der Gleise wohne, sei die Situation belastend: „Alte Menschen schrecken richtig aus ihrem Sessel hoch. Wie bei einem Donner“, sagt Wagner.

Eine der Schweißstellen, von denen die Schläge beim Kontakt mit den Zugrädern ausgehen.

Laut Anja Behringer wurden die Nahtstellen nicht oder zumindest nicht ordentlich verschweißt. Wer sich selbst ein Bild macht, erkennt die bearbeiteten Stellen tatsächlich aus mehreren Metern Entfernung. Und das „Tok-Tok“ der Zugräder beim Drüberfahren ist unüberhörbar. Vom Gleis Richtung Tutzinger Bahnhof schallt es deutlich lauter als von dem Richtung Starnberg.

Tutzing: Zuglärm reißt Anwohner aus dem Schlaf - „Die Schläge waren vorher definitiv nicht“

Und wie erklärt sich die Bahn die neuen Geräusche? Sie kann es nicht, wie eine Nachfrage des Starnberger Merkur ergibt. „Wir konnten keine Auffälligkeiten feststellen und sind selbst ein wenig ratlos“, sagt ein Sprecher. Das romantische „Tok-Tok“ gebe es heute nur noch an Weichen. Die Schienen seien „endlosverschweißt“, die Schweißstellen könne man auch nicht erkennen, wenn man mit dem Finger über die Schiene fahre. Der Bahnsprecher räumt allerdings ein, dass es Sichtspuren gebe. „Ein Zugrad rollt aber lediglich mit zwei Quadratzentimeter Auflagefläche über die Schienenoberkante. Diese wird im gesamten Verlauf plan-, also auf hundertstel Millimeter genau, glatt geschliffen.“

In der Praxis scheint das, zumindest bei Kilometer 38,8 in Tutzing, nicht ganz funktioniert zu haben. „Die Schläge waren vorher definitiv nicht“, sagt Anwohner Uli Wagner. Der Bahn-Sprecher geht auf Merkur-Nachfrage detaillierter auf die Arbeiten an besagter Stelle ein: „Am 16. April wurden die Schienenstöße geschliffen und zudem der Gleisschotter gestopft. Das heißt, das Gleis wurde in die endgültige, richtige Lage justiert. Von dieser Arbeit hat sich der verantwortliche Meister persönlich ein Bild gemacht und festgestellt, dass objektiv keine Mängel vorhanden sind. An dieser Stelle wurde das Gleis bei weiteren Arbeiten nicht mehr verändert, da ok.“

Anja Behringer findet, dass die Gleise schon seit Winter 2018 lauter rattern als vorher. Sie habe sich mehrfach an die Bahn gewandt, aber nie eine zufriedenstellende Antwort bekommen.

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