So sieht es jetzt aus: Das Geschäft Anton Müller KG mit dem derzeit ungenutzten Ladenlokal auf der rechten Seite erstreckt sich eingeschoßig entlang der Hauptstraße. 
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So sieht es jetzt aus: Das Geschäft Anton Müller KG mit dem derzeit ungenutzten Ladenlokal auf der rechten Seite erstreckt sich eingeschoßig entlang der Hauptstraße. 

Diskussionen über Ortsmitte

Pläne für „das Herz Tutzings“

Manche sehen für Tutzing eine Chance wie noch nie: In der Ortsmitte kann ein Platz entstehen. Welche Bauten dazu passen, sorgt nun für Diskussionen.

Tutzing – „Es geht um das Herz Tutzings“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald am Dienstagabend im Gemeinderat. Wie berichtet soll das Geschäft Anton Müller KG im nächsten Jahr geschlossen werden. An der Stelle des derzeitigen Flachdachbaus, in dem sich lange ein Supermarkt befand, will die Starnberger Projektentwicklungsgellschaft Imeno einen Neubau um sechs Meter von der Hauptstraße abrücken. Damit könnte in dieser zentralen Lage ein Platzcharakter entstehen. Der für die Gemeinde tätige Stadtplaner Prof. Florian Burgstaller sprach von einer optischen Unterbrechung der Straße.

Die Gestaltung der Neubauten steht noch nicht fest. Burgstaller betonte erfreut, dass die Investoren zu einer frühen Absprache mit der Gemeinde bereit seien. Diesen Aspekt stellten auch Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) und Dr. Wolfgang Weber-Guskar (FDP) als sehr positiv heraus. Greinwald sah es ähnlich: „Dass wir so früh anfangen zu diskutieren, ist gut.“

Burgstaller stellte verschiedene Varianten vor. Als städtebaulich verträgliche Lösung zeigte er ein dreistöckiges, längliches Bauwerk, dazu zwei zweigeschossige Vorbauten beidseits der durch den Rücksprung des Gebäudes entstehenden Platzfläche sowie ein weiteres Wohnhaus im rückwärtigen Bereich. Im Erdgeschoss sollen Geschäfte entstehen, in den übrigen Bereichen Wohnungen, teils mit einkommensorientierter Zusatzförderung (EOF) für Mieter. Das 1858 Quadratmeter große Grundstück soll teils entsiegelt werden.

Die Reaktionen der Gemeinderäte auf die Präsentation waren unterschiedlich. Mehreren von ihnen, so Barbara Doll (UWG Traubing), Stefanie Knittl (SPD) und Christine Nimbach (fraktionslos), erschienen die vorgesehen Gebäude zu hoch und „zu wuchtig“. Es gab Plädoyers für eine Reduzierung und kleinteiligere Bebauung. „Mir g’fällt’s nicht“, erklärte Dr. Ernst Lindl (CSU). Der Neubau steche „ziemlich raus“, meinte Caroline Krug (ÖDP). „Keine Not für einen dreigeschossigen Bau“ sah Claus Piesch (Freie Wähler). Bernd Pfitzner (Grüne) vertrat die Auffassung, die Wirtschaftlichkeit hänge vom Grundstückspreis und dieser wiederum vom Baurecht ab.

So könnte es werden: ein Gebäude zwischen Sport Thallmair (l.) und Vinzenz-Murr (r.), in der Mitte von der Hauptstraße zurückgesetzt.

Positiv kam aber die Zurücksetzung von der Hauptstraße an. „Ein Gewinn“, sagte Piesch. Greinwald sieht gute Chancen für „eine attraktive Mitte und eine Belebung des Geschäftslebens“. Dies sei die zentralste Stelle für Wohnraum im Ort, sagte Burgstaller, da könne die Kleinteiligkeit von Gebäuden gegenüber nicht der Maßstab sein. Einige Nachbargebäude seien ebenso hoch oder sogar höher.

Imeno-Gründer Felix Wittmann (49), der mit seinem Partner Christoph Grill (34) hinten im Saal saß, hätte in der Sitzung offenkundig nur zu gern etwas dazu gesagt. „Wir wollen eben nicht eine 08/15-Stahl-Glas-Fassade“, versicherte er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Neubauten werde man dem Tutzinger Stil anpassen, mit traditionellen und ländlichen Elementen, sie würden sich gut in den Ort einfügen und keine Fremdkörper sein. „Wenn ich da in 40 Jahren mit meinem Sohn vorbei gehe, möchte ich immer noch stolz darauf sein“, sagte er.

Wittmann stammt aus Herrsching. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt in Weßling. Seine Gesellschaft Wittmann Projektmanagement GmbH mit Sitz in Starnberg und Stuttgart befasst sich unter anderem mit Industriebauten und Altbausanierungen.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig den Aufstellungsbeschluss für eine Änderung des Bebauungsplans. Das Rathaus will das Bauleitplanverfahren von Anfang an von einem Juristen begleiten lassen. nz

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