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Es lief gut für „Tutzinger Hof“-Inhaberin Petra Gsinn und ihren Mitarbeiter Etienne Sebineza. Nun muss der 25-jährige aus dem Kongo aber ausreisen. 

Behörde beendet Glücksfall im „Tutzinger Hof“

„Gäste mochten ihn sehr gern“ - nun muss Etienne (25) ausreisen

Etienne Sebineza aus Kongo war die ersehnte Verstärkung für den „Tutzinger Hof“. Nun muss der 25-Jährige ausreisen.

Tutzing – Eines Tages im April 2017 stand Etienne Sebineza im „Tutzinger Hof“ und fragte nach Arbeit. Da hatte der aus dem Kongo stammende 25-Jährige eine Odyssee über Griechenland hinter sich gehabt. Nun hatte er eine Stellenanzeige des Tutzinger Gasthofs und Hotels gelesen. Inhaberin Petra Gsinn und ihr Lebensgefährte Rolf Läkamp brauchten dringend Verstärkung. Sie ließen den jungen Mann ein Praktikum machen. Vom zuständigen Landratsamt Weilheim erhielt Sebineza dann eine Arbeitserlaubnis bis April 2020, obwohl sein Ausweis nur bis Mai 2018 gültig war.

Die Tutzinger setzten ihn in der Küche ein, dann in den Zimmern, schließlich bei der Zubereitung des Frühstücks. Etienne sei immer freundlich und nett, er sei zuverlässig, hilfsbereit, kommunikativ und gehe auf die Menschen zu, sagt Läkamp: „Die Gäste mochten ihn sehr gern.“ Also ein Glücksfall für alle Seiten.

Er floh wegen der Kriege aus dem Kongo

Doch plötzlich kam aus Weilheim die Mitteilung, dass das Landratsamt nicht mehr zuständig sei und Sebineza zur Verlängerung seines Ausweises nach München zur Ausländerbehörde müsse. Die machte seinen Ausweis sofort ungültig. „Ich kann es mir nur so erklären, dass sein Asylantrag in Deutschland abgelehnt wird, weil ein Asylantrag von ihm in Griechenland schon genehmigt worden ist“, sagt Petra Gsinn. Von der dortigen Genehmigung habe er nichts erfahren.

In Griechenland war Sebineza wegen illegaler Einreise erst mal verhaftet worden. Auf nachdrückliche Aufforderungen hin hatte er dort einen Asylantrag ausgefüllt. Aus dem Kongo war er wegen der dortigen ständigen Kriege geflüchtet, sagt er. Sein Vater sei hingerichtet worden, seine Mutter gestorben. Der Alleinstehende hat einen Bruder und eine Schwester, die sich beide in Burundi aufhalten.

Viele Gastronomen an den Seen haben Probleme

Petra Gsinn würde Sebineza nur zu gern in ihrer Belegschaft behalten. Den gravierenden Personalbedarf in ihrer Branche bestätigt sie ebenso wie die meisten anderen Gastronomen rund um die hiesigen Seen. Alle möglichen Hebel haben sie und Läkamp schon in Bewegung gesetzt – bei Parteien, Arbeitsamt, Landratsamt und Ausländerbehörde. Bisher alles vergeblich. Werner Hensel, Vorstandsmitglied der Tutzinger SPD, hat sogar eine Mail an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geschrieben. Der hatte von dem Gefühl gesprochen, dass manchmal „die falschen Menschen Deutschland verlassen“ müssten. Hensel schilderte ihm die Probleme vieler Betriebe, bei geringer Arbeitslosenquote Mitarbeiter für einfache Tätigkeiten zu bekommen.

Im Fall von Sebineza habe die Erstaufnahme leider in Griechenland stattgefunden: „Hier nimmt das Drama, wie derzeit vielerorts in Bayern bei der Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, seinen Anfang.“ Etienne dürfe jetzt nicht mehr arbeiten, verdiene kein eigenes Geld, zahle keine Miete mehr: „Das macht wieder der Staat.“ Wer jetzt im Tutzinger Hof die Arbeit macht, die Sebineza erledigt hat? „An drei Tagen in der Woche mache ich das“, sagt Petra Gsinn. „An vier Tagen habe ich eine Aushilfskraft.“

Von Lorenz Goslich

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