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Justitia im Gericht

Aus dem Gerichtssaal

Schwarzfahrer geht in den Knast

Pöcking - Weil er als unbelehrbar anzusehen sein, kennen Richterin und Staatsanwaltschaft kein Pardon: ein 49-jähriger Tutzinger muss in den Knast.

An einer Vollzugsstrafe führte für das Gericht kein Weg mehr vorbei: „Wir sitzen wegen Ihrer Vorstrafen hier und nicht wegen der vier neuen Fälle von Schwarzfahren“, erklärte Amtsrichterin Christine Conrad dem 49-jährigen Angeklagten den Ernst der Lage.

Der Tutzinger, wegen einschlägiger Delikte bereits unter offener Bewährung stehend, hatte die „Leistungserschleichungen“ zwischen März und August 2015 jeweils auf der S 6-Strecke begangen – Gesamtschaden 21,60 Euro. Zum Verhängnis wurde dem gesundheitlich angeschlagenen Mann die lange Liste an Voreintragungen – von insgesamt zehn waren die letzten vier auch noch einschlägig: 40 Schwarzfahrten hatte der Angeklagte dabei angehäuft, die jüngste „Sammelanklage“ wegen 17 solcher Fälle führte 2014 zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe.

„Hats was gebracht? Nee!“, entrüstete sich Conrad über die Unbelehrbarkeit des Tutzingers, die der Staatsanwalt als „Rechtsgleichgültigkeit“ bezeichnete. Die Verteidigung widersprach an dieser Stelle: Der Mandant sei sich „durchaus bewusst, dass das nicht korrekt war und dass das heute eine interessante Verhandlung wird, was seine Zukunftsgestaltung betrifft“, so der Anwalt. Auch der Weg einer Alkoholentzugstherapie habe der Angeklagte bereits von sich aus eingeschlagen, er warte nur noch auf den Therapieplatz und werde „sein Leben wieder auf die Reihe kriegen“, wenn man ihm mit einer weiteren Bewährungsstrafe nochmals eine Chance gäbe. Das Gericht zeigte sich unbeeindruckt: „Vieles an Ihrem Verhalten zeigt, dass Sie das alles nicht ernst genommen, sich gar nicht damit auseinandergesetzt haben“, hielt Conrad dem ärztlicherseits als arbeitsunfähig eingestuften gelernten Groß- und Einzelhandelskaufmann vor.

Der Staatsanwalt sah dies ähnlich und vermisste jegliche positive Sozialprognose. Der Strafantrag lautete auf „sieben Monate“, ohne Bewährung. Das Urteil schickte den Tutzinger dann zwar für „nur“ vier Monate ins Gefängnis, doch die Richterin sah keine Möglichkeit mehr, die verhängte Strafe zur Bewährung auszusetzen: „Das müssen Sie jetzt mal absitzen“, so Conrad. Im Gefängnis gebe es auch keinen Alkohol. Dies sei ja ganz im Sinne einer späteren Therapie.

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