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Idyllisch gelegen, aber ziemlich marode: Blick von der Turnhalle auf die Gebäude des Tutzinger Gymnasiums mit der renovierungsbedürftigen Kalle-Villa (l.), deren Terrasse seit Jahren wegen Baufälligkeit gesperrt ist, und den so genannten Neubau gegenüber der Turnhalle. Das Schulareal ist nur wenige Meter vom Starnberger See entfernt. Die Gemeinde Tutzing will das Gymnasium an den Kreis abgeben. 

Gemeinderat

Tutzing will Gymnasium loswerden

Die Gemeinde Tutzing hat es jetzt per Ratsbeschluss besiegelt: Sie will ihr Gymnasium loswerden. Allein wegen der notwendigen Sanierung, die 12 Millionen Euro kostet und an der sich die Kommune mit 1,2 Millionen beteiligen müsste.

Tutzing – Dr. Toni Aigner von den Freien Wählern traute seinen Ohren nicht. Soeben hatte Dr. Thomas von Mitschke-Collande von der CSU im Gemeinderat leidenschaftlich dafür plädiert, dass die Gemeinde Tutzing die Trägerschaft für ihr Gymnasium an den Landkreis Starnberg abtritt. Das habe er selbst schon vor 20 Jahren gefordert, erinnerte Aigner – als die CSU noch strikt dagegen war. „Neue Koalition“, murmelte Mitschke-Collande. Gelächter im Sitzungssaal.

Seit Dienstag ist es beschlossene Sache: Der Gemeinderat hat bei einer Gegenstimme einer Abgabe der Trägerschaft des Gymnasiums Tutzing zugestimmt. Gleichzeitig hat er Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) beauftragt, im Kreistag die Übernahme der Trägerschaft durch den Landkreis zu beantragen. Das Interesse war groß: Schulleiter Bruno Habersetzer, sein Stellvertreter Andreas Thalmaier und fast alle Elternbeiräte waren dabei.

Die meisten Gemeinderäte begrüßten die Trennung. Die Gemeinde könne die Baukosten nicht stemmen, sagte Greinwald. Für Turnhalle, Südbau und Kalle-Villa würden 12 Millionen Euro für die Renovierung geschätzt. Mehr als 8 Millionen Euro hat die Gemeinde nach vorgelegten Berechnungen von 1984 bis 2017 fürs Gymnasium ausgegeben.

Gegen die Abtretung der Trägerschaft stimmte Stefanie von Winning (CSU): Ein Sachaufwandsträger, der nur eine Schule zu verwalten habe, sei immer besser. Landrat Karl Roth wollte nicht an der Sitzung teilnehmen. Es gehe zunächst um eine Tutzinger Entscheidung, sagte er laut Greinwald. Bisher gab sich der Landkreis zurückhaltend, wegen des notwendigen Aufbaus einer Schulabteilung und offenbar auch wegen möglicherweise ähnlicher Wünsche für die Gymnasien in Starnberg und Gauting. Aber Greinwald betonte, es sei Pflichtaufgabe des Kreises und nicht einer Gemeinde, ein Gymnasium zu führen.

„Ich hätte gern Rederecht gehabt“, sagte Schulleiter Habersetzer gestern. Er hoffe auf baldige Umsetzung der Entscheidung in die Tat, wegen vieler Sanierungsprobleme – vom undichten Dach der Turnhalle über den Brandschutz bis zur Feinstaubbelastung im Lehrerzimmer durch Schulkopierer. Die Übertragung könne sich lange hinziehen, gab im Gemeinderat Renate Geiger (SPD) zu bedenken. „Es gibt keinen Stillstand“, versprach Greinwald.

Im Ratsbeschluss bekennt sich die Gemeinde zum Gymnasium. Natürlich könnte sich die Überlegung aufdrängen, sagte Greinwald, das „wunderbare Grundstück“ am Seeufer zu verkaufen und die Schule „ins Hinterland“ zu verlegen. Aber die Gemeinde werde das Grundstück nicht abgeben: „Ich möchte und glaube nicht, dass die Schule wegkommt.“

Von Lorenz Goslich

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