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Jochberg: Wegesanierung ohne Hilfe der Wanderer

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Von: Sandra Sedlmaier

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Wanderer auf dem Jochberg genießen Ausblick auf Walchensee.
Was für ein Panorama: Auch wegen dieses Blicks auf den Walchensee und die Bergkette ist der Jochberg so beliebt. Schätzungsweise rund 100 000 Menschen wandern pro Jahr auf den Voralpengipfel zwischen Walchen- und Kochelsee – das merkt man den Wegen an. © Oliver Bodmer

Die Tutzinger Sektion des Deutschen Alpenvereins will heuer ein großes Projekt stemmen: die Sanierung und Erneuerung des Wanderwegs auf den Jochberg bei Kochel. Leider, so bedauert Wegewart Max Lantenhammer, lässt sich der Plan, die Öffentlichkeit mithelfen zu lassen, nicht umsetzen.

Tutzing/Kochel – Der Jochberg ist ein Lieblingsberg der Münchner und ist nicht erst seit der Corona-Pandemie ein extrem stark frequentiertes Ausflugsziel. Mehr als 100 000 Menschen, schätzt der Alpenverein, besteigen jedes Jahr den 1565 Meter hohen Gipfel in den Bayerischen Voralpen. Entsprechend leiden die Wege. Die will die zuständige Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV), die Sektion Tutzing, nun renovieren. Das Projekt sollte mit Hilfe und Einsatz der Öffentlichkeit ablaufen. Doch das wird nun nichts. Wegewart Max Lantenhammer nennt vielfältige Gründe dafür.

Der Plan war so einfach wie genial und hätte viel Verständnis für die Pflege der Wanderwege und die Natur geschaffen. Jeder Wanderer nimmt sich am Beginn des Wanderweges am Jochberg-Parkplatz etwas Material für die Wegesanierung, Kies, Eisenstangen oder Holz. Ehrenamtliche und die Beschäftigten einer Wegebaufirma aus Grainau weisen ihnen den Weg und zeigen, wohin mit dem Material. Als Aktionstag war Samstag, 17. September, geplant. Den muss der Tutzinger Alpenverein jetzt absagen.

Da sind die aktuellen Schwierigkeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. „Wir wollten, dass die Leute mit dem Zug kommen, und dann einen Pendelbus einsetzen“, sagt Lantenhammer. Doch der Zug fährt derzeit wegen Reparaturarbeiten nicht, ÖPNV-Nutzer müssen auf den Schienenersatzverkehr oder auf Taxis umsteigen oder über Murnau kommen. „Es kann ja nicht sein, dass wir die Leute mit den Autos herlocken – das ist das Gegenteil von dem, was wir im Sinn hatten, nämlich die Natur zu schonen“, sagt der Wegewart.

Max Lantenhammer
Max Lantenhammer ist Wegewart der Tutzinger DAV-Sektion. © Bergwacht Kochel

Zudem stellte sich heraus, wie schwierig es ist, Kies halbwegs plastikfrei in kleinen Einheiten zu transportieren. Lantenhammer und sein DAV-Kollege Bernd Ritschel bestellten sich Baumwoll-Säckchen und probierten aus, wie sich der Kies darin macht. „Wir haben die oberste Schicht von unserem Kieshaufen eingefüllt, der Kies war trocken“, schildert der Wegewart den Versuch. „Wir haben das Säckchen verschlossen und geschüttelt – es hat gestaubt wie noch mal was.“ Ein weiterer Versuch mit einem Säckchen aus gewebtem Plastik verlief nicht viel besser. Und auch feuchter Kies zeigte nicht das erhoffte Ergebnis. „Ich habe das Säckchen in die Hand genommen, die Hand war danach feucht und dreckig“, sagt Lantenhammer. „Man kann niemandem zumuten, dass er sowas in seinem Rucksack transportiert.“

Auch die Eisenteile hätten nicht in geschnittenem Zustand transportiert werden können. „Der Wegebauer will drei Meter lange Stangen, die er dann vor Ort passend zuschneidet – die kann man keinem Wanderer mitgeben“, waren sich Lantenhammer und seine Mitstreiter im DAV-Vorstand einig.

Deshalb hätten sie den Aktionstag nun abgesagt. Er sei „traurig und unzufrieden“, aber es funktioniere eben nicht, stellt der Wegewart fest und räumt auch ein, dass die Wirksamkeit der Aktion nicht so groß gewesen wäre. „Wenn 1000 Leute je zwei Kilogramm Kies rauftragen, dann haben wir einen Kubikmeter oben – das ist nicht viel, das verschwindet auf den Wegen.“

Maroder Weg auf den Jochberg bei Kochel
Ausgewaschen: Der Weg auf den Jochberg ist im schlechten Zustand – das will der Tutzinger DAV ändern. © DAV Tutzing

Der neue Plan ist, dass die beauftragte Firma den Kies am Berg generiert. „Der Jochberg ist ein kiesiger Berg“, sagt Lantenhammer. Zudem sei geplant, mit dem Traktor Material zur Jocheralm zu bringen. Auf Hubschrauberflüge wolle man möglichst verzichten, unterstreicht er.

Die Wegesanierung am Jochberg ist das erste große Projekt des Kochlers. Die Kosten liegen voraussichtlich bei 120 000 Euro. Es gebe Zuschüsse vom Staat und vom Hauptverein, aber an der Tutzinger Sektion werde einiges hängen bleiben, sagt Lantenhammer. Wer trotz des abgesagten Aktionstags einen Beitrag zur Sanierung der Wege auf dem Jochberg leisten möchte, kann dies mit einer Spende tun. Die Tutzinger Sektion ist erreichbar per E-Mail an info@dav-tutzing.de.

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