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Großer Abend für die Liberalen (v.l.): Daniel Föst, Christian Lindner, Britta Hundesrügge, Dr. Hellmut Kirchner (FDP Tutzing) und die ehemalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. 

Tutzinger Festzelt

1000 Besucher wollen FDP-Chef Lindner sehen

Der Bundesvorsitzende der Liberalen war vom großen Andrang im Tutzinger Festzelt selbst überrascht und teilte ordentlich aus.

Tutzing – Das Tutzinger Festzelt war modern herausgeputzt. Wo eben die Fischerhochzeit gefeiert wurde, saßen beim FDP-Politabend am Montag die Kreisvorsitzende Britta Hundesrügge, der bayerische Generalsekretär Daniel Föst und der Bundesvorsitzende Christian Lindner wie in einer Talkshow auf die in Gelb, Blau und Magenta getauchte Bühne.

So locker ging alles zu, dass sich Lindner von der Kreischefin gelassen zurückhalten ließ, als er sofort nach Föst zum Mikro greifen wollte. Denn erst war die Berger Band „HNKNN“ an der Reihe. Als Lindner reden durfte, tat er erstaunt: Man glaube gar nicht, dass die FDP eine kleine Partei sei. Tatsächlich: 1000 Besucher wollten den 38 Jahre alten Parteichef erleben. Beim Grünen Cem Özdemir am Samstag waren es 500, bei einem Auftritt von Lindner in Ingolstadt Stunden zuvor gerade mal 200 Gäste.

Lindner holte aus. Er wetterte gegen Attacken der SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles auf Freiberufler und gegen den von Grünen geforderten Abschied vom Verbrennungsmotor, kritisierte die Reichensteuer und den „Staat, der sich um alles kümmert“. Einmal schaffte er es, die CDU-Kanzlerin und ihren SPD-Herausforderer gleichzeitig abzuwatschen: „Nach zwölf Jahren Effektstau der Frau Merkel war man froh, dass da einer leidenschaftlich dummes Zeug erzählt.“

Ein Haar in der Suppe fand Lindner sogar bei einer von ihm befürworteten Regelung, der „Ehe für alle“ – weil eine so „entscheidende Modernisierung“ Ergebnis von Koalitionstaktik und einer Unachtsamkeit der Kanzlerin gewesen sei. Einer abwertenden Äußerung des Grünen Anton Hofreiter („Anti-Öko-Lindner“) hielt er entgegen, die Energiewende sei aus dem Ruder gelaufen, beispielsweise wegen breiter Straßen durch die Wälder zu Windenergieanlagen („Was ist daran ökologisch?“). Ein bedingungsloses Grundeinkommen wurde bei Lindner zur „Rente ab Geburt“, mangelnde Wirtschaftsbildung in Schulen zum „ökonomischen Analphabetismus“.

Die Bildungspolitik ist für die FDP zentral. Britta Hundesrügge forderte modern und digital ausgestattete Schulen, nannte beispielhaft die Gautinger Realschule und kritisierte mit Blick aufs geplante Herrschinger Gymnasium das Kooperationsverbot, das den Bund an der Mitfinanzierung hindere.

Beifall gab’s immer wieder, wenn auch gelegentlich mäßig, so etwa bei Lindners Äußerungen zur Ehe für alle. Was sie von ihr halten sollen, wussten wohl nicht alle Besucher so recht. Aber am Schluss, als viele Gäste Bilder mit dem FDP-Chef machen wollten, war ein Plakat der „Liberalen Schwulen und Lesben“ dann doch begehrter Hintergrund.  nz

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