+
Eine ganz besondere Erfahrung: Das Brautpaar der Fischerhochzeit 2017, Theresa Feldhütter und Benedikt Greif, fährt in aller Herrgottsfrühe gemeinsam mit Martin Greinwald erstmals auf den See zum Fischen.

Tutzinger Fischerhochzeit

Morgenstund‘ hat Fisch im Netz

  • schließen

Braut und Bräutigam der Tutzinger Fischerhochzeit stammen zwar aus alten Fischerfamilien, hatte aber mit Fischen bisher nichts am Hut – bis Theresa Feldhütter und Benedikt Greif mit dem Starnberger Merkur auf den Starnberger See hinausfuhren.

Tutzing – Die beiden Hauptpersonen der Tutzinger Fischerhochzeit, Braut Theresa Feldhütter und Bräutigam Benedikt Greif, brauchen vor allem eines: Zeit. Und sie müssen flexibel sein. Morgens um sechs Uhr Treffen mit dem Starnberger Merkur zum Fischen? Klar, das klappt.

Der 25-jährige Benedikt Greif kann sich gar nicht erinnern, wann er das letzte Mal so früh aufgestanden ist. Theresa Feldhütter (24) ist sogar im feschen Dirndl erschienen, lässt sich aber wegen der zapfigen Temperaturen – neun Grad, immerhin kein Regen – zu einer etwas wärmeren Jeans überreden. Und zum Ölzeug, das den beißenden Wind abhält. Die beiden sind ein sympatisches, frisches Paar. Im Stück natürlich, nicht in echt. „Das hat sich herumgesprochen, oder?“, scherzt die junge Sozialpädagogin.

Mit dem Tutzinger Fischer Martin Greinwald geht es hinaus auf den See. Greinwald kontrolliert seine Netze, der Fang fällt sehr überschaubar aus: vier kleine Renken und zwei Saiblinge.

Für Theresa und Benedikt ist es eine interessante Erfahrung. Benedikt hat als Kind seinem Onkel Michael ab und zu geholfen, aber das ist lange her. „Ich war noch nie beim Fischen“, sagt Braut Theresa. Sie wusste nicht einmal, dass sie aus einer alten Fischerfamilie kommt. Bis vergangenen Herbst die beiden Bürgermeisterinnen Marlene Greinwald und Elisabeth Dörrenberg mit einem Brautstrauß vor der Tür standen. Und selbst dann ahnte sie ihr Glück noch nicht. Bei der Fischerhochzeit hatte sie schon als kleines Mädchen mitgemacht, aber als Braut? Sollte sie da mitmachen? „Du hast es überhaupt nicht kapiert, gell?“, frotzelt der Bräutigam, während er Martin Greinwald mit dem Netz hilft. Theresa hat nach eingehender telefonischer Beratung durch ihre Zwillingsschwester eingeschlagen.

Benedikt hingegen war es gleich klar, um was es geht, als die beiden Organisatorinnen bei den Greifs auftauchten. Die Greifs stammen von der alten Fischerfamilie Zintl ab und haben bereits zwei Bräute gestellt: Seine Urgroßmutter war die erste Fischerbraut 1929. Und seine Tante Marianne war die Braut zur 1250-Jahr-Feier vor 25 Jahren. Jetzt ist er der Bräutigam.

Das Leben am Wasser behagt dem Brautpaar. Theresa fährt Kanu auf dem See, Benedikt surft und segelt. Beide arbeiten in München, sie als Sozialpädagogin in einer heilpädagogischen Tagesstätte, er als Produktionsmanager für Film und Foto. Beide wollen aber langfristig in Tutzing bleiben. Auch wegen der Familie und der Freunde, die sie jetzt während der Fischerhochzeitsvorbereitungen begleiten und unterstützen. „Unsere Freunde sind alle als Kranzlpaare dabei“, berichtet Benedikt. „Noch ist es schwierig für einige mit dem Tanzen, aber das wird schon.“

Auch Theresa und Benedikt üben gerade Walzer. „Wir sind schon ganz gut, oder?“, fragt Theresa ihren Bräutigam. Ihre Vorbereitungen für das große Schauspiel am Wochenende 1./2. Juli sind eher sachlich: Das neue Brautdirndl gibt es schon, das Krönchen auch. Der Bräutigam hat eine neue Weste und einen neuen Rock. Ansonsten gibt es viele Termine, fürs Fernsehen, für die Fotografen. Wie der heutige Ausflug mit Martin Greinwald, der ihnen ein Hineinschnuppern ins Fischerhandwerk ermöglicht. Theresa lernt in der Fischküche der Greinwalds sogar das Säubern. „Das ist Damenarbeit“, unterstreicht Greinwald. Theresa drückt die rutschige Renke fest auf die Arbeitsplatte und schabt mit dem Messer die Schuppen ab. Greinwald lobt die Braut für ihren Mut. „Die Kathi hätte das nicht gemacht“, sagt er. Kathi ist seine Tochter und war die letzte Fischerbraut 2011.

Eintauchen in die Epoche von 1812 ist nicht auf dem Plan des Brautpaares. „Wir sehen uns nicht als Schauspieler“, sagt Benedikt. „Wir sind halt so, wie wir sind“, ergänzt Theresa. Zwei junge Menschen, die am Starnberger See aufgewachsen sind, und heiraten werden. Erst einmal auf der Bühne. Irgendwann in echt. Aber vermutlich nicht einander.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein holpriger Weg
Verkehrsberuhigung ist nicht einfach, das müssen die Anlieger am Neuhauser Weg in Herrsching nun am eigenen Leib erfahren.
Ein holpriger Weg
Radfahrer flüchten nach Unfall
Radfahrerflucht in Starnberg: Beim Ausweichen ist ein Radfahrer gestürzt, die beiden Verursacher strampelten davon.
Radfahrer flüchten nach Unfall
Sexueller Missbrauch und eine Drohung
Ein 47-jähriger Seefelder soll seine Tochter und seine Nichte über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. 
Sexueller Missbrauch und eine Drohung
Hier rauschen die Schampus-Diebe vom Starnberger See ab
In Starnberg haben mehrere Diebe aus dem Club „Orange Beach“ Champagner geklaut. Eine Kamera filmte sie, die Polize konnte am Tatort weitere Spuren sichern. 
Hier rauschen die Schampus-Diebe vom Starnberger See ab

Kommentare