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Hilfsaktion zieht weite Kreise

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Das Tutzinger Hilfsnetzwerk repräsentierten Einheimische und Vertreter mehrerer Hilfsorganisationen: Bürgermeisterin Marlene Greinwald, Pfarrer Peter Brummer, Markus Brandstetter, Martin Binder, Claudia Steinke, Constantinos Gianacacos (stehend), Claus-Peter Reisch, Sven Weber und Friederike Rother (v.l.).
Das Tutzinger Hilfsnetzwerk repräsentierten Einheimische und Vertreter mehrerer Hilfsorganisationen: Bürgermeisterin Marlene Greinwald, Pfarrer Peter Brummer, Markus Brandstetter, Martin Binder, Claudia Steinke, Constantinos Gianacacos (stehend), Claus-Peter Reisch, Sven Weber und Friederike Rother (v.l.). © Lorenz Goslich

Die zweite Runde der Spendenaktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ wurde am Freitagabend eingeläutet. Besucher der Auftaktveranstaltung folgten sichtlich bestürzt Berichten über große Not geflüchteter Menschen – und übten Kritik.

Tutzing – Die Entwicklung der Aktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ hatten viele nicht erwartet: „Da ist ein tolles, wertvolles Netz über Tutzing hinaus entstanden“, sagte Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer am Freitagabend im Roncallihaus. Die Auftaktveranstaltung zu einer zweiten Runde der Spendenaktion belegte eindrucksvoll, wie weit die Kreise sind, die die Hilfsaktion zieht. Vertreter der unterstützten Hilfsorganisationen kamen teils von weit her eigens an den Starnberger See.

Was sie über die Not der vielen geflüchteten Menschen berichteten, sorgte unter den Besuchern sichtlich für Bestürzung. Hinzu kamen die aktuellen Meldungen über 800 vom deutschen Schiff „Sea-Eye 4“ im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge. „Aber was ist mit den anderen?“, fragte Pfarrer Brummer. Da kein Ende der Migration und ihrer dramatischen Folgen in Sicht ist, war bei der Veranstaltung viel Entschlossenheit spürbar, die Hilfe mit der Fortsetzung der Spendenaktion möglichst zu intensivieren. In der ersten Runde waren mehr als 76 000 Euro hereingekommen. Unterstützt werden mit diesem Geld die Hilfsorganisationen „Medical Volunteers“, „Lesbos Solidarity, „Starfish Foundation“, „Lands Aid“ und „Drei Musketiere Reutlingen“ sowie die Seenotretter von „SOS Mediterranée“.

Stark engagiert sich bei der Tutzinger Aktion Claus-Peter Reisch aus Landsberg, der als Schiffsführer der „Lifeline“ hunderte Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und in europäische Häfen gebracht hat. „Auf den Rettungsschiffen wird nicht nur geboren, auch ganz kleine Kinder kommen auf die Schiffe“, sagte er. Und er fügte hinzu: „Wie groß muss die Not sein, wenn man sich mit Kindern in diesem Alter auf den Weg macht?“ Energisch rief er aus: „Man muss an die Fluchtursachen ran!“ Solche Forderungen durchzogen die ganze Veranstaltung.

Dass Geld allein nicht die Lösung bringen kann, war allen klar. Die Aktion sei erfolgreich, sagte Pfarrer Brummer, wenn man die erreichte Summe als Maßstab nehme, aber mehr noch wegen der Auseinandersetzung mit der Thematik: den Fluchtursachen, auf denen Flucht und Vertreibung gründen. Anklagend stellte der Pfarrer die Frage in den Raum: „Europa, was ist mir dir los, was ist mit deiner christlichen Prägung?“

Umso mehr sei es von unschätzbarem Wert, wie die Gemeinde Tutzing den Hilfsaktionen als Kooperationspartner den Weg bereitet habe, sagte Cornelia Janson vom Ökumenischen Unterstützerkreis. Mit bewegenden Worten dankte sie der Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald, die ihrerseits im Namen der Gemeinde allen Beteiligten und auch besonders den Vertretern der Hilfsorganisationen „größten Respekt und Hochachtung“ für ihren beträchtlichen persönlichen Einsatz entgegenbrachte. Auch alle Vertreter der Hilfsorganisationen dankten den Spendern und Initiatoren mit sehr persönlichen Worten. Bürgermeisterin Greinwald und die Tutzinger Gemeinderäte hätten sich bei dieser Aktion „in die erste Reihe gestellt“, sagte Reisch. Das Bündnis „Städte Sichere Häfen“, dem sich Tutzing angeschlossen hat, sei dabei wichtig, sagte die Bürgermeisterin, doch sie ließ Verständnislosigkeit erkennen: „Wo ist unsere Regierung?“ So gehe es nicht weiter, rief sie aus: „Ich hoffe, wir können noch mehr Druck ausüben.“

Lorenz Goslich

Spendenkonten

für die Aktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“:
Katholische Kirchenstiftung St. Joseph Tutzing, IBAN DE 09 7025 0150 0017 2467 78
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Tutzing/Bernried, IBAN DE 21 7025 0150 0010 5808 19
Gemeinde Tutzing, IBAN DE 92 7025 0150 0430 5700 44

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