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Zum Bersten gefüllt war einmal mehr die Benedictus-Realschule, wo neben viel Musik auch eine internationale Modenschau aufgeführt wurde, die beim Publikum hervorragend ankam.

Kulturnacht

Angekommen im toleranten Tutzing

Tutzing - Der Kälte vor der Tür trotzten die Tutzinger am Samstag zur 13. Kulturnacht einmal mehr mit Herzenswärme und furiosem Eifer.

Als Bürgermeister Rudolf Krug am Freitag gegen 17 Uhr im Rathaus die Portraitfoto-Ausstellung „Angekommen in Tutzing“ eröffnet und zugleich die 13. Tutzinger Kulturnacht einläutet, wird sofort ein warmherziger Grundton gesetzt.

„In der Ausstellung sieht man Gesichter, die so selbstverständlich zu unserem Tutzinger Alltag gehören, dass sich keiner mehr fragt, wann diese Menschen nach Tutzing gezogen sind“, sagt Krug in seiner Eröffnungsansprache, „diese Zuagroasten sind Bereicherung und helfen mit, Gemeinschaft und Sinn in unserer Gemeinde zu stiften.“

Krug nutzt den Anlass, sich bei all jenen zu bedanken, die den beschworenen Gemeinsinn in Tutzing auch tatkräftig mit Inhalt gefüllt haben – den Mitwirkenden am Zustandekommen der Ausstellung, den Akteuren und Organisatoren der Kulturnacht (allen voran Brigitte Grande), dem ökumenischen Helferkreis. Stellvertretend für diesen guten Geist singt dann die evangelische Pfarrerin Ulrike Wilhelm gleich mal französische und selbst geschriebene bayerische Lieder, die den aktuellen Flüchtlingen zurufen: „Zeit is’ worn, dass ihr kemma seids!“ Mit Tutzing definiert sich eine reiche und bunte und weltoffene Gemeinde, die auch ihrem zwischenzeitlich ernsthaft erkrankten Bürgermeister ein „Willkommen zurück!“ beschert, das ihn sichtlich berührt.

All die in der Ausstellung portraitierten Menschen, aus unterschiedlichsten Gründen und verschiedenen Weltgegenden nach Tutzing gekommen, finden sich heute als „Angekommene“ in einem lebendigen Gemeindeleben wieder: die Kindergärtnerin aus Siebenbürgen, die Altenpflegerin aus der heutigen Slowakei, der nach dem Krieg zugezogene Sudetendeutsche, der Flüchtling aus Äthiopien oder Afghanistan, der hier soziale Wurzeln geschlagen, Arbeit gefunden, eine Familie gegründet hat. Diesen Bogen schlagen auch die zahlreichen Veranstaltungen der Kulturnacht immer wieder.

Die vom Oberpfaffenhofener Erik Berthold und der Tutzingerin Christine Adler gestaltete Musikrevue „Heimatgesichter“ im Gemeindehaus mit Musikern und Tänzern aus dem Senegal und der Region unter dem Motto: „Aus Fremden werden Freunde“; turbulent auch die beiden „Showtime“-Sets an der Benedictus-Realschule, die den selbst verfassten und beim Wettbewerb „Rockimpuls“ ausgezeichneten Song „Girl Things“ von Mimi Vogler und Lili Heböck präsentierten. Sowie eine internationale Modenschau samt atemberaubenden Hut-Kreationen und Röcken aus Wochenmagazinen: „Für die Damen, die Illustrierte nicht nur lesen!“

Die Grund- und Hauptschule, wie immer zum Bersten gefüllt, überraschte ihr Publikum derweil mit Schillers „Bürgschaft“ als Schattentheater und anderen Glanzpunkten. Die drei Theatergruppen des Gymnasiums (Ober-, Mittel-, Unterstufe) versuchten sich an einer szenischen Musik-Text-Bild-Collage mit der Über-schrift „Fremd bin ich eingezogen, fremd kehr ich wieder heim“ – ein thematisches Umkreisen von Entwurzelung, Migration und Heimatverlust.

Wer in dieser 13. Kulturnacht von Schauplatz zu Schauplatz unterwegs war, der konnte im Ortsmuseum auf einen recht einsamen ehemaligen Kulturreferenten Gernot Abendt treffen, der dort für eine Handvoll Besucher extra die Ausstellung „STOFF aus Tutzing – die Bayerischen Textilwerke“ noch etwas länger offen gehalten hatte.

In der evangelischen Christus-Kirche ging es dagegen um einiges lauter zu. Erst mit „SMILE unplugged – Oldies aus den 60ern und 70ern“, später im Gospelworkshop mit „Rock’n’Water“. Im gut besuchten Roncallihaus warteten Lehrer der Tutzinger Musikschule derweil unter der Überschrift „Soir d’automne“ (Herbstabend) mit Musik von Haydn bis Martinu auf und später Lisa Manhuru mit ihrem Didgeridoo.

In der Kirche St. Joseph gab es ein „Concerto angelico“ mit Werken für Geigen, Cello und Orgel. Auch die Evangelische Akademie öffnete ihren Musiksaal für Songs aus „Phantom der Oper“ mit den „Blue Notes“ unter der Leitung von Waltraud Brod.

Wer zwischen all diesen Angeboten (zwölf Veranstaltungsorte, 17 Bühnen) durch das erleuchtete Tutzing wanderte, dem konnte es draußen zwar kalt werden an diesem mit „Kultur aus aller Welt“ gefüllten Abend, doch (Herz-)Erwärmendes dürfte er ebenso gefunden haben.

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