+
Neuerdings mit Aufzug: Hinter der blauen Verkleidung ist der neue Lift. Danyal Rasuly (l.) und Robert Ganea bereiten sich auf ihre Abschlussprüfung vor.

Tutzinger Mittelschule

Sechs-Jahre-Plan gegen den Investitionsstau

  • schließen

Die Tutzinger Mittelschule steht mitten in einer Generalsanierung. Die Toiletten waren vergangenes Jahr dran, heuer wird sich das Dach verändern, wenn Pultdächer und drei neue Klassenzimmer entstehen. Ein Besuch.

Tutzing Am bemerkenswertesten ist die gute Stimmung in der Tutzinger Mittelschule: Die 45 Lehrer und die rund 450 Schüler gehen extrem freundlich und aufmerksam miteinander um. Der Ort prägt die Menschen: Für die Tutzinger Mittelschule gilt das nicht – die Schule ist total marode. Vermutlich trifft das Gegenteil zu: In extremen Situationen helfen die Menschen zusammen. 

Die Architektur der Tutzinger Mittelschule ist typisch für die 1970er Jahre, ein Kubus in Ziegelbauweise. Die Fenster sind auch aus dieser Zeit. „Es regnet rein, es schneit rein, die Fenster gehen nicht mehr auf oder nicht mehr zu“, beschreibt Rektorin Barbara Pompe die Zustände. „Die Deckenlamellen kommen herunter – sie sind jetzt notgesichert.“ Die Heizung heize entweder – oder auch nicht, das lasse sich schlecht regulieren. „Wenn Sie hier in meinem Büro im Winter sitzen, sitzen Sie im Zug.“

Sanierung ist bitter nötig

Barbara Pompe beschreibt die Mängel ganz sachlich, ohne jegliche Empörung. Es ist, wie es ist – und die Nutzer der Mittelschule versuchen, das Beste daraus zu machen. Immerhin wird seit vergangenem Jahr saniert. Neue Toiletten auf allen Stockwerken gibt es bereits. „Das war auch bitter nötig“, sagt Klaus Hirschvogel, im Rathaus für die Generalsanierung zuständig. „Vor einem Jahr hätten Sie hier nicht reingehen können.“ Der Gestank sei unerträglich gewesen.

Derzeit sind also die Toiletten samt Behinderten-WC die große Freude von Hausmeister Georg Lacherbauer und dem Lehrerkollegium. Zusammen mit dem Aufzug, der vergangenes Jahr auch eingebaut wurde. Eine Million hat dieser erste Bauabschnitt gekostet. Insgesamt will Tutzing bis 2021 mehr als 7 Millionen Euro in die Mittelschule investieren. Dann soll sie dastehen wie neu, sagt Hirschvogel. „Das ist der Sinn einer Generalsanierung, dass das Gebäude anschließend dasteht wie neugebaut.“ Die Gemeinde rechnet mit rund 47 Prozent Förderung.

Lange zwischen Neubau und Sanierung geschwankt

Der Tutzinger Gemeinderat hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht – und sie auch immer wieder verschoben (wir berichteten). Auch die Frage Neubau oder Sanierung war nicht einfach. Mangels geeigneter Flächen war zumindest sie schnell zu beantworten. Und als es darum ging, die Sanierung in einem Rutsch zu machen oder über mehrere Jahre laufen zu lassen, spielte wieder die Platzfrage eine entscheidende Rolle. „Es gab keine Fläche, wo wir Container hätten aufstellen können“, sagt Hirschvogel. „Und außerdem gab es zu der Zeit, 2015, weit und breit keine Container mehr am Markt.“ Zudem sei die Ausgabe von 7 Millionen Euro für die Gemeinde nicht auf zwei Jahre zu stemmen gewesen.

Ein Neubau an der alten Stelle geht laut Hirschvogel baurechtlich nicht. „Wegen der Abstandsflächen zur historischen Volksschule.“ Die hätte nämlich in den 1970er Jahren nach dem Neubau abgerissen werden sollen, so war der Plan. Doch dann wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Ein geschichtlicher Glücksfall: So ist an der alten Volksschule, wo jetzt der BRK-Hort drin ist, fast alles wirklich noch alt.

Deshalb wird die Mittelschule also nun über sechs Jahre hinweg immer wieder saniert, bis 2021. Barbara Pompe ist dann schon in Pension. Die Arbeiten, vor allem die lärmintensiven, finden möglichst während der Ferien statt. Das klappt ganz gut, bisher hatte die Rektorin keinen Anlass für Klagen. „Es lief erstaunlich reibungslos“, sagt sie.

Drei neue Klassenzimmer mit Seeblick

Im kommenden Sommer werden drei neue Klassenzimmer gebaut. Auf den Dachterrassen im ersten und zweiten Stock, die derzeit ohnehin nicht genutzt werden können. Zudem werden alle Flachdächer zu Pultdächern. Die sind leichter zu pflegen. „In den sechs Wochen Ferien wird der Rohbau gemacht“, erklärt Hirschvogel den Plan. „Und auch der Innenausbau. Mehrere Klassräume werden zusammengefasst.“ Auch die übrigen Räume werden renoviert.

Die dringend notwendige Erneuerung der Fenster ist dann 2018 dran, zusammen mit der Dämmung der Fassade und dem Einbau einer Lüftung für die Klassenzimmer. Das wird höchste Zeit, denn das Raumklima in den Klassenzimmern ist eine Katastrophe, das wird beim Rundgang durchs Schulhaus deutlich. Auf jedem Stockwerk hat mindestens ein Zimmer die Türe geöffnet – nach der Wärme der Tage zuvor wäre es sonst kaum auszuhalten. Im Kunstraum im Erdgeschoss ist die Temperatur gefühlte zehn Grad wärmer als im Flur. Die Schüler können nur das Oberlicht aufmachen, die unteren Fenster sind zugesperrt. Dieser Fehler liegt nicht einmal am Alter der Fenster, die untere Reihe muss aus Sicherheitsgründen verschlossen bleiben. Eine Besichtigung der Dachterrasse, die demnächst überbaut werden solle, fällt aus: Die Tür lässt sich nicht öffnen.

Übungsklasse hat derzeit keine guten Lernbedingungen

Die Übergangsklasse hat einen provisorischen Boden, die Wände des Klassenzimmers sind aus Metall. Von einem Fenster geht draußen eine Holzbrücke ab, das ist der zweite Fluchtweg. An der Decke fixieren Holzlatten die Plastiklamellen. „Allein der Dreck und Staub, der auf den Lamellen liegt“, sagt Lehrerin Ulrike Förster. „Das tut mir leid für die Kinder.“

Im ersten Stock ist vergleichsweise neues Laminat als Boden verlegt. Rektorin Pompe freut sich heute noch darüber. „Als ich 2009 kam, war da Nadelfilz, der hat vielleicht gestunken.“

Wenn beim vierten Bauabschnitt 2019 die Innenräume komplett erneuert werden, fliegt auch das Laminat raus. „Die Böden werden natürlich auch erneuert“, sagt Bauamtsmitarbeiter Hirschvogel. „Es wird ein neues Farbkonzept geben. Die Schule soll ja dastehen wie ein Neubau.“

2019 soll die Aula neugestaltet werden sowie Schüler-Cafeteria und Windfang. 2020 sind die Flure und Technik- und Lehrräume im Kellergeschoss dran. 2021 wird das gemacht, was noch fehlt.

Die Mittelschule leidet lediglich unter dem Tutzinger Renovierungsstau, wie fast alle kommunalen Gebäude. Die Substanz an sich sei in Ordnung, sagt Hirschvogel. „Die Stahlbetonkonstruktion des Gebäudes ist überall sehr gut“, unterstreicht er. „Da gibt es keinen Sanierungsbedarf.“

Frage nach neuer Heizung noch offen

Die Vergabe für die Arbeiten während der sechsjährigen Sanierungsphase erfolgt Jahr für Jahr. Demnächst muss der Gemeinderat eine wichtige Entscheidung fällen: wie es mit der Heizung weitergehen soll. Sie soll 2018 eingebaut werden. Ein Ingenieurbüro ist laut Hirschvogel gerade mit den vorbereitenden Berechnungen beschäftigt und wird sie im Juli im Gemeinderat vorstellen. „Die neue Heizung soll die benachbarte Grundschule, die Mittelschule, den Hort in der alten Volksschule und die Musikschule im ehemaligen Lehrerwohnhaus versorgen“, sagt er. Die Dimensionierung dieser Heizung für so viele Gebäude sei eine der zu klärenden Fragen. Ebenso wie die Frage, wie man heizen soll: ob weiter mit Gas oder mit Biomasse. „Durch das Wärmeverbundsystem und die neuen Fenster wird sicher viel weniger Energie als bisher verbraucht“, sagt Hirschvogel.

Der Gemeinderat muss sich entscheiden – und kann eigentlich froh darüber sein, dass das Lehrerkollegium angesichts der sechs Jahre andauernden Renovierungsphase nicht meutert. „Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, sagt Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg. „Für die Handwerker, die Schüler und das Rathaus.“ Rektorin Pompe ist ganz gelassen. „Das Kollegium steht super zusammen, obwohl die Arbeitsbedingungen so schwierig sind.“ Oder vielleicht gerade weil.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Seeuferstraße geräumt und wieder frei
Schwere Unwetter haben am Freitagabend im Landkreis Starnberg mehrere Verletzte gefordert. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
Seeuferstraße geräumt und wieder frei
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Die Wachstation der Starnberger Wasserwacht in Kempfenhausen ist unter der Woche meistens verwaist. Das lockt zunehmend mehr ungebetene Gäste an, die sich nicht selten …
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Eine Glatze wie ein Pulverfass
Die Nähe zum Flughafen Oberpfaffenhofen bringt nicht nur Lärm, sie birgt auch Gefahren - möglicherweise explosiv. Darum werden neue Baugebiete gut untersucht.
Eine Glatze wie ein Pulverfass
Leidenschaft wird zum Beruf
Die Liebe zum Garten ist im Laufe der Jahre bei Jana Schmaderer gewachsen, jetzt ist sie eine von zwei Gartenbäuerinnen im Landkreis Starnberg.
Leidenschaft wird zum Beruf

Kommentare