+
In der JVA Stadelheim sitzt der Tutzinger seit März in U-Haft.

Anwalt berichtet

Tutzinger Polizist wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt: Die Fälle von fünf Geschädigten werden verhandelt

  • schließen

Der wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen inhaftierte Tutzinger (58) bleibt weiterhin im Münchner Gefängnis Stadelheim. Dort sitzt der Polizist und Feuerwehrmann seit Mitte März in Untersuchungshaft.

Update vom 26. August: Anklage erhoben

Der Fall des wegen sexuellen Missbrauchs inhaftierten Tutzinger Polizisten (58) wird konkreter. Wie sein Pflichtverteidiger dem Starnberger Merkur mitteilte, hat ihn die 28-seitige Anklageschrift erreicht. Der Anwalt rechnet deshalb damit, dass die Verhandlung noch heuer stattfinden wird. 

Aus der Anklage gehe hervor, dass sich der Prozess vor dem Landgericht München II auf die Fälle von fünf Geschädigte konzentrieren werde. Weniger drastische Übergriffe werden in dem Verfahren nicht direkt behandelt, weil sie am möglichen Strafmaß nichts ändern würden. Der Pflichtverteidiger listete die Anklagepunkte auf: „sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen, das Verschaffen (jugend-)pornografischer Schriften sowie der Besitz kinderpornografischer Schriften“. Der 58-Jährige will seine Taten, die teilweise 15 Jahre zurückliegen, gestehen.

Ursprungsartikel vom 8. August

Tutzing – Eine so genannte Haftprüfung seines Anwalts war Ende Mai abgelehnt worden – die zuletzt eingereichte Haftbeschwerde inzwischen auch. Das teilte der Pflichtverteidiger des Tutzingers dem Starnberger Merkur auf Anfrage mit.

Weitere Versuche, seinem Mandanten den Aufenthalt in der U-Haft zu ersparen, seien nicht geplant, sagte der Pflichtverteidiger. Klar ist: Wer eine mehrjährige Haftstrafe zu befürchten hat, kommt in der Regel nicht aus der U-Haft frei. Die Staatsanwaltschaft sieht nach wie vor eine Fluchtgefahr bei dem Mann – im Gegensatz zu seinem Anwalt: „Ich bin davon überzeugt, dass er nicht stiften geht.“ Er sei stark in der Region verwurzelt und habe „keine Anbindung“ ins Ausland.

Der 58-Jährige soll unter anderem einen Schülerpraktikanten während einer Patrouillenfahrt mit dem Polizeiboot auf dem Starnberger See belästigt haben und ihm später pornografische Bilder und Filme aufs Handy geschickt haben. Weitere Taten sollen sich im Schulungsraum der Feuerwehr Tutzing und in einem Ferienhaus abgespielt haben. Sie liegen teilweise rund 15 Jahre zurück.

„Ende August erwarten wir die Anklageschrift, dann sehen wir weiter“, sagte der Anwalt. Auf ein Datum will sich die Staatsanwaltschaft München II nicht festlegen. Sprecherin Karin Jung schreibt aber auf Nachfrage: „In der Tat ist eine zeitnahe Anklageerhebung beabsichtigt.“

Die Marschroute für den Tutzinger sei klar: Der 58-Jährige, der sich nach Angaben des Verteidigers bereits mehrfach bei seinen Opfern entschuldigt hat, werde sich kooperativ verhalten und ein Geständnis ablegen.

Ein Verhandlungstermin ist noch nicht abzusehen. Etwas anderes aber schon: Vor Gericht wird ein weiterer Mann neben dem Angeklagten Platz nehmen. Wie der Pflichtverteidiger sagt, habe sein Mandant einen weiteren Anwalt mit Erfahrung im Sexualstrafrecht beauftragt. Dies sei nicht als Misstrauen ihm gegenüber zu verstehen, sondern schon länger angedacht gewesen. Die Arbeit solle auf mehrere Schultern verteilt werden.

Ein 14-jähriges Mädchen ist kürzlich in Feldkirchen von einem jungen Mann überfallen worden. Er wollte nicht nur ihr Handy, sondern sie wohl auch missbrauchen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein Dorf unterm Hakenkreuz - Buch beleuchtet Pöcking zur Zeit des Nationalsozialismus
Mit Pöcking in der Zeit des Dritten Reichs beschäftigt sich ein kürzlich erschienenes Buch von Marita Krauss und Erich Kasberger. Es handelt aber nicht nur von …
Ein Dorf unterm Hakenkreuz - Buch beleuchtet Pöcking zur Zeit des Nationalsozialismus
Plasmakristall-Experimente im Weltraum
Bei einer Konferenz im DLR in Oberpfaffenhofen tauschten sich 60 Teilnehmer über Plasmakristall-Experimente aus. Seit einigen Jahren wird auf der ISS in diesem Bereich …
Plasmakristall-Experimente im Weltraum
„Wir sind nicht Buh-Mann für alles“: Bauern protestieren mit großem Mahnfeuer
Im Frühjahr standen die Debatten zwischen Umweltschützern und Bauern im Fokus des Runden Tischs zum Artenschutz. Nun wird die Sitzung fortgeführt – mit weitergehenden …
„Wir sind nicht Buh-Mann für alles“: Bauern protestieren mit großem Mahnfeuer
Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verweigert Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“
Als die Schulbegleitung erkrankt, wird dem 12-jährigen Elias der Zutritt zur Schule verweigert. Die Regierung gibt der Schule recht für ihr Handeln.
Er ist auf Hilfe angewiesen:  Schule verweigert Bub (12) den Zutritt - „Abgefangen wie Verbrecher“

Kommentare