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Dr. Ninon Ballerstädt lässt einen kleinen Mauersegler in die Freiheit starten. Sie hat diesen Vogel und mehr als 20 seiner Artgenossen in ihrer Wohnung aufgepäppelt.

Naturschutz

Kleine Mauersegler wagen ersten Flug

Tutzing - Seit 2000 päppelt Dr. Ninon Ballerstädt in ihrer Wohnung in Tutzing Mauersegler auf. Die ersten sechs hat sie jetzt fliegen lassen.

Sechs Mauersegler hat die Tutzingerin Dr. Ninon Ballerstädt am Wochenende im Tutzinger Stadion in die Freiheit entlassen. Von der Hand aus starteten die kleinen Segler zu ihrem ersten Flug – oder auch nicht, je nachdem. „Manche sind zuhause in ihrer Box schon ganz unruhig und neugierig, aber wenn ich dann die Hand öffne, wollen sie gar nicht“, berichtet Ballerstädt, die seit 2000 jedes Jahr zig Mauersegler in ihrer Wohnung in Tutzing aufpäppelt. 

Zeitweise seien es bis zu 40 Vögel jährlich gewesen, erinnert sich die Geologin, die beim Max-Planck-Institut in Seewiesen als Ornithologin beschäftigt ist. Knapp 20 Vögel sitzen in diesem Jahr noch in ihrem Bücherzimmer – auf Küchenkrepp in Plastikkisten. Täglich werden die Piepmätze gefüttert – mit Heimchen, die Ninon Ballerstädt in diesen Wochen kiloweise herbeischafft. 80 Kilogramm kostet ein Kilo – 20 Kilo sind es wohl insgesamt. „Man kann sagen, ein Vogel verfrisst um die 50 Euro“, sagt Ninon Ballerstädt. Wenn es gut läuft, greift ihr der Bund Naturschutz mit Spenden unter die Arme, das meiste stemmt die Tutzingerin allerdings selbst. Wer möchte, kann gerne Patenschaften übernehmen.

 Bis aus Salzburg kommen die Menschen, um Ninon Ballerstädt verletzte Vögel zu bringen, darunter auch Spatzen, Rotkehlchen, Amseln und andere. Die Anfang Juni geschlüpften Mauersegler fallen meistens in den ersten heißen Sommertagen aus ihren Nestern, die ihre Eltern aus der Not heraus zwischen Dachrinnen und -verschalung gebaut haben. Dort wird es schnell zu heiß, also bewegen sich die dann etwa zehn Tage alten Vögel in Richtung Ausgang und stürzen in die Tiefe.

Der Flug in die Freiheit ist in Tutzing immer wieder ein kleines Event mit vielen Zuschauern. „Es ist wichtig, dass die Menschen mehr wissen über diese Vögel“, sagt Ninon Ballerstädt. Hausdächer, an denen sich Nester befinden, dürfen beispielsweise von April bis Mitte August nicht baulich verändert werden. Auch müssen Hausbesitzer Ersatz schaffen, wenn sie Nester entfernen. Andererseits gibt es viele Möglichkeiten, am eigenen Haus dem Mauersegler Nistoptionen anzubieten. Mauersegler können theoretisch an die 20 Jahre alt werden. Die Jungvögel sind bis zu drei Jahre unentwegt in der Luft, bis sie einen Nistplatz gefunden haben, den sie oft auch erbittert verteidigen. Früher hingen Mauersegler oftmals in Schwärmen an den Hauswänden, sie trugen vermutlich auch deswegen den unschönen Namen Pestvögel. Bei ihren Sturzflügen erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern. In Schwärmen schlafen sie gleitend in bis zu 3000 Meter Höhe. Ihr durchdringender Ruf „sriih-srhiih“ kündigt auf dem Land und in den Städten den Sommer an.

hvp

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