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„Da waren bestimmt acht Farbschichten drauf“, sagte Restaurator Max Knidlberger, nachdem er die alte Holzdecke freigelegt hatte

Altes Gasthaus öffnet wieder

Unter acht Farbschichten: Restauratoren entdecken uralte Holzdecke im Tutzinger Midgardhaus

Sie ist wieder da: Im Gastraum des Tutzinger Midgardhauses ist die alte Holzdecke aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder zum Vorschein gekommen. „Da waren bestimmt acht Farbschichten drauf“, sagt Restaurator Max Knidlberger.

Tutzing Eine Farbschicht nach der anderen hat Restaurator Max Knidlberger abgetragen. „Wir haben die ursprüngliche Farbigkeit wieder freigelegt“, sagt er stolz und blickt zur Holzdecke.im Tutzinger Midgardhaus, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Es handle sich um eine Leinölfarbe. Im Laufe der Zeit haben die diversen Nutzer der Villa immer wieder über sie drüber gemalt.

Auch äußerlich sind am Midgardhaus nun klare Baufortschritte erkennbar. Mitte Oktober hatte der frühere Wirt Fritz Häring seinen Betrieb nach rund 30 Jahren recht plötzlich beendet, seitdem war die Gastronomie am Seeufer geschlossen. Für den Neuaufbau mit dem Pächter Augustiner sowie den neuen Wirten Alexander und Michael Urban gab es längeren Klärungsbedarf. Länger war unklar, ob es mit Augustiner überhaupt klappen würde.

Für diesen Fall hatten die Urbans schon einen Plan B: Dann hätten sie mit Fritz Häring zusammen eine Lösung gesucht. Aber nun geht es offenkundig voran. Seit Pfingsten ist der Biergarten geöffnet – sogar bei mäßigem Wetter. Meistens sind Gäste zu sehen, wenn auch längst nicht alle Tische besetzt sind.

Daneben sind unterdessen weiter Bauarbeiter und Restauratoren am Werk. Auch eine immer wieder verschobene Ortsbesichtigung mit Vertretern des Landesamts für Denkmalpflege hat mittlerweile stattgefunden. Nicht zuletzt gab es bei dieser Gelegenheit endlich eine Einigung über die Farbe des Außenanstrichs, die sich möglichst am historischen Original orientieren sollte. Nach Voruntersuchungen durch das Büro für Denkmalpflege von Thomas Hacklberger in Utting haben die Fachleute in viel Detailarbeit herauszufinden versucht, was von den historischen Bestandteilen noch vorhanden ist oder wieder zum Vorschein gebracht werden kann. Der mittlere Teil des Gebäudes stamme aus dem Jahr 1860, sagt Restaurator Knidlberger, ein Anbau von 1880. Gut drei Monate haben die Restaurierungsarbeiten gedauert, nächste Woche hofft er, sie beenden zu können.

Zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten: Alexander Urban, einer der neuen Wirte des Tutzinger Midgardhauses, das derzeit renoviert wird.

Knidlberger liebt seine Arbeit. „Jedes Denkmal ist auf seine Art besonders“, sagt er, „es sind immer Unikate.“ An den Wänden des Gastraums sind inzwischen, passend zur historischen Decke, halbhohe Holzvertäfelungen angebracht. Der Besuch der Denkmalschützer war das Startsignal für den Endspurt. Ein Baugerüst ist in dieser Woche verschwunden. Auf der Terrasse ist eine Mauer entfernt worden. An einer Veranda sollen die Fenster, die bisher ganz vorn angebracht waren, mit Hilfe einer Spezialkonstruktion zurücktreten, damit die Säulen wieder stärker zum Vorschein kommen.

„Sieht toll aus“, schwärmt Wirt Urban. Gearbeitet wird derzeit vor allem am künftigen Restaurant im Erdgeschoss mit Küche, technischen Anlagen und Toiletten im Keller. Die oberen Stockwerke sollen später dran kommen. Dort ist eine Ferienwohnung vorgesehen. Fürs Restaurant gilt als offizieller Eröffnungstermin Mitte Juli. Schon vorher planen die neuen Wirte, sofern alles klappt, eine Testöffnung mit kleinem Angebot und, wie sie hoffen, noch nicht allzu hohen Erwartungen der Gäste. Aber wann das soweit sein wird, das wissen sie selbst noch nicht genau.

Beim Biergarten hatten sie den Wunschtermin Pfingsten erreicht, mit dessen Nennung Urban die Gemeinderäte zu spontanem Applaus animiert hatte – ein seltenes Ereignis. An seinem neuen Arbeitsort fühlt er sich schon sichtlich wohl: „Traumhaft, wenn ich früh um fünf hier bin, und der Biber schwimmt vorbei.“ Etliche seiner früheren Stammgäste des Andechser Klostergasthofs kämen nun gern nach Tutzing.

Lorenz Goslich

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