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Erfolgsmanager: Jürgen Steinmüller beschert dem Unternehmen, das er von seinen Eltern übernahm, Jahr für Jahr sensationelle Zuwachszahlen.

Unternehmen zieht weg

Darum verlässt Steinmüller Tutzing

Die Traditionsfirma verlässt Tutzing und siedelt sich in Wieling an.

Tutzing – Der Pauliweg ist eine beschauliche Gegend. An der Ecke zur Traubinger Straße hat die katholische Kirchenstiftung das „Quinthaus“, die neue Tagespflege der Ambulanten Krankenpflege, errichtet, alles in allem geht es ruhig zu.

Zu den Kunden gehören Bosch und Porsche

Auf ein florierendes Unternehmen deutet kaum etwas hin – und doch ist so eine Firma in der kleinen Straße ansässig. Steinmüller heißt sie. Manchen Tutzingern ist sie als Stickerei bekannt. Was sich wirklich dahinter verbirgt, ist in weiten Kreisen nicht bekannt. Doch Steinmüller wird Tutzing bald verlassen.

Vom lauschigen Pauliweg aus liefert die Firma Arbeitskleidung an viele renommierte Unternehmen. Unter den wohl mehr als 5000 Kunden sind renommierte Unternehmen wie Bosch, Porsche, Hyundai, Mercedes, VW, Bogner, Kjus, aber auch der Bayerische Skiverband.

Quasi das „Amazon für Unternehmenskleidung“

Etwa 1,1 Millionen Bekleidungsstücke werden jährlich in Tutzing produziert und veredelt. Auf 39 Prozent beziffert der 56 Jahre alte Inhaber Jürgen Steinmüller das durchschnittliche jährliche Firmenwachstum, in diesem Jahr sogar auf 51 Prozent. In einer Untersuchung des Magazins „Focus-Business“ werden die Tutzinger im Bereich produzierendes und verarbeitendes Gewerbe zu den zehn am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland gezählt.

Jürgen Steinmüller hat die in den 1950er Jahren von seinen Eltern gegründete Firma mit einem ausgefeilten Konzept für Arbeitskleidung weiterentwickelt und sich als Mittelständler in der großen Konzernwelt einen Namen gemacht – quasi als „Amazon für Unternehmenskleidung“, wie er sagt.

Steinmüller verlässt Heimatgemeinde schweren Herzens

Der Logistikpartner K+L Ruppert in Weilheim verschickt die überwiegend aus Ländern wie China oder Bangladesh bezogenen Produkte an die Kunden. Unter Hinweis auf ein Qualitätsmanagementsystem und Mitgliedschaft im „UN Global Compact“ der Vereinten Nationen seit 2013 wird ein Bekenntnis „zu fairen und verantwortungsvollen Produktionsbedingungen, Ächtung von Kinderarbeit und Ausbeutung in den Lieferländern von Bekleidung weltweit“ abgelegt.

Trotz des Wachstums hat Jürgen Steinmüller bisher alles vom alten Wohnhaus seiner Eltern aus gesteuert. 16 Mitarbeiter sind dort tätig, quasi jede Ecke wird betrieblich genutzt. Seit Jahren, erzählt er, sucht er in Tutzing, auch in vielen Gesprächen mit der Gemeinde, eine neue Fläche – vergeblich. Deshalb will er seine Heimatgemeinde schweren Herzens verlassen und auf dem neuen Gewerbegebiet von Wieling neu bauen.

Steinmüller: „Es hat nicht sollen sein“

Das erste Unternehmen dort, die Firma Packsys, hat am Donnerstag ihre Einweihung gefeiert, Steinmüller wird Nummer zwei sein. Dort soll auch ein „Showroom“ mit Schaufenstern nahe der Bundesstraße entstehen. Der zweifache Familienvater sagt, dass er gern mit seinem Unternehmen in Tutzing geblieben wäre. Man habe ja auch „eine gewisse Gewerbesteuer-Verpflichtung“. Doch: „Es hat nicht sollen sein.“

Von Lorenz Goslich

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