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Bürger für den „Andechser Hof“: Den Tutzingern liegt das Wirtshaus am Herzen. 2015 gingen so gar einige dafür auf die Straße.

Traditionswirtschaft

Verhandlungen um „Andechser Hof“ gescheitert

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Das Aus der Traditionswirtschaft nach fünf Jahren: Die Gemeinde Tutzing und das Kloster kommen nicht zusammen.

Tutzing – Ein vorläufiges Aus für die Wiederbelebungsversuche für den „Andechser Hof“ in Tutzing: Die Verhandlungen zwischen der Gemeinde auf der einen Seite und dem Eigentümer Kloster Andechs und einem Investor auf der anderen Seite sind gescheitert.Weil die Gemeinde zu viele Sicherheiten für die Gewährleistung des Gastbetriebes forderte, sagt das Kloster. Weil das von Anfang an erklärte Ziel, den Betrieb der Gaststätte mit Bürgersaal und Biergarten auf Dauer zu gewährleisten, in den Verhandlungen nicht erreicht wurde, sagt die Gemeinde in einer Pressemitteilung.

Beide Parteien versichern allerdings, dass sie weiterhin auf eine Lösung hoffen. Nur wie? Das war gestern nicht zu erfahren. Eigentlich dachte Christian Rieger, kaufmännischer Leiter der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe, dass heuer noch die Tiefgarage für die Neubauten auf dem Gasthaus-Areal ausgehoben werden könnte. Nächstes Jahr hätten die Tutzinger wieder ein Bier in der Traditionsgaststätte trinken können. Wenn alles gut gegangen wäre. Ist es aber nicht. Dabei haben alle das selbe Ziel: den „Andechser Hof“ wieder zu eröffnen.

Rieger: „Das können wir nicht unterzeichnen“

Seit der Schließung des Wirtshauses im Jahr 2012 arbeiten Gemeinde und Kloster an einer Lösung. Die formierte sich in einem Bebauungsplan, der dem Kloster erlaubt, einen Dreispänner und einen Vierspänner auf dem Gasthaus-Gelände zu errichten. Von diesen Einnahmen plus dem finanziellen Engagement eines Investors hätte man die Gasthaus-Sanierung stemmen können, sagt Rieger. Gescheitert seien die Verhandlungen nun an einem städtebaulichen Vertrag, den die Gemeinde zusätzlich zum Bebauungsplan schließen wollte. „Die Gemeinde stellt sich eine Garantie für den Gaststättenbetrieb vor, ohne zeitliche Begrenzung“, erklärte Rieger. „Das können wir nicht unterzeichnen – wir wissen ja nicht, ob in 50 Jahren überhaupt noch jemand ins Wirtshaus geht.“

Genauso schwer wog laut Rieger ein weiterer Vertragspunkt: Kloster und Investor sollten erst die Gaststätte sanieren, bevor sie mit der Vermarktung der sieben Häuser anfangen. „Da müssten wir das Millionenprojekt vorfinanzieren“, sagt Rieger. „Das ist mit dem Investor und den Banken nicht möglich.“ Der Investor sei enttäuscht, ebenso wie das Kloster. Rieger unterstreicht aber im Gespräch, dass er die Bedenken der Gemeinde versteht. „Sie will sich absichern, dass die Gaststätte tatsächlich saniert und eröffnet wird.“ Aber das Kloster könne diesen städtebauliche Vertrag als Gegenleistung für das Baurecht nicht unterschreiben.

Die Traditionsgaststätte ist mehr als 120 Jahre alt

Die Gemeinde Tutzing geht in ihrer Pressemitteilung nicht näher auf die Gründe ein, warum man nicht zusammengekommen ist. Aus der 16-zeiligen Mitteilung ist keinerlei Groll oder Ärger über das Kloster herauszulesen. Vielmehr lobt das Rathaus die Verhandlungspartner: Man habe sich intensiv um eine Wiederbelebung der exponierten Wirtschaft bemüht. „Die Klosterbrauerei hat ihre Verantwortung als Grundstückseigentümer wahrgenommen und gemeinsam mit einem Investor ein tragfähiges Konzept zur Finanzierung vorgelegt.“ Doch den Gaststättenbetrieb für Tutzing und seine Gruppen und Vereine auf Dauer zu sichern, sei leider nicht gelungen.

Den Tutzingern liegt die mehr als 120 Jahre alte Traditionsgaststätte am Herzen. 2015 gab es sogar eine Demonstration für den „Andechser Hof“. Zuletzt war er bei der Fischerhochzeit Anfang Juli geöffnet – allerdings nur für einen Tag. 

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