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Oben ist alles klar – aber wie es unter der Tutzinger Hauptstraße aussieht, ist mehr ein Ratespiel. Für die Regenwasserkanäle gab es kaum Daten, schon gar nicht über Hausanschlüsse. Die Datenerfassung machte den Planungen für den Ausbau letztlich den Garaus – die Leitungen sind aber nicht das einzige Problem.

Hauptstraße Tutzing

Wo bitte liegt denn der Kanal?

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Die Absage des Baubeginns für die Tutzinger Hauptstraße ist der Kanalisation geschuldet, vor allem der Regenwasserableitung.

Tutzing–  Der Abwasserverband Starnberger See kämpft auch in Tutzing mit massiven Problemen und den Spätfolgen der Kanalübernahme vor einigen Jahren. Denn: Vor dem Bau muss der Verband durchaus detektivische Methoden an den Tag legen, um die Leitungen überhaupt zu finden.

„Wir leiden unter fehlenden Daten“, sagt Geschäftsführer Norbert Impelmann. Das ist kein spezielles Tutzinger Phänomen, in allen Orten am Starnberger See sind die Angaben über die tatsächliche Zahl, Größe und Lage der Rohre eher dürftig. Deswegen hat der Verband auch die Erstellung eines Generalentwässerungsplanes angeschoben, was Jahre dauert und viel Geld kostet. Tutzing wurde wegen der Planungen für die Hauptstraße vorgezogen. Alle Kamerabefahrungen seien abgeschlossen, die Auswertung liegt Impelmann zufolge noch nicht vor – und deswegen kann der Verband keine Planung für den Ausbau erstellen lassen. Die Daten müssen für die gesamte Strecke vorliegen, nicht nur für den für heuer geplanten südlichen Bauabschnitt.

„Wir wissen nicht, wo genau was liegt“, sagt Impelmann. Das gilt insbesondere für die Hausanschlüsse. Der Regenwasserkanal selbst sei einst vom heutigen Staatlichen Bauamt gebaut und dann der Gemeinde überlassen worden. Wer die Hausanschlüsse vorgenommen hat, ist unklar – sie sind aber da, und das auch mit Recht. Alle diese Daten muss der Verband erst haben, wobei es schon bei den grundlegenden Dingen anfängt: Wie groß ist die Leitung überhaupt? Impelmann geht davon aus, dass der Regenwasserkanal in der Hauptstraße nicht ausreicht und deswegen ein neuer, wohl doppelt so großer verlegt werden muss.

Neben diesem rein technischen Faktor gibt es noch einen rechtlichen: Für die Leitungen wurde keine Genehmigung gefunden. Auch kein Tutzinger Alleinstellungsmerkmal, denn für rund die Hälfte alle Kanäle am See gibt es keine Genehmigungen. Die muss der Verband nun erst mal einholen – aber erst, wenn er weiß, was er planen muss. „Wir kümmern uns um das alles, aber es geht halt nicht so schnell“, betont der Geschäftsführer. Die Entscheidung, den Baubeginn zu verschieben, sei „absolut sinnvoll“ gewesen. Und ein wenig klingt das so, als ob der Verband die Gemeinde und die Straßenbauer darauf hingewiesen hat.

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