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Haben mit den fehlenden Toiletten im Tutzinger Bahnhof ein Problem: Jens und Jana Hassel lassen Besucher gerne auf ihr gepflegtes WC im „Café Käthe“ gehen – wenn sie einen schnellen Espresso trinken. Ersatz für das Bahnhofsklo wollen sie nicht länger sein. 

In der Nähe des Bahnhofs

Das WC-Problem der Tutzinger Wirte

Tutzing - Käthe sagt Nein, denn sie will nicht mehr: „Käthe“ ist nämlich ein anständiges Café „und keine öffentliche Bedürfnisanstalt“, wie die Betreiberin Jana Hassel betont.

Seit etwa anderthalb Jahren gibt es das mit Stilmöbeln ausgestattete, beliebte „Café Käthe“ am Hubert-Hupfauf-Platz in Tutzing. Seine Lage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs entwickelt sich zu einem ernsten Problem. Weil die Deutsche Bahn es seit geraumer Zeit nicht für nötig hält, am Knotenpunkt, Umsteigebahnhof und ICE-Halt Tutzing für öffentliche Toiletten zu sorgen, stürmen Ausflügler, Wanderer und sonstige Besucher der Gemeinde die erreichbaren WCs der Umgebung – was zu wachsendem Verdruss bei den Gastronomen führt. „Die Leute kommen und fragen nur noch nach der Toilette, das geht manchmal nur noch rein, raus, rein, rauas“, berichtet die „Café Käthe“-Pächterin Jana Hassel genervt. „Wir müssen hier die Versäumnisse von Bahn und Gemeinde ausbaden.“

Sie und ihr Mann Jens Hassel hatten den touristischen Run zum Klo eine ganze Weile hingenommen, doch irgendwann wurde es zu viel. „Wir haben uns einen netten Spruch auf der WC-Tür einfallen lassen, der um Verständnis wirbt: ,Keine Zeit für einen schnellen Espresso? Diese Toilette ist nur für unsere Gäste! Danke.‘“

Erst neulich musste sich Jana Hassel von einem älteren Mann übel beschimpfen lassen, weil sie dessen Frau die WC-Benutzung verwehrt hatte. Dass die Leute dafür nicht mal etwas konsumieren oder einen Obulus entrichten wollen, sei schwer verständlich, so Hassel und führt den liebevoll gepflegten kleinen WC-Raum neben dem Tresen vor.

Für ein System mit Schlüssel-Aushändigen haben die Betreiber keine Zeit, wenn das Café voller Gäste ist: „Da müssen wir uns jedesmal die Hände extra waschen“, sagt Jens Hassel. Außerdem sei ein solcher „Durchgangsverkehr“ nicht gerade der Gemütlichkeit zuträglich.

Der Pächter des direkt an der Bahnhofstraße gelegenen Bistro-Cafés, Georgios Chatziioannidis, hat ähnliche Szenen erlebt – und noch unangenehmere: „Manche vor allem ältere Leute, die mit der S-Bahn oder dem Zug in Tutzing ankommen, wissen nicht wohin und machen ihre Notdurft gleich hinterm Haus.“ Chatzioannidis hat solche Kandidaten auch schon auf frischer Tat ertappt. Das WC im Bistro sei ungefähr zwei Mal pro Jahr verstopft oder nach Benutzung katastrophal verunreinigt, erzählt eine Bedienung, die nicht namentlich genannt werden möchte, voller Zorn. „Ich würde gerne mal den Bürgermeister zum Gespräch darüber einladen, wie man mit Tutzing-Besuchern umgeht“, sagt ihr Chef. Das Ärgernis sei ja keineswegs neu. Es sei einfach nicht nachvollziehbar, warum man nicht das WC im alten Bahnhof wieder öffnet und dort einen regelmäßigen Putzdienst organisiert. „Ich kenne eine Frau, die sich gerne etwas zu ihrer Rente dazu verdienen würde.“

Der Zweiten Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU), die wegen Erkrankung des Rathaus-Chefs Rudolf Krug (ÖDP) schon länger die Geschäfte der Gemeinde führt, ist das Thema geläufig: „Container-Lösungen sind sehr teuer, vor allem wenn man sie aus Vandalimus-resistentem Stahl wählt, und auf Dixie-Klos geht auch nicht jeder, vor allem, wenn die nach einiger Zeit entsprechend ausschauen“, weiß Dörrenberg. Man habe als Gemeinde leider kaum Einfluss auf die Bahn und ihre stetig wechselnden Ansprechpartner und beabsichtige daher langfristig, den Bahnhof von der Bahn zu übernehmen, auch um das gesamte Quartier städteplanerisch gestalten zu können. Eine rasche Abhilfe des Toiletten-Problems, womöglich gar im Zusammenwirken mit der Deutschen Bahn, kann sie nicht versprechen: „Die DB scheint sich nur noch um Gleise und Züge zu kümmern.“ Mit Letzterem verdiene diese „immerhin Geld, ohne für Toiletten am Tutzinger Bahnhof zu sorgen“, merkt Dörrenberg kritisch an.

Also keine Hoffnung auf Abhilfe? Gemeinderat Toni Aigner (Freie Wähler) will sich der Sache annehmen und hat einen Antrag angekündigt, zu dem auch Käthe Ja sagen dürfte.    ty

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