Würde gerne Filme zeigen, darf aber nicht: Michael Teubig, Betreiber des Tutzinger Kinos Kurtheater.
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Würde gerne Filme zeigen, darf aber nicht: Michael Teubig, Betreiber des Tutzinger Kinos Kurtheater.

Kinobetreiber Michael Teubig befürchtet Insolvenz und bittet zum zweiten Mal um Spenden

„Wir sind die Prügelknaben“

Michael Teubig, Betreiber des Tutzinger Kurtheaters, sagt es mit Nachdruck: In Deutschland habe es in den vergangenen sechs Monaten keine einzige Corona-Infektion in einem Kino gegeben. Umso weniger Verständnis zeigt er für die Kino-Schließungen, die möglicherweise bis ins neue Jahr verlängert werden. Er befürchtet eine Insolvenz und damit das Aus des Kurtheaters.

Tutzing – Nach dem ersten Lockdown hatte Teubig den Spielbetrieb Mitte Juni eingeschränkt wieder aufgenommen, mangels neuer Blockbuster, deren Starts verschoben worden waren, mit anderen Filmen. Die Besucher wurden Richtung Herbst mehr, aber nicht viel mehr. Am 28. Oktober war wieder Schluss. Teubig weiß nicht, wie lange er noch durchhalten kann. Denn der ursprünglich für November verordnete und bis 20. Dezember erweiterte zweite Lockdown sieht weitere Verlängerungen um jeweils 14 Tage vor. Mit einem neuerlichen Aufruf zu einer Spendenaktion, versucht Teubig das vor 63 Jahren gegründete Kurtheater zu retten und lebend über die Krise zu bringen. „Ich weiß, dass die Tutzinger ihr Kino lieben“, sagt er, „ich spüre viel Zuneigung.“

Ob die angekündigte staatliche Unterstützung hilft? Die vom Bundeswirtschaftsministerium angekündigte Novemberhilfe habe Teubig erst ab 25. November online beantragen können, die Bearbeitungszeit bis zu Auszahlungen werde erfahrungsgemäß lange dauern. Was er bisher im Verlauf der Pandemie erhalten hat? „Einmal habe ich 5000 Euro Überbrückungshilfe bekommen.“ Aber Monat für Monat müsse er Zahlungen leisten – wegen laufender Kosten für Pacht, Strom, Heizung, Versicherungen, Filmmiete, nicht zuletzt für Hygienemaßnahmen, und das bei null Umsatz. Das monatliche Minusgeschäft beziffert er auf 1800 bis 2000 Euro. „Wenn ich die Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, geht es nicht mehr“, folgert Teubig. „Dann ist das Kino nach 63 Jahren weg.“

Ein geringes Ansteckungsrisiko in Kinos haben Wissenschaftler bestätigt. Das Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin etwa schätzt die Gefahr in Büros höher ein. Teubig ist überzeugt: „In unserem Kino kann man sich nicht anstecken.“ Im Saal sind die Reihen relativ weit auseinander, rot-weiße Klebebänder sperren viele Sitze ab. Eine starke Lüftungsanlage sorgt durchgehend für Frischluft und Zirkulation, Ein- und Ausgang sind getrennt, Mitarbeiter desinfizieren vor jeder Vorstellung Türklinken, Wasserhähne, Müllbehälter, Toiletten, Tresen. Statt 127 Plätzen gibt es nur 53 Sitze, doch wenn das Kino öffnen darf, kommen sowieso kaum mehr als 25 Menschen, oft weniger.

„Wir haben alle Regeln eingehalten und noch mehr getan“, sagt Teubig, „aber jetzt werden wir bestraft.“ Er verstehe nicht, warum ausgerechnet Betriebe mit guten Hygienekonzepten, von Gaststätten bis zu Kinos, Theatern und Musikstätten, schließen müssten. Teubig: „Wir sind die Prügelknaben.“ Lorenz Goslich

Spendenaufruf

Der Förderverein des Kurtheaters bittet um Spenden. Alle Spender erhalten eine steuerlich absetzbare Quittung. Bankverbindung: IBAN DE 98 7342 1478 0386 4113 60, Hypovereinsbank Weilheim, Stichwort „Lockdown 2“.

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