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Offene Türen: Mesner Rudi Strunz, Pfarrer Peter Brummer und Angelika Pfaffendorf vom Unterstützerkreis mit den drei Kirchenasylanten Kovan Quader Arab, Peshtiwan Nasser Abdal und Mirza Merie Sherzad in Tutzings katholischer Pfarrkirche. 

Pfarrei St. Joseph

„Lückenbüßer“ hilft: Tutzinger Kirchenasyl für Flüchtlinge

Tutzing - Immer wieder wendet sich der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in München an die Tutzinger Pfarrei St. Joseph. Er weiß längst, dass die Tore fürs Kirchenasyl nur an wenigen Orten so weit offen stehen wie bei ihr.

Meist muss es sehr schnell gehen. Im Januar und im Februar hat Dieter Müller vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst händeringend eine Bleibe für die Jesiden Peshtiwan Nasser Abdal, Kovan Quader Arab und Mirza Merie Sherzad gesucht. Sie sollten zurück in die EU-Ersteintrittsländer – Sherzad und Kovan nach Bulgarien, Peshtiwan nach Ungarn. Müller sieht beide Länder sehr kritisch – und die katholische Tutzinger Pfarrei St. Joseph hat die drei, alle Anfang 20, aufgenommen. Seitdem leben sie im Pfarrheim und auf dem Kirchengrund.

Die rund ums Kirchenasyl vorläufig eingekehrte Ruhe kann nicht darüber hinweg täuschen, wie umstritten das Thema ist. Bundesweit befinden sich zurzeit nach Kenntnis der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche (BAG Asyl) 427 Menschen in Kirchenasyl. Aber nur ein kleiner Teil der Pfarreien zeigt sich dafür offen. Niemand im Landkreis Starnberg kämpft so fürs Kirchenasyl wie Tutzings Pfarrer Peter Brummer. 

Unterstützung von Ärzten, Bürgern und Pfarrgemeinderat

Innerhalb von 15 Monaten hat seine Pfarrei zehn Menschen im Kirchenasyl beherbergt – immer in Absprache mit Anwälten, Jesuiten-Flüchtlingsdienst und katholischem Büro der Bayerischen Bischofskonferenz, betont er. Kritik bekommt der Pfarrer immer wieder zu hören, gelegentlich auch in recht drastischen Mails mitgeteilt. Abschrecken lässt er sich nicht. Er will Solidarität mit geflüchteten Menschen vermitteln: „Jeder soll nach bestem Wissen und Gewissen einen Beitrag leisten.“

"Kirchenasyl lebt nur von Spenden"

Sichtlich freut er sich über starken Rückhalt durch einhellige Beschlüsse des Pfarrgemeinderats und der siebenköpfigen Kirchenverwaltung, über beträchtliche Spendenbereitschaft großzügiger Bürger, den engagierten Unterstützerkreis und die Hilfe durch Tutzinger Ärzte sowie durch das Krankenhaus. „Das ist kein Alleingang von Pfarrer Brummer“, bestätigt Kirchenpfleger Alfons Mühleck. 

Für ihn ist die Gemeinde weltverbunden: „Man muss Tutzing loben.“ Die Verantwortung aber trägt letztlich der Pfarrer. „Kirchenasyl lebt nur von Spenden“, sagt er: „Der Staat duldet es, gibt aber kein Geld.“ Verglichen mit den üblichen Zahlungen für Flüchtlinge hätten die Tutzinger dem Staat bisher etwa 20 000 Euro erspart.

Jesiden sitzen "zwischen allen Stühlen"

Pfarrer Brummer schaut im Einzelfall genau hin. Er sieht beispielsweise keinen Sinn darin, jemanden aus Westafrika ins Kirchenasyl zu nehmen, der sowieso abgeschoben wird. Die Jesiden aber säßen „zwischen allen Stühlen“. Sie seien gerade im Nordirak ständiger Gefahr ausgesetzt. Es gebe tausende Fälle von Verschleppungen, Vergewaltigungen und Morden.

Am liebsten wäre es Brummer, wenn das Kirchenasyl nicht mehr nötig wäre: „Wir sind nur die Lückenbüßer im deutschen und europäischen Asylsystem.“ Sein Wunsch: Die Härtefallkommission sollte sich mit jedem Fall intensiver auseinandersetzen.

Von Lorenz Goslich

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