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Kli maneutraler Unternehmer: Michael Willberg aus Unterzeismering kompensiert den CO2 -Ausstoß seines Unternehmens unter anderem mit zwei Elektro-Autos, einem Tesla Model X und einem Smart.

Umweltzertifikate

Ziel: 1000 Klimaschützer bis Jahresende

  • Sebastian Raviol
    vonSebastian Raviol
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Mit einer Initiative sollen Unternehmen aus dem Landkreis helfen, den Klimawandel zu bremsen. Die Zahl der teilnehmenden Firmen hat sich seit Jahresanfang auf 20 verdoppelt – doch Mitorganisator Michael Willberg hat viel höhere Ziele.

Unterzeismering – Das Gewissen von Michael Willberg sitzt in Indien. Dort hat er mit seinem Tutzinger Unternehmen Ultrasone eine Fotovoltaik-Anlage finanziert. Dadurch stellt Willberg seine Firma klimaneutral. Diese Kompensation ist einer von drei Schritten. Ultrasone verzichtet in manchen Bereichen auf CO2-Ausstoß, in anderen reduziert das Tutzinger Unternehmen die Emissionen. Antreiber dafür ist eine Klimainitiative im Landkreis, für die Willberg Mitstreiter sucht.

„Da muss ein Ausgleich geschaffen werden“

„Anfang des Jahres waren zehn Unternehmen dabei, jetzt sind es 20“, sagt er. Bis Jahresende sollen es 100 werden. „Ich habe aber im Gefühl, dass es deutlich mehr werden. 500 oder 1000 wären mir lieber.“ Willberg ist einer von zehn Initiatoren, die Unternehmen und Bürger beim Klimaschutz beraten. Der Ablauf: Ein Experte spricht mit interessierten Firmen über das Problem. „Es geht nicht um Maßnahmen, die in fünf Jahren greifen. Sie müssen jetzt wirksam sein“, betont Willberg. Innerhalb von einem halben Tag erstelle der Experte einen ökologischen Fußabdruck für das Unternehmen. Der basiert auf bestimmten Kriterien, berücksichtigt etwa den Arbeitsweg von Mitarbeitern oder den Stromverbrauch innerhalb der Firma. Dann schlägt der Experte mögliche Maßnahmen vor. „Wir sagen nicht, dass man auf alles verzichten und zurück in die Höhle muss“, sagt Willberg. Bei Ultrasone habe er Elektroautos angeschafft, die Stromversorgung auf Hackschnitzel umgestellt und die Zusammenarbeit vor allem mit lokalen und regionalen Partnern forciert.

Dazu gehört auch die Kompensation: Unvermeidlicher CO2-Ausstoß soll durch Maßnahmen in Drittweltländern kompensiert werden. „Wir haben hier alle Vorteile und emittieren wie die Wilden – und die anderen sind die Leidtragenden. Da muss ein Ausgleich geschaffen werden“, sagt Willberg.

Beratung ist zunächst kostenlos

Seine Beratung ist zunächst kostenlos. Geht es an den Fußabdruck, bekommt Willberg eine Provision. „Das kostet Unternehmen nicht den Kopf“, sagt er. Für eine kleine Firma koste der Fußabdruck unter 1000 Euro. Außerdem sollen die Firmen Emissionszertifikate der EU erwerben. Derzeit schwanke der Preis zwischen 1,50 und 5 Euro pro Tonne CO2. Die Erlöse sollen die EU-Länder in Klimaschutz investieren. Der Klimainitiative aus dem Landkreis haben sich Unternehmen aus verschiedenen Branchen angeschlossen: von einer Buchhandlung über ein Reisebüro bis hin zu einem Grafiker oder einem Brillenhersteller. Auch eine Metzgerei ist dabei. „Sie stellen ihr Rindfleisch CO2-neutral her.“ Die Kunden seien sich unsicher gewesen, ob sie das Rindfleisch, das wegen seiner Klimaschädlichkeit in der Kritik steht, weiterhin kaufen können. Der Metzger hat reagiert. „Jetzt hat er einen Wettbewerbsvorteil“, ist sich Willberg sicher. „Klimaneutrale Projekte müssen beworben werden.“

Er selbst engagiert sich seit Anfang des Jahres in der Klimainitiative, seit fünf Jahren für den Umweltschutz in seinem Unternehmen. Begonnen hat alles mit den beiden E-Autos. „Ich habe gesehen, dass man seinen Verbrauch ohne dramatische Einschränkung deutlich einschränken kann.“ Davon sind nicht alle überzeugt. „Ich sehe gerade bei Privatleuten unfassbar oft, dass der neue Porsche wichtiger ist als ein E-Auto.“ Von der Großen Koalition („Vier Jahre Stillstand“) erwartet Willberg keine Hilfe, um das Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen doch noch zu erreichen. Demnach soll die weltweite Erwärmung nicht mehr als zwei Grad steigen. „Ich würden Job nicht machen, wenn wir keine Chance hätten“, sagt Willberg.

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