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Die Zukunft des „Andechser Hof“ in Tutzing ist mal wieder ungewiss.

Zukunft der Traditionsgaststätte wieder ungewiss

Andechser Hof: „Es gibt nur Verlierer“

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Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Gemeinde Tutzing und Kloster Andechs über die Zukunft des Andechser Hofs suchen beide Seiten nach einer Lösung für das Grundstück im Herzen der Gemeinde.

Tutzing – Es ist wie bei einem unglücklichen Liebespaar: Beide wollen das Gleiche, aber es ist doch nicht das Selbe. Gemeinde Tutzing und Kloster Andechs wünschen sich die Wiedereröffnung des seit fünf Jahren leerstehenden Andechser Hofs an der Hauptstraße – und beide sind traurig, weil es nicht klappt. Wie berichtet, sind die Verhandlungen gerade an einem städtebaulichen Vertrag gescheitert, auf dem die Gemeinde besteht und den das Kloster und der beteiligte Investor nicht unterschreiben wollen. Denn die Gemeinde Tutzing hat – wie es auch in Liebesgeschichten vorkommt – Traumata aus früheren Beziehungen.

Die Ausgangslage gleicht nämlich der Seehof-Situation. Die Gemeinde Tutzing hat Angst vor diesem Déjà-vu, wenn sie dem Kloster und seinem Investor zu stark entgegenkommt. Denn die millionenschwere Generalsanierung des Gasthofs soll durch die Wohnbebauung auf dem restlichen Grundstück mitfinanziert werden – wie es damals beim „Seehof“ geplant war. „Wir sind gebrannte Kinder“, erinnert Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg. „Dort ist erst die Wohnbebauung entstanden und dann doch kein Hotel.“ So etwas dürfe nicht noch einmal passieren. Deshalb sei es dem Gemeinderat so wichtig gewesen, in den städtebaulichen Vertrag eine Bestandsgarantie für das Wirtshaus einzubauen und vor allem, dass die sieben Häuser erst vermarktet werden, wenn die Gaststätte wieder läuft. „Das ist kein Misstrauen gegen das Kloster oder den Investor“, unterstreicht Dörrenberg. „Aber der Gemeinderat konnte da einfach nicht darüber hinwegsehen. Gaststätte und Häuser zeitgleich zu bauen, wäre okay gewesen. Aber keine vorherige Vermarktung.“ Der Rat habe daher vergangene Woche in nicht öffentlicher Sitzung gegen eine Begrenzung des Gaststättenbetriebs auf zehn Jahre gestimmt.

Zehn Jahre hatte das Kloster angeboten, wie der kaufmännische Leiter der klösterlichen Betriebe, Christian Rieger, bestätigt. „Wir wären bereit gewesen, über die Laufzeit weiter zu verhandeln“, sagt er. Nicht verhandelbar sei die Sache mit der verzögerten Vermarktung. „Da kommen wir nicht aus.“ Denn der Investor, der das Areal kaufen will, müsste entweder alles vorfinanzieren – oder er hätte später eine Baustelle neben der soeben eröffneten Wirtschaft.

Auch Rieger bedauert, dass die Verhandlungen keinen Erfolg zeigten. „Jetzt gibt es erstmal nur Verlierer. Jeder hat Energie, Zeit und Geld reingesteckt – für nichts.“

Der Gemeinderat hatte auch Probleme mit Wohnbebauung so nah an einem Biergarten. „Auf dem Modell sah man, dass die Abstände ganz gering sind“, sagt Dörrenberg. Das könnte Ärger geben. Wie am Nordbad: Dort habe jemand ein Ferienhaus hingestellt und prozessiere wegen des Lärms. „Dort ist seit mehr als 100 Jahren Betrieb, zwischen den Weltkriegen sind Wasserflugzeuge gelandet“, sagt Dörrenberg. „Die Rechtsprechung geht immer zugunsten der Wohnbebauung“, hat sie festgestellt.

Dabei wird es aber ohne Wohnbebauung zur Finanzierung der Wirtshaus-Sanierung nicht gehen. Das macht Rieger unmissverständlich klar. Er unterstreicht aber auch seinen Willen, die Verhandlungen weiterzuführen. „Ich will mit der Gemeinde im Dialog bleiben.“

Dörrenberg betont, wie gut die Zusammenarbeit mit Kloster und Investor bisher war. Und signalisiert unbedingte Gesprächsbereitschaft. Beim Reden kommen die Leut’ zusammen – vielleicht auch dieses Paar.

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